Supplement: Praxis Computer

Urheberrecht: Praxisfern

Dtsch Arztebl 2003; 100(19): [1]

Schmedt, Michael

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LNSLNS Der Bundestag hat ein neues Urheberrechtsgesetz beschlossen. Ziel war die Anpassung des Urheberrechtsschutzes an die Anforderungen der digitalen Informationsgesellschaft und damit auch die Umsetzung einer entsprechenden EU-Richtlinie. Der Entscheidung war ein Streit um die unkontrollierte Verbreitung wissenschaftlicher Informationen vorausgegangen. Heftig attackierten die wissenschaftlichen Fachverlage die Pläne, Inhalte frei zugänglich im Internet anzubieten. Der Bundestag einigte sich jetzt auf einen Kompromiss. Eine Verbreitung im Internet ist nicht zulässig. Kleine Teile von Werken, Werke geringen Umfangs oder einzelne Beiträge aus Zeitschriften und Zeitungen können einem begrenzten Personenkreis in einem Intranet an Schulen, Hochschulen, Bildungs- und Forschungseinrichtungen zugänglich gemacht werden. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries betonte zwar, dass „keinesfalls alle Mitarbeiter oder gar (!) Studenten einer ganzen Universität Zugriff“ auf solche digitalen Publikationen haben dürften. Wer aber den begrenzten Personenkreis definiert und kontrolliert, sagte sie nicht. Die von der Gesetzesnovelle geforderte angemessene Vergütung ist über eine Verwertungsgesellschaft zu entrichten. Damit entsteht ein hoher Verwaltungsaufwand, den manch einer scheuen oder „vergessen“ wird. Mit dem neuen Urheberrecht droht sich das zu wiederholen, was schon die Musikindustrie erfahren musste. Praxisferne Regelungen werden gerne umgangen und sorgen schließlich für eine kaum gebremste Verbreitung digitaler Inhalte im Internet – unabhängig vom Urheberrecht. Michael Schmedt
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