ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2003Gibt es Indikationen für Erythropoetin in der Onkologie? Schärfere Abwägung

MEDIZIN: Diskussion

Gibt es Indikationen für Erythropoetin in der Onkologie? Schärfere Abwägung

Dtsch Arztebl 2003; 100(18): A-1207

Matzdorff, Axel

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LNSLNS Die Notwendigkeit und der Nutzen einer Erythropoetinbehandlung bei unseren Patienten muss schärfer abgewogen werden. Nicht zustimmen möchte ich dem Autor in der Darstellung der Risiken von Bluttransfusionen. Das geringe Risiko infektiöser Komplikationen ist korrekt angegeben, eine ganze Reihe weiterer und nicht minder relevanter Transfusionskomplikationen müssen in dieser Diskussion jedoch ebenfalls genannt werden: nicht tödliche Fehltransfusionen, verzögerte Transfusionsreaktionen, transfusionsassoziierte GvHD, Posttransfusionspurpura, transfusionsinduzierte Lungenschädigung und andere.
Der „Shot“-Report (Serious Hazards of Transfusion, Annual Report 2000/ 2001, www.shot.demon.co.uk) zählt bei mehr als drei Millionen Gaben von Blutprodukten in Großbritannien nur sechs transfusionsvermittelte Infektionen; die Gesamtzahl der ernsten Transfusionskomplikationen ist jedoch 50-mal höher, das ergibt etwa eine ernste Komplikation auf 11 000 Transfusionen. Diese Zahl sollte fairerweise der Abwägung des Nutzens einer Erythropoetinbehandlung zugrunde gelegt werden.
Noch schwieriger ist die Einschätzung, dass für viele Krebspatienten langfristige Transfusionsrisiken wenig relevant seien, weil diese Patienten erst in fortgeschrittenen Krankheitsstadien Transfusionen benötigen und zu diesem Zeitpunkt nur noch eine kurze Lebenserwartung haben. Wenn man diesen Gedanken weiterführt, dann könnten auch unsere 70- oder 80-Jährigen mit Konserven versorgt werden, die nicht mehr auf HIV oder Hepatitis C getestet werden. Ich bin überzeugt, dass unsere Patienten das anders sehen.

Priv.-Doz. Dr. med. Axel Matzdorff
Klinik für Hämatologie und Onkologie
Caritasklinik Sankt Theresia
Rheinstraße 2
66113 Saarbrücken

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