ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2003Krankenhäuser: Controlling gewinnt an Bedeutung

VARIA: Wirtschaft

Krankenhäuser: Controlling gewinnt an Bedeutung

Dtsch Arztebl 2003; 100(18): A-1212 / B-1021

Schirmer, Herbert

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LNSLNS Die wirtschaftliche Führung eines Krankenhauses unter DRG-Bedingungen erfordert eine ganzheitliche Leitung ohne divergierende Bereichs- und Abteilungsinteressen. Der Führungserfolg hängt maßgeblich davon ab, ob das Management mit qualifizierten Führungsinstrumenten ausgestattet ist, die die Planung, Steuerung und Kontrolle der vereinbarten Ziele absichern. Dazu bedarf es auch eines gut funktionierenden zentralen Controllerdienstes als Stabsstelle im Führungssystem und eines Spartencontrollings in den Leistungsbereichen. Letzteres wird im Krankenhaus auch Medizin- oder Pflegecontrolling genannt.
Der zentrale Controllerdienst hat strategische und operative Aufgaben zu übernehmen. Das betrifft vor allem die Koordination innerhalb der Führungs- und Leistungssysteme, die Planungs-, Steuerungs- und Informationsverantwortung sowie die Ergebniskontrolle.
Der medizinische Fortschritt und die verbesserten Diagnose-/Therapieverfahren haben konkrete Auswirkungen auf die betriebswirtschaftlichen Ergebnisse des Krankenhauses. Es handelt sich um Fälle, bei denen ärztlich vertretbare Liegezeitverkürzungen, vor- und nachstationäre Behandlungen, teilstationäre oder ambulante Versorgung Erkrankter möglich sind, die gleichzeitig zur Verbesserung des Wohlbefindens der Patienten beitragen. Damit werden im Krankenhaus wirtschaftliche Einsparungen erzielt, die auf ärztliche Primärentscheidungen zurückgehen.
Die Leistungsprozessoptimierung wird in den kommenden Jahren einen zunehmend größeren Stellenwert einnehmen. Deshalb ist es sinnvoll, das gesamte Leistungsspektrum als strategische Aufgabe zu erfassen und zu planen. Zu den Aufgaben der strategischen Leistungsplanung gehören insbesondere die Bestimmung der Fallzahlen als Grundlage für zu erbringende Leistungen sowie zu erwirtschaftende Erlöse, die Festlegung der Behandlungsstrukturen als Fallstruktur (Case Mix), das Abschätzen der Verluste durch den Versorgungsauftrag unddie Abwägung der Erlösausfälle auf die Gesamtentwicklung des Krankenhauses.
Zu den Aufgaben der Erlösplanung gehört die Erlössicherung durch die richtige Bestimmung der Fallstruktur und der Fallzahlen. Darüber hinaus gilt es, aus den einheitlich abrechnungsfähigen DRGs die richtigen Erlöskonsequenzen abzuleiten. Mögliche Konsequenzen sind zum Beispiel vertikale Kooperationen mit niedergelassenen Ärzten und Reha-/Pflegeeinrichtungen, horizontale Kooperationen mit Belegärzten beziehungsweise in Form von Gesundheitszentren oder die Qualifizierung der Mitarbeiter für medizinische, medizin-technische und pharmazeutische Innovationen.
Die Ergebnisplanung durch den Controllerdienst ist besonders wichtig, um negative Überraschungen im Verlauf der Zeit zu verhindern. Deshalb sind auf der Grundlage von Ist-Ergebnissen die strategischen Ziele für Soll-Ergebnisse festzulegen. Die Ergebnisse des Fallmanagements (Case-Managements) können dabei zur Planung von Sollergebnissen und Leistungsschwerpunkten genutzt werden. Um die Zukunft des eigenen Krankenhauses zu sichern, ist ein vernünftiger Leistungsmix von voll- und teilstationären Behandlungen zu planen. Immanenter Bestandteil der Ergebnisplanung muss die Gewinnplanung sein, um bei einer künftigen monistischen Krankenhausfinanzierung alle Investitionen selbst finanzieren zu können.
Das eigenverantwortliche wirtschaftliche Führen des Krankenhauses wird mit der schrittweisen Einführung eines neuen Vergütungssystems erforderlich, jedoch ist das wirtschaftliche Führen ohne krankenhausspezifisches Controllingkonzept in Zukunft nicht denkbar. Darin stimmen die meisten Krankenhausexperten überein.
Controlling im Krankenhaus wird zunehmend eine Aufgabe der Ärzte und der Pflegekräfte. Das Krankenhaus der Zukunft bedarf nicht nur einer modernen Medizin und einer strengeren Überprüfung der Indikation zur Krankenhausbehandlung, sondern zugleich eines leistungsfähigen Controllerdienstes, der eine rationellere beziehungsweise kostengünstigere Nutzung der Krankenhauseinrichtungen, der Großgerätetechnik und des medizinischen Sachbedarfs sowie eine vernünftige Personalsteuerung sichert.
Dr. rer. oec. habil. Herbert Schirmer
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