ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2003Primärer Hyperparathyreoidismus: Chirurgischer Eingriff ist Goldstandard

MEDIZIN: Diskussion

Primärer Hyperparathyreoidismus: Chirurgischer Eingriff ist Goldstandard

Dtsch Arztebl 2003; 100(19): A-1283 / B-1073 / C-1005

Goretzki, Peter E.

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LNSLNS Der Artikel befasst sich auch mit der Therapie des primären Hyperparathyreoidismus, die vonseiten der Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft für Endokrinologie (CAEK) der Deutschen Gesellschaft für Viszeralchirurgie teilweise unterschiedlich gesehen wird.
So ist der asymptomatische Krankheitsverlauf des primären Hyperparathyreoidismus (HPT) weiterhin selten und macht weniger als 5 bis 10 Prozent der definitiv therapierten Patienten in Deutschland aus (1).
Wie vom Autor beschrieben, wird heute die kurative Therapie des primären Hyperparathyreoidismus allein in der operativen Entfernung von pathologisch vergrößertem Nebenschilddrüsengewebe gesehen, wobei sich zwei Wege als gangbare Alternativen erwiesen haben: Die klassische Freilegung aller Epithelkörperchen und Entfernung nur vergrößerter Gewebe (in mehr als 80 Prozent 1 Epithelkörperchenadenom) oder die präoperative Lokalisationsdiagnostik vergrößerter Nebenschilddrüsengewebe mittels Ultraschall und/oder Sestamibiszintigraphie mit nachfolgender minimalinvasiver Vorgehensweise und intraoperativer Qualitätssicherung durch Bestimmung des Serum-Parathormonwertes mittels Schnelltest (2, 4).
Die so durchgeführte Operation hat eine Erfolgsrate von mehr als 95 Prozent, und bei einem Aufenthalt des Patienten von 1 bis 2 Tagen im Krankenhaus eine Kosten-Nutzen-Effektivität, die kaum überbietbar ist (2). Die Alternative zur hormonellen oder anderweitig medikamentösen Therapie mit Notwendigkeit langfristiger Kontrollen und fraglicher Effektivität erscheint somit kaum konkurrenzfähig. Widersprechen müssen wir den Therapieempfehlungen des Autors, wenn er im Zweifelsfall die Biopsie normal erscheinender Nebenschilddrüsengewebe empfiehlt, um multiple Adenome oder eine Nebenschilddrüsenhyperplasie auszuschließen. So kann der Pathologe in der Schnellschnittuntersuchung nicht zwischen hyperplastischem, adenomatösem oder normalem Nebenschilddrüsengewebe differenzieren. Die Biopsie normaler Nebenschilddrüsen birgt zudem die Gefahr in sich, durch Untergang biopsierter Nebenschilddrüsen einen postoperativen Hypoparathyreoidismus zu induzieren (3).
Deshalb wurden in den Leitlinien zur Therapie des Hyperparathyreoidismus der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie 1999 schon folgende Vorgaben gemacht: „Eine Differenzierung zwischen normalem und tumorösem Nebenschilddrüsengewebe ist im Schnellschnitt nicht mit hinreichender Sicherheit möglich, sie muss makroskopisch anhand des Situs durch den Operateur erfolgen. Normal große Nebenschilddrüsen werden nicht biopsiert, es sei denn, die Organdiagnose kann makroskopisch nicht mit ausreichender Sicherheit gestellt werden.“
Da die genannten chirurgischen Möglichkeiten eine spezifische Qualifikation verlangen, gilt jedoch weiterhin die Aussage, dass die wichtigste Maßnahme bei der Lokalisationsdiagnostik im Rahmen des primären Hyperparathyreoidismus das Finden eines entsprechend erfahrenen und umfassend ausgebildeten Chirurgen ist (1).
Entsprechende Informationen können durch die Chirurgische Arbeitsgemeinschaft Endokrinologie der Deutschen Gesellschaft für Viszeralchirurgie gewonnen werden.

Literatur
1. Clark OH: Surgical treatment of primary hyperparathyroidism. Adv Endocrinol Metab 1995; 6: 1–16.
2. Goretzki PE, Cupisti K, Dotzenrath C, Simon D, Röher HD: Videoassistierte minimalinvasive Nebenschilddrüsen-Chirurgie bei Erst- und Rezidivoperation des primären Hyperparathyreoidismus. Viszeralchirurgie 2001; 36: 75–80.
3. Krause U, Olbricht T, Eigler SW: Ursachen der Hypocalcämie nach Operation wegen eines primären Hyperparathyreoidismus. Aktuelle Chirurgie 1993; 28: 277.
4. Lorenz K, Miccoli P, Monchik JM, Düren M, Dralle H: Minimally invasive video-assisted Parathyroidectomy: Multiinstitutional Study. World J Surg 2001; 25: 704–707.

Prof. Dr. med. Peter E. Goretzki
Chirurgische Klinik I
Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Thoraxchirurgie
Lukaskrankenhaus GmbH
41456 Neuss

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