ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2003Der Schein bestimmt das Sein

VARIA: Post scriptum

Der Schein bestimmt das Sein

Dtsch Arztebl 2003; 100(19): [60]

Ellermann, Bernd

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Untersuchungen zeigen es immer wieder: Der deutsche Medizin-Professor hat das beste Image bei der Bevölkerung. Er steht ganz oben in der Skala der angesehensten Berufe. Weil Image auch blenden kann, blüht der Handel mit gefälschten Akademiker-Titeln. Bei den so genannten Promotionsberatern soll es Falsifikate aus Osteuropa schon für 10 000 Euro geben. Ein gekaufter Titel aus deutschen Landen kostet schon mehr – ab 50 000 Euro aufwärts. Das Risiko, ertappt zu werden, ist nach Angaben von Capital verschwindend gering.
Doch hin und wieder fliegen Medizin-Hochstapler auf – einer zum Beispiel, weil er so dämlich war, die Geldausgabe für den falschen Doktor von der Steuer absetzen zu wollen. Ein anderer bezahlte für seine Chuzpe, als er sogar eine Frauenarztpraxis eröffnete. Berühmt wurde der ehemalige Postbote Gert P., der es in einer Anstalt in Sachsen sogar zum Oberarzt der Psychiatrie brachte. Vor Gericht tönte er: „Wenn man Sprache und Dialektik der Psychiatrie beherrscht, kann man jeden Schwachsinn formulieren!“ In München gab sich ein Aushilfskoch als Professor Colmar aus und geisterte als weißes Phantom durch die großen Kliniken der Stadt. Auf charmante Art bat er die Patienten um Wechselgeld und verschwand damit.
Das Halbgott-Image tut noch immer seine Wirkung. Ein Scherzbold gab mal in großen deutschen Zeitungen folgende Anzeige auf: „Angesehener Arzt kommt zur Aufwertung auf Ihre Party.“ Er bekam eine Reihe von Offerten, die mit einem namhaften Mediziner ihre Party aufpeppen wollten.
Im Internet kann man sogar unter www.doktortitelkauf.de einen kirchlichen Doktortitel erwerben. Und zwar von einer amerikanischen Kirche. Für den „Doctor of Divinity“ ist kein Examen notwendig – er kostet nur 250 Dollar. Beim „Doctor of Immortality“ muss dagegen ein Test zu 75 Prozent richtig beantwortet sein – ihn gibt’s für 290 Dollar. Es lebe die Erkenntnis: „Der Schein bestimmt das Sein!“ Bernd Ellermann
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