ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2003Arzneimittelverordnung: Kassen liefern Informationen

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Arzneimittelverordnung: Kassen liefern Informationen

Dtsch Arztebl 2003; 100(19): A-1225 / B-1033 / C-965

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Dr. med. Leonhard Hansen, Zweiter Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung: Die Praxis wird zeigen, ob Einsparungen möglich sind. Foto: KBV
Dr. med. Leonhard Hansen, Zweiter Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung: Die Praxis wird zeigen, ob Einsparungen möglich sind. Foto: KBV
KBV-Vize Hansen: „Schritt in die richtige Richtung“

Ärzte können künftig schneller als bisher überprüfen, ob sie im Vergleich zu anderen Kollegen zu viele und zu teure Medikamente verordnen. Möglich macht dies das neue Frühwarnsystem „GAmSI für den Arzt“
(GKV-Arzneimittel-Schnellinformationen), mit dem Ärzte monatlich durch die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) über ihr Verschreibungsverhalten informiert werden sollen.
Ab sofort werden die Rezepte aller Ärzte von den Krankenkassen kassenübergreifend ausgewertet und die Ergebnisse als Arztberichte mit nur wenigen Wochen Verzögerung vertraulich zur Verfügung gestellt. Der Arzt erfährt Anzahl, Umsätze und prozentuale Verteilung seiner Rezepte im Vergleich zu seiner Fachgruppe. Die Basisdaten werden ergänzt um Kennzahlen zu wirtschaftlich relevanten Arzneimittelgruppen wie preisgünstige Generika und Festbetragsarzneimittel sowie kostenintensiven Analog- und Spezialpräparaten. Damit kommen die Krankenkassen jahrelangen Forderungen der KVen nach und ermöglichen Ärzten durch Bereitstellung der Daten, das eigene Verordnungsverhalten zu überprüfen und gegebenenfalls Unwirtschaftlichkeiten zu beenden.
Als einen „Schritt in die richtige Richtung“ begrüßte der Zweite Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Dr. med. Leonhard Hansen, das Projekt. Es sei anzuerkennen, dass sich die Spitzenverbände „nach jahrelanger Zurückhaltung auf den Weg gemacht haben, aus dem Fundus der ihnen zur Verfügung stehenden Daten Arzneimittel-Schnellinformationen“ aufzuarbeiten. Das Konzept biete dem Arzt erstmals persönliche Anhaltspunkte, inwieweit sich „die viel beschworenen Einsparmöglichkeiten verwirklichen lassen. Gleichzeitig warnte Hansen aber davor, Ärzte in erster Linie als „Kostenmanager“ zu betrachten. Die Arzneimittelversorgung sei ein komplexer Vorgang. Es werde sich deshalb erst in der Praxis zeigen, welche Veränderungen sich durch dieses Instrument im Verordnungsverhalten der Vertragsärzte erreichen lassen, sagte Hansen bei der Vorstellung von GAmSI in Berlin. Zudem kritisierte der KBV-Vize, dass die Daten noch nicht weiterverarbeitungsfähig seien. Hier müssten die Kassen noch nachbessern.
Als einen Quantensprung für die Verordnungstransparenz bezeichnete der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes der Betriebskrankenkassen, Wolfgang Schmeinck, das neue Frühwarnsystem. Monatlich würden Daten in einer Größenordnung von nahezu zehn Gigabyte aufgearbeitet. Dies entspreche einem Rezeptstapel von insgesamt vier Kilometern Höhe. Allein im Januar seien 86 000 Arztberichte erstellt worden. Schmeinck sagte, nun zähle „die Ausrede“ der KVen nicht mehr, die Verordnungsentwicklungen wegen fehlender Steuerungsdaten nicht beurteilen und beeinflussen zu können.
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