ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2003Wanderausstellung: Zuwendung zum Hilfsbedürftigen

VARIA: Feuilleton

Wanderausstellung: Zuwendung zum Hilfsbedürftigen

Dtsch Arztebl 2003; 100(19): A-1285 / B-1075 / C-1007

Klinkhammer, Gisela

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LNSLNS In mehreren Städten werden künstlerische Darstellungen zum Thema
„Samariter – Arzt und Patient“ gezeigt.

Ausgangspunkt für eine Wanderausstellung, die in fünf Städten zu sehen ist, war das Gleichnis aus dem Neuen Testament (Lukas-Evangelium) über den barmherzigen Samariter. Darin wird über das Schicksal eines Mannes berichtet, der von Räubern ausgeplündert und geschlagen wurde und halbtot am Weg liegen blieb. Ein Priester und ein Levit gingen an ihm vorüber, ohne ihm zu helfen. Ein Bewohner der von den Juden verachteten Stadt Samaria nahm sich seiner an, verband seine Wunden und pflegte ihn.
Die künstlerische Darstellung dieses Gleichnisses hat eine lange Geschichte, über die im Katalog zur Ausstellung „Samariter – Arzt und Patient“ berichtet wird. Danach wird die Szene seit dem 12. Jahrhundert in der französischen Glasmalerei der Gotik umgesetzt. In der Renaissance wurde das Thema wegen seiner humanistischen Aussage weitergeführt und in der niederländischen Malerei bis hin zu Rembrandt wiedergegeben.
Max Liebermann projiziert eigene Erfahrungen eines Kranken­haus­auf­enthalts in das Thema des barmherzigen Samariters. Im März 1910 war Liebermann von dem Chirurgen James
Israel im Jüdischen Krankenhaus in Berlin operiert worden. „Er erzählte einem Freund, dass er im Augenblick, als man ihn nach der Operation zum ersten Mal in die Badewanne hob, wie eine Vision die Geschichte vom barmherzigen Samariter erblickt habe“, schreibt Prof. Dr. med. habil. Albrecht Scholz, Technische Universität Dresden, im Vorwort des Kataloges. Liebermann habe die Erfahrung in Ölstudien, einer Radierung und im Jahr 1911 im Gemälde „Der barmherzige Samariter“ verarbeitet.
Aus der Reihe von zeitgenössischen Gestaltern des Themas wurden für die Ausstellung zwei Künstler ausgewählt, die, so der Katalog, „das Phänomen des Helfers vom Abbild zur allgemeinen Aussage geführt haben“. Der Dresdner Claus Weidensdorfer habe nach dem Erlebnis eines schweren Unfalls viele verschiedene Blätter der hilfreichen Zuwendung für den blutüberströmten Schwerverletzten geschaffen. Der in Halle lebende Uwe Pfeifer hätte in seinen fotorealistischen Gemälden schon in der DDR die menschliche Isolation zu seinem Thema gemacht. „1991 liegt wieder ein Mensch allein gelassen, auf Hilfe angewiesen, auf dem Gehweg einer Brücke. Es scheinen schon viele Menschen an ihm vorbeigegangen zu sein, bis jemand niederkniet und ihm helfen will. Der Künstler entschließt sich zu dem seit Jahrhunderten gültigen Namen für solche Hilfsbereitschaft: Der barmherzige Samariter.“
Das Verhältnis des Samariters zum Hilfsbedürftigen soll in der Ausstellung auch auf das Verhältnis Arzt-Patient übertragen werden, vor allem das Verhältnis von erkranktem Künstler und dem kunstinteressierten beziehungsweise Kunst sammelnden Arzt.
Neben dem Operationserlebnis von Liebermann zeigt die Ausstellung zum Beispiel grafische Arbeiten des Hamburger Zeichners Horst Janssen, den eine Augenvenenthrombose im Jahr 1987 und eine Hornhautverätzung im Jahr 1990 zu dem Augenarzt Dietrich Hallermann führten. „Die Zuwendung und Dankbarkeit des Künstlers zeigte sich in der märchengleichen Umsetzung des Krankheitsverlaufes, in der der Augenarzt liebevoll als ,Augenputzer‘ bezeichnet wird“, schreibt Scholz im Katalog. Gisela Klinkhammer


Die Ausstellung ist vom 23. Mai bis 6. Juli in der Ruhr-Universität Bochum (Abteilung Geschichte der Medizin), vom 15. Juli bis 15. September in der Sächsischen Lan­des­ärz­te­kam­mer in Dresden, vom 16. November bis 18. Januar 2004 im Wilhelm-Fabry-Museum in Hilden und vom 20. Februar bis 28. März 2004 im Berliner Medizinhistorischen Museum zu sehen. Informationen: Institut für Geschichte der Medizin, Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus, Technische Universität Dresden, Prof. Dr. med. habil. Albrecht Scholz, Fetscherstraße 74, 01307 Dresden, Telefon: 03 51/ 31 77-40 2, E-Mail: geschichte@imib.med.tu-dresden.de
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