ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2003Lebensversicherung: Keine Gentests bei Vertragsabschluss bis 2006

Versicherungen

Lebensversicherung: Keine Gentests bei Vertragsabschluss bis 2006

Dtsch Arztebl 2003; 100(19): [59]

Combach, Rolf

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Seit rund zehn Jahren folgt in der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung eine Reform auf die andere, und die Kassen sind leer, obwohl die Beitragssätze steigen. Am 1. Januar 2003 sind bereits die Vorschaltgesetze zur Kostensenkung im Gesundheitswesen und zur Stabilisierung der Kran­ken­ver­siche­rungsbeiträge in Kraft getreten. Die eigentliche Reform 2003 soll in wenigen Monaten kommen – Eckpunkte liegen bereits vor.
Seit rund zehn Jahren folgt in der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung eine Reform auf die andere, und die Kassen sind leer, obwohl die Beitragssätze steigen. Am 1. Januar 2003 sind bereits die Vorschaltgesetze zur Kostensenkung im Gesundheitswesen und zur Stabilisierung der Kran­ken­ver­siche­rungsbeiträge in Kraft getreten. Die eigentliche Reform 2003 soll in wenigen Monaten kommen – Eckpunkte liegen bereits vor.
Den Lebensversicherungen hat das bisherige Instrumentarium vollauf genügt. Wir haben keine Gentests gebraucht“, betonte Jürgen Eichelmann, Vorstandsmitglied der Allianz-Lebensversicherung. Gentests für die Risikoprüfung der Kranken- und Lebensversicherung sind zurzeit ohne Bedeutung. Nur wenige Krankheiten können heute schon als genetische Anlage festgestellt werden. Trotzdem wird dieses Thema gelegentlich diskutiert – ähnlich wie vor Jahren die Aids-Tests, die nun zum akzeptierten Untersuchungs-programm der Versicherungswirtschaft gehören.
Die Kranken- und Lebensversicherungen wollen keinen Gentest einführen, der als Voraussetzung für den Versicherungsschutz gelten soll. „Auch die Versicherer wollen keine genetische Diskriminierung. Selbst wenn uns Gen-Befunde vorgelegt werden, werden wir sie nicht zur Kenntnis nehmen“, erklärte Pressesprecherin Gabriele Hoffmann vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) in Berlin.
Dennoch: In Deutschland werden schon heute Gentests durchgeführt – auf eigenen Wunsch oder aufgrund ärztlicher Empfehlung. Es ist klar, dass die dabei festgestellten Befunde einer Kranken- oder Lebensversicherung bei Abschluss eines neuen Vertrages mitgeteilt werden. Denn Versicherungen können nur Risiken übernehmen, deren Eintritt ungewiss ist. Steht hingegen fest, dass bei einem Antragsteller mit hoher Wahrscheinlichkeit kurzfristig der Versicherungsfall eintritt, kann das Unternehmen die Übernahme des Risikos ablehnen.
Im Gegensatz zur Sozialversicherung, die jeden Arbeitnehmer versichern muss, gibt es bei der privaten Versicherung das Prinzip der Freiwilligkeit. Diese wird gerne von denjenigen in Anspruch genommen, die ihr erhöhtes Risiko kennen. Daher ist die private Versicherung auf eine sorgfältige Risikoprüfung angewiesen.
Angesichts der Entwicklung der Sozialversicherung wird jedoch von allen Sozialpolitikern ein Ausbau der privaten Absicherung gegen die biometrischen Risiken, dazu zählen Tod, Berufsunfähigkeit und Langlebigkeit, gefordert.
„Die deutschen Versicherer wollen keine Gentests einführen. Es darf aber nicht legalisiert werden, dass Versicherungsnehmer Informationen über ihren Gesundheitszustand vor dem Versicherer verbergen dürfen“, meint Jürgen Eichelmann von der Allianz-Lebensversicherung.
„Gerade bei der Genforschung ist heute nicht vorhersehbar, welche Entwicklung sie nehmen wird. Deshalb sollte der Gesetzgeber keine übereilten Entscheidungen treffen“, so der Versicherungsexperte. Derzeit werden von den Lebensversicherungen nur rund ein Prozent aller Versicherungsverträge abgelehnt. 95 Prozent der Anträge werden „normal“, vier Prozent mit einem Zuschlag akzeptiert.
Die Versicherungswirtschaft wird bis Ende 2006 auf Gentests verzichten. Denn die Versicherer leben vom Versichern, nicht aber vom Ablehnen der Versicherungsverträge. Rolf Combach
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