ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2003Stigmatisierung noch nicht überwunden

POLITIK: Medizinreport

Stigmatisierung noch nicht überwunden

Dtsch Arztebl 2003; 100(19): A-1238 / B-1042 / C-974

bl-ki

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Ein langfristiger und komplexer Prozess ist die Überwindung von Stigmatisierung und Diskriminierung Schizophreniekranker. Ergebnisse von Repräsentativerhebungen in Deutschland in den Jahren 1990 und 2001 lassen erkennen, dass zwar das Wissen der Bevölkerung über die Ursachen der Schizophrenie in den letzten zehn Jahren zugenommen hat. Dies habe jedoch nicht zu einer positiveren Einstellung gegenüber den Betroffenen geführt – im Gegenteil, erklärte Prof. Matthias C. Angermeyer (Leipzig). Kontakte mit Schizophreniekranken würden heute sogar stärker abgelehnt als damals.
Um diesem Trend entgegenzusteuern, laufen derzeit in Deutschland zahlreiche Initiativen. In Leipzig wurde beispielsweise im Frühjahr 2000 „Irrsinnig Menschlich e.V. Verein für Öffentlichkeitsarbeit in der Psychiatrie“ gegründet. Hauptanliegen ist es, Begegnungen zwischen psychisch Erkrankten und ihren Mitmenschen zu fördern und umfassend zu informieren. Ein wichtiger Baustein ist das Schulprojekt „Verrückt? Na und!“. Erste Evaluationen sprächen dafür, dass tatsächlich Vorurteile abgebaut und Einstellungen verändert werden können, berichtet Angermeyer.
Für die negative Einstellung gegenüber Schizophreniekranken ist besonders das Klischee von der Unberechenbarkeit und Gefährlichkeit von Bedeutung, das zum Teil auch auf einer zu einseitigen Berichterstattung in den Medien beruht. BASTA (Bayerische Anti-Stigma-Aktion) und SANE (Stigma Alarm Netzwerk) wollen das ändern. Die „Präsenz“ von psychisch Kranken in den Medien hat nach Ansicht
von BASTA-Koordinator Dr. Werner Kiessling (München) zwei Seiten. Zwar gebe es Beiträge, die durch eine reißerische Darstellungsweise immer wieder zum Auslöser beziehungsweise Verstärker des Stigmas würden. Jedoch könnten beispielsweise Filme wie „Das weiße Rauschen“ oder „A Beautiful Mind“ durchaus auch attraktive Instrumente für Anti-Stigma-Kampagnen sein. Denn es werde damit ein breites Laienpublikum erreicht und potenziell für das Thema interessiert. bl-ki

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema