ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2003Weiterbildung zum Hausarzt: Bundes­ärzte­kammer stellt die Weichen

POLITIK

Weiterbildung zum Hausarzt: Bundes­ärzte­kammer stellt die Weichen

Dtsch Arztebl 2003; 100(19): A-1230 / B-1036 / C-968

Koch, H. Hellmut

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LNSLNS Der Deutsche Ärztetag hatte 2002 in Rostock nach intensiver Diskussion mit großer Mehrheit beschlossen, im Weiterbildungsrecht eine einheitliche Hausarzt-Qualifikation zu verankern.

Der Vorstand der Bundes­ärzte­kammer hat im Vorfeld der im Mai anstehenden Diskussion und Beschlussfassung auf dem 106. Deutschen Ärztetag den Rostocker Beschluss über die zukünftigen Qualifikationswege für die hausärztliche und internistische Versorgung bestätigt. In einer zweigliedrigen Struktur stellen die gemeinsamen Inhalte für die hausärztliche und spezialisierte internistische Weiterbildung zukünftig die Grundlage für das neue Gebiet „Innere Medizin und Allgemeinmedizin“ dar.
Im Rahmen der Weiterbildung zum Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin (Hausarzt) soll ergänzend zur allgemein-internistischen Weiterbildung ein zweijähriger Weiterbildungsabschnitt in der ambulanten hausärztlichen Versorgung erfolgen. Für diesen Bildungsweg ist insgesamt eine Mindestweiterbildungszeit von fünf Jahren erforderlich. Zwischen den internistischen und allgemeinmedizinischen Berufsverbänden und Fachgesellschaften konnte ein gemeinsamer Konsens sowohl für die allgemein-internistischen als auch die spezifisch hausärztlichen Weiterbildungsinhalte herbeigeführt werden. Kontrovers wurde allerdings die Möglichkeit diskutiert, während einer dreijährigen stationären internistischen Weiterbildung auch bis zu zwölf Monate Weiterbildung in anderen Gebieten zu ermöglichen. Die überwiegende Mehrheit der Lan­des­ärz­te­kam­mern hat sich im Vorfeld des 106. Deutschen Ärztetages in Köln für eine derartige Anrechnungsmöglichkeit ausgesprochen.
Im Rahmen der Weiterbildung zum Facharzt für Innere Medizin mit Schwerpunktbezeichnung soll ergänzend zur allgemein-internistischen Weiterbildung eine dreijährige Spezialisierung im Schwerpunkt erfolgen. Für diesen Bildungsweg ist insgesamt eine Mindestweiterbildungszeit von sechs Jahren erforderlich.
Vorgesehen ist künftig eine zweigliedrige Struktur
Dieses Konzept soll den Status quo mit dem Nebeneinander von Allgemeinärzten, hausärztlichen Internisten, fachärztlichen Internisten und Schwerpunkt-Internisten ablösen und sieht zukünftig eine zweigliedrige Struktur mit allgemeinmedizinisch-internistisch geprägten Hausärzten und Fachinternisten mit zusätzlicher Schwerpunktbezeichnung vor. Hierbei wird berücksichtigt, dass für die Versorgung der Bevölkerung zukünftig fünfjährig weitergebildete Hausärzte mit flexiblen Bildungsmöglichkeiten und soliden Mindestqualifikationen in den beiden Grundfächern Innere Medizin und Allgemeinmedizin gebraucht werden. Zudem soll nicht jeder Fachinternist verpflichtet werden, das für angehende Hausärzte vorgesehene Bildungspaket einer zweijährigen Praxisphase inklusive Chirurgie und verpflichtendem Weiterbildungskurs absolvieren zu müssen.
Die vorgesehenen Regelungen erlauben es den nachwachsenden Ärztinnen und Ärzten, nach einer mehrjährigen Tätigkeit in der stationären internistischen Medizin eine Richtungsentscheidung hin zur hausärztlichen Medizin oder zur spezialisierten internistischen Medizin zu treffen. Dabei durchflechten die gemeinsam formulierten Weiterbildungsinhalte selbstverständlich diese beiden beruflichen Ausrichtungen über die gesamte Weiterbildungszeit von fünf beziehungsweise sechs Jahren. Es muss also nicht in drei Jahren die gesamte allgemeine Innere Medizin erlernt werden; dies erfolgt vielmehr über die gesamte Weiterbildungszeit. Schließlich ist die Arbeit in der hausärztlichen Praxis und in der spezialisierten internistischen Klinik stets auch von allgemein-internistischen Inhalten durchdrungen. Insofern ist auch zukünftig nicht daran gedacht, die Tätigkeit eines Internisten mit Schwerpunkt nur auf seine Subspezialität zu beschränken, zum Beispiel soll der Kardiologe der Zukunft immer noch Internist sein und bleiben. Von der Abschaffung des Gebietes „Innere Medizin“ – wie von manch interessierter Seite irreführend zurzeit verbreitet wird – kann daher keine Rede sein.
Es ist festzustellen, dass
- nahezu alle klinisch tätigen Internisten bereits jetzt neben dem Facharzt für Innere Medizin auch einen Schwerpunkt erwerben;
- schon derzeit die Ober- und Chefarztstellen regelhaft ein differenziert spezialisiertes Qualifikations- und Erfahrungsprofil erfordern;
- die Mindestweiterbildungszeit für den spezialisierten Internisten gemäß jetzt gültiger Weiter­bildungs­ordnung sieben Jahre beträgt, zukünftig werden es sechs Jahre sein. Hierdurch ändert sich selbstverständlich nichts an den klinischen Versorgungsstrukturen in der stationären Inneren Medizin;
- auch weiterhin in internistischen Kliniken Patienten mit ganz unterschiedlichen internistischen Erkrankungen auf den jeweils angemessenen und kooperierenden Spezialisierungsstufen versorgt werden;
- die Forderung nach einem breit in allen Subspezialitäten der Inneren Medizin gebildeten, aber unspezialisierten internistischen Facharzt, der sämtliche internistischen Probleme in der Grundversorgung, in der allgemeinen Stationsarbeit und im Konsiliardienst übernimmt, weder der realen Situation noch einer absehbaren Entwicklung entspricht;
- die Weiterbildungsbefugnisse wie bisher, je nach Leistungsspektrum einer Abteilung, getrennt für die allgemeine Innere Medizin beziehungsweise die Schwerpunktweiterbildung erteilt werden. Somit ändert sich auch hier nichts an der bestehenden Handhabung;
- das neue Weiterbildungsrecht in keiner Weise die Lehre oder die Besetzung von Lehrstühlen in der Inneren Medizin beeinträchtigt. Alle existierenden internistischen Hochschullehrer besitzen auch heute schon eine Schwerpunktbezeichnung;
- die EU-Kompatibilität gleichermaßen wie beim jetzigen fünfjährigen Facharzt für Allgemeinmedizin bestehen bleibt.
Die geplanten weiterbildungsrechtlichen Regelungen orientieren sich an den gewachsenen Strukturen unseres Versorgungs- und Bildungssystems. Der jetzt vom Vorstand der Bundes­ärzte­kammer vorgelegte Entwurf für das Gebiet „Innere Medizin und Allgemeinmedizin“ wird den Notwendigkeiten der Patientenversorgung gerecht und stellt ein geeignetes Bildungskonzept für die Ärztinnen und Ärzte in Arztpraxen, Krankenhäusern und Universitätskliniken dar.
Dr. med. H. Hellmut Koch
Vorsitzender der Weiterbildungsgremien der Bundes­ärzte­kammer
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