ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2003Kunst- und Ausstellungshalle Bonn: Paul Klee im Rheinland

VARIA: Feuilleton

Kunst- und Ausstellungshalle Bonn: Paul Klee im Rheinland

Dtsch Arztebl 2003; 100(18): A-1211 / B-1020 / C-954

Clade, Harald

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LNSLNS Eine geradezu sensationelle Ausstellung des Werkes des deutschen Malers Paul Klee (18. Dezember 1879 bis 29. Juni 1940) ist noch bis zum 7. Juni in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Zusammenarbeit mit dem Rheinischen Landesmuseum Bonn (Landschaftsverband Rheinland) zu sehen: rund 130 Gemälde, Gouachen, Aquarelle und Zeichnungen aus fast allen Schaffensperioden des Künstlers, der rasch zur Weltgeltung gelangte. Das Besondere an der Bonner Ausstellung: Erstmals werden an ausgewählten Exponaten die Beziehungen und Verbindungen Klees zum Rheinland exemplarisch aufgezeigt. Viele der Werke wurden erst in den letzten Jahren und durch seismographischen Spürsinn von wissenschaftlichen Bearbeitern wieder entdeckt und aus Privatbesitz oder großen Museen aus Übersee und dem europäischen Ausland für die Klee-Sammlung zusammengetragen.
Einige der Werke in der rheinischen Schaffensphase Klees von 1931 bis 1933 sind bis heute weder wissenschaftlich aufgearbeitet worden noch jemals Thema einer Klee-Ausstellung oder einer Buchveröffentlichung gewesen.
So wurden in Zusammenarbeit mit der Paul-Klee-Stiftung und der Familien-Nachlass-Sammlung und Stiftung in Bern sowie mit Unter-
stützung des Guggenheim-Museums New York der ART-Institute of Chicago, des Museum of Modern Art New York Leihgaben aus privaten britischen, amerikanischen, schweizerischen und japanischen Sammlungen in die Kunsthalle gebracht: eine außergewöhnliche, gut organisierte, übersichtliche Präsentation der Werke ist das Ergebnis.
Ein Teil der Arbeiten stammt aus Sammlungen, die sich vor Klees Übersiedlung von Dessau nach Düsseldorf (1931)
in rheinischem Privatbesitz befanden. Darunter sind Werke unterschiedlicher Stilrichtungen – eigenwillig, abstrakt bis hin zum Kubismus, so beispielsweise die ganz in Braunton gehaltene kubistische Erfassung von Häuserarealen und Stadtzentren sowie antigeometrische innenarchitekonische Impressionen und Konstruktionen. Ein Werk im Bauhausstil lässt Klee als Schöpfer nur erahnen.
Zwar besuchte Klee im November 1916 während seines Militärdienstes in der Verwendung als Transportführer erstmals das Rheinland. Werke aus dieser Epoche gibt es jedoch nicht.
Eine geradezu explosionsartige Vielfalt des Schaffens
repräsentieren seine akribisch und minutiös ausgearbeiteten Malereien der Jahre 1931 bis 1933, als er an die Staatliche Kunstakademie auf Betreiben des damaligen Direktors Dr. Walter Kaesbach als Professor für die Klasse Maltechnik berufen wurde und vom Bauhaus in Dessau an den Rhein übersiedelte.
Die Grundlage für Klees Kontakt zum Rheinland war vor allem seine Freundschaft zu August Macke, den er im September 1911 bei Louis René Moilliet in Gunten am Thuner See in der Schweiz kennen gelernt hatte. Mit Macke und Moilliet unternahm er im April 1914 die berühmt gewordene Reise nach Tunis, die für Klee den Durchbruch als unkonventionellen und stilprägenden Maler brachte.
Macke hatte dann maßgeblichen Einfluss auf die Konzeption der internationalen Sonderbundausstellung im Sommer 1912. Dabei wurden auch zum ersten Mal Arbeiten von Klee (vier Zeichnungen) im Rheinland vorgestellt.
Förderer und Sammler
Große Verdienste bei der Förderung und Anerkennung des Werkes von Klee im Rheinland hat sich der Düsseldorfer Kunstverein für Rheinland und Westfalen in Zusammenarbeit mit der Galerie Alfred Flechtheim erworben.
Die künstlerische Präsenz Klees in rheinischen Sammlungen und Ausstellungen ist auch dem Düsseldorfer Arzt von Paul Klee, Dr. med. Hans Koch, zu verdanken, der 1919 den Kunstsalon von Bergh begründete. Als weitere wichtige rheinische Sammler der damals zeitgenössischen aktuellen Kunst, die bei Klee 1933 darin gipfelte, dass sie als entartet diffamiert wurde, sind zu nennen: Dr. jur. Josef Haubrich, Dr. Heinrich Stinnes, Alfred L. Tietz (der Kaufhof-Gründer) und der Unternehmer Werner Vowinckel aus Köln, Hermann Lange und Dr. Ernst Raemisch in Krefeld, Johannes Geller in Neuss und Rudolf Ibach in Wuppertal. Diese Kunstliebhaber und Mäzene sind denn auch mitentscheidend für die Förderung und die Sammlung der Werke Klees. Sie beflügelten offenbar seinen unermüdlichen Schaffensdrang Anfang der Dreißigerjahre. In einem Jahr schuf Klee fast 900 Werke, die er stets durchnummerierte. Auch darüber gibt die Bonner Ausstellung beredtes Zeugnis. Das Œuvre von Paul Klee ist ebenso originell wie vielgestaltig und facettenreich. Berühmt und ein Markenzeichen Paul Klees ist der von ihm mitkreierte Stil des Pointillismus beziehungsweise des Divisionismus. Einzelne großformatige Werke wie „Athletenkopf“, 1930.11 – ein Aquarell und Bleistift auf Papier auf Karton, eine Leihgabe des Metropolitan Museum of Art, New York, oder „Die Tänzerin“ – divisionistische Aquarelle und Gemälde – sind aus mehr als 3 000 Einzelelementen pointilliert worden. Harald Clade
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