ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2003Hochschulmedizin: Rechtsformwechsel löst keine Probleme

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Hochschulmedizin: Rechtsformwechsel löst keine Probleme

Dtsch Arztebl 2003; 100(19): A-1250 / B-1053 / C-985

Bühler, Gero

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LNSLNS Mit Betroffenheit nahmen wir den Beitrag von Prof. Dr. med. Mössner zur Kenntnis. Der Beginn der Diskussion um eine Umwandlung der sächsischen Universitätsklinika geht auf das Jahr 1996 zurück und wurde 1998 gesetzlich verankert. Wir selbst engagierten uns als damalige Mitglieder des Studierenden Rats Medizin, also der Fachschaft Medizin, in Leipzig 1996 bis 1998 gegen einen Rechtsformwechsel. Wir argumentierten damals, dass bei einem Rechtsformwechsel die Einheit von Lehre, Forschung und Krankenversorgung eintritt, v. a. durch das Übergewicht eines Vorstandes, in dem die Fakultät für ihre Aufgaben keinerlei Mitsprache besitzen werde. Wir machten darauf aufmerksam, dass eine längst überfällige und nun anstehende Studienreform in der Medizin durch das von Mössner beschriebene Konstrukt gefährdet wird, die Beschäftigten, egal, welcher Gruppe angehörend, mit deutlichen Verschlechterungen rechnen könnten, gleichfalls in den Aufgaben Krankenversorgung und Forschung. Uns gelang damals eine Zusammenarbeit zu diesen Positionen in die Universitätsgremien hinein, wir konnten unter allen Gruppen, insbesondere den Hochschullehrern, Verbündete finden. Wie wichtig unsere Position der Universität Leipzig war, zeigte sich daran, dass einer unserer engagiertesten Kommilitonen mit dem Natonek-Preis vom Senat geehrt wurde. Heute müssen wir feststellen, dass unsere von der Staatsregierung natürlich abgelehnte Einschätzung nicht nur eingetreten, sondern bitter übertroffen wurde. Und der von Mössner genannte Kaufmann wurde von der Staatsregierung, quasi über die Hintertür, aus einem Krankenhauskonzern übernommen, der seit 1992 sich aufgrund des Widerstands in Fakultät und Universität vergeblich um eine Privatisierung zu seinen Gunsten bemühte. Die Aufgaben der Hochschulmedizin sind keine marktfähige Ware, als könnte der Markt es richten. So ist es leider nicht verwunderlich, dass ein Konstrukt einer Anstalt öffentlichen Rechts nach privatem Vorbild zu den von Mössner geschilderten Zuständen geführt haben. Es bestätigt sich: Ein Rechtsformwechsel in der Hochschulmedizin, gar Privatisierung löst keines der bestehenden Probleme, sondern ist nur Hebel für die jeweiligen Landesregierungen, sich aus ihren unabdingbaren Aufgaben in der Hochschulmedizin zu verabschieden und diese in ein finanzielles Jammertal zu führen. Inzwischen längst außerhalb der Universität ärztlich tätig, sehen wir uns jedoch weiter mit jenen unserer Mutterfakultät verbunden, die versuchen, den Schaden zu bekämpfen, Schlimmeres zu verhindern.
Dr. med. Gero Bühler,
Schererstraße 3, 85055 Ingolstadt,
Dr. med. Alexander Springer, Kettelerstraße 6, 84503 Altötting
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