ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2003Primärer Hyperparathyreoidismus: Schlusswort
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LNSLNS Wir danken beiden Leserbriefautoren für ihre ergänzenden und bestätigenden Zuschriften. Im Hinblick auf die erwähnten, inzwischen erschienenen Richtlinien und Diskussionsbeiträge des pHPT Workshops (NIH, Bethesda, USA) möchten wir einige wenige weitere Ergänzungen machen.
Es besteht kein Zweifel an der chirurgischen als der einzigen kurativen Therapie des pHPT. Dennoch wird es besonders in Anbetracht der relativen Symptomarmut zunehmend Patienten mit einem pHPT geben, die einer Operation eher ablehnend gegenüber stehen. Bei älteren, komorbiden Patienten hingegen mögen von ärztlicher Seite aus Vorbehalte gegenüber einer chirurgischen Intervention bestehen. Nach den aktuellen Empfehlungen des NIH wird für diese Patienten folgendes Monitoring empfohlen (reduziert gegenüber den alten Richtlinien): Messung von Serumcalcium zweimal pro Jahr, jährliche Bestimmung von Serumkreatinin und Knochendichte an LWS, Femur und Radius (2).
Obwohl Studien mit klinischen Endpunkten (zum Beispiel Senkung des Frakturrisikos) für die vorgestellten medikamentösen Therapieansätze fehlen, sind die Ergebnisse der derzeit verfügbaren klinischen Studien (Wertung anhand von Surrogatmarkern wie der Knochendichte) für selektive Östrogenrezeptormodulatoren, Bisphosphonate und Calcimimetika vielversprechend. Besonders erwähnenswert sind die vorläufigen Ergebnisse mit der zweiten Generation von Calcimimetika (AMG 073, diskutiert in [1]), welche wie im Artikel dargestellt, die Sekretion von Parathormon über eine allosterische Aktivierung des Calcium-Sensing-Rezeptors hemmen. In einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie mit 78 Patienten mit pHPT (Serumcalcium von > 2,6 mmol/L bis < 3,1 mmol/L) konnte bei 88 Prozent der Patienten das Serumcalcium in den Normbereich gesenkt werden, Parathormonwerte wurden durchschnittlich um 15 Prozent reduziert, Urincalcium-Kreatinin-Verhältnisse der mit AMG 073 behandelten Patienten unterschieden sich nicht signifikant im Vergleich zur Placebogruppe. Das Medikament wurde über den genannten Beobachtungszeitraum von 6 Monaten gut toleriert (1). Potenzielle Effekte auf Knochendichte und Frakturrisiko bleiben abzuwarten.
Aufgrund der jüngsten Ergebnisse von Studien zur Hormonersatztherapie bei postmenopausalen Frauen (World Health Initiative, Heart and Estrogen/Progestin Replacement Study), die ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre und thromboembolische Erkrankungen sowie Brustkrebs aufzeigten, kann diese Therapie in Zukunft für postmenopausale Patientinnen mit pHPT nicht mehr empfohlen werden (35).


Literatur
1. Antoniucci DM, Shoback, D: Calcimimetics in the treatment of primary hyperparathyreoidism. J Bone Miner Res 2002: 17 (Suppl. 2): N141–N145.
2. Bilezikian JP, Potts JT Jr, Fuleihan G et al.: Summary statement from a workshop on asymptomatic primary hyperparathyroidism: a perspective for the 21st century. J Bone Miner Res 2002; 17 (Suppl. 2): N2–11.
3. Grady D, Herrington D, Bittner V et al: Cardiovascular disease outcomes during 6.8 years of hormone therapy: Heart and Estrogen/progestin Replacement Study follow-up (HERS II). JAMA 2002; 288: 49–57.
4. Hulley S, Furberg C, Barrett-Connor E et al.: Noncardiovascular disease outcomes during 6.8 years of hormone therapy: Heart and Estrogen/progestin Replacement Study follow-up (HERS II). JAMA 2002; 288: 58–66.
5. Nelson HD, Humphrey LL, Nygren P, Teutsch SM, Allan JD: Postmenopausal hormone replacement therapy: scientific review. JAMA 2002; 288: 872–881.


Dr. med. Susanne Miedlich
Syracuse University
Department of Biology
122 Lyman Hall
108 College Place
Syracuse, NY, 13244
USA
E-Mail: smiedlich@hotmail.com

Priv. Doz. Dr. med. Christian A. Koch, F.A.C.P.
Medizinische Klinik III
Universität Leipzig
Philipp-Rosenthal-Straße 27
04103 Leipzig
E-Mail: kocc@medizin.uni-leipzig.de

Prof. Dr. med. Ralf Paschke
Medizinische Klinik III
Universität Leipzig
Philipp-Rosenthal-Straße 27
04103 Leipzig
E-Mail: pasr@server3.medizin.uni-leipzig.de

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