ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPraxis Computer 2/2003Wireless LAN – drahtloses lokales Netzwerk: Datenfunk in der ärztlichen Praxis

Supplement: Praxis Computer

Wireless LAN – drahtloses lokales Netzwerk: Datenfunk in der ärztlichen Praxis

Dtsch Arztebl 2003; 100(19): [13]

Berzel, Hans Günter

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Drahtlose Netzwerke eröffnen
in der Arztpraxis vielfältige mobile Einsatzmöglichkeiten und erweitern bestehende drahtgebundene Netzwerke zu flexiblen Hilfsmitteln.
Anfang 1999 ergab sich in einer großen Kinderarztpraxis die Notwendigkeit einer umfangreichen EDV-technischen Umorganisation. Vorausgegangen waren Experimente mit infrarotgestützten Datenübertragungen, die den Praxisbedingungen nicht gerecht werden konnten. Um unverhältnismäßig hohe Kosten durch Kabelverlegung und Installation von weiteren ortsständigen Peripheriegeräten zu vermeiden, wurden nach intensiver Bedarfs- und Strukturplanung drei vorhandene vernetzte Arbeitsplätze durch zwei Datenfunkgeräte mit Penstift erweitert. Über die drahtlose Kommunikation sollten die kinderärztlichen Arbeitsplätze mobiler werden.
Bei der Einführung neuer Technologien müssen die besonderen Arbeitsabläufe in einer pädiatrischen Praxis berücksichtigt werden. Erforderlich ist eine klare Strukturierung der Abläufe, die jedoch den emotionalen Bezug zu den Patienten und deren Eltern möglichst wenig einschränken soll. So muss der Augenkontakt für eine intensive Kommunikation – unbeeinträchtigt durch Bildschirme und technische Geräte – stets gewährleistet bleiben. Die Arbeitsabläufe sollten sich an den gewohnten Gegebenheiten, wie Karteikarte und Eintrag mit Stift, orientieren. Die Anforderungen sind: größtmögliche Mobilität, Transparenz und Autonomie für den Arzt, leichte Bedienung und Kosteneinsparungen. Wie bei jeder Praxis-EDV sollten sämtliche praxisrelevanten Basis- und Fachprogramme schnell verfügbar sein. Der elektronische Datenaustausch mit Labor, Facharzt und Krankenhaus sowie der Zugriff auf Datenbanken und Bibliotheken auch über das Internet sind weitere Anforderungen, ebenso die Ziffern- und Diagnosenerhebung, die Anamnese und Befunddokumentation sowie die Erfassung und Abrechnung ärztlicher Leistungsdaten.
Technische Voraussetzungen
Zum Aufbau eines drahtlosen Netzes genügen zwei Notepads mit Funkadapter (PCMCIA-Karten) sowie ein Access-Point zur Anbindung an das vorhandene Netzwerk. Die Reichweite ist abhängig von den räumlichen Gegebenheiten (Mauerwerk, Echoverhalten) und beträgt innerhalb geschlossener Gebäuden rund 25 bis 30 Meter (11 Mbit/s) beziehungsweise bis rund 50 Meter (1 Mbit/s). Die Wireless-LAN-(WLAN-)Technologie beruht auf dem Prinzip des „Direct Sequence Spread Spectrum“-Verfahrens. Diese Breitbandfunktechnologie garantiert optimale Datenabhörsicherheit und minimale Übertragungsfehler. WLANs bauen standardmäßig eine Datenübertragung von 11 Mbit/s auf. Bei geringer Signalqualität schaltet das System automatisch auf 5,5 Mbit/s, 2 Mbit/s oder 1 Mbit/s um. Daten- und Abhörsicherheit werden durch Verschlüsselung mit 64 Bit oder 128 Bit erreicht. Ein durch den Benutzer vergebener Netzwerkname und registrierte Funk-LAN-Adapter (MAC-Adressen) gewähren eine weitgehende Abhörsicherheit der WLANs. Ohne gültigen Sicherheitskode kann keine Funkkommunikation stattfinden. Um ein Funk-LAN einzusetzen, ist ein Access Point (Wave Point II) als Schnittstelle zwischen dem drahtgebundenen Ethernet und dem Funk-LAN erforderlich. Dieser ermöglicht jeder Workstation mit PCMCIA-Funkadapterkarte, drahtlos auf das Ethernet-Netzwerk zuzugreifen. Die PCMCIA-Adapterkarte ist in einem Slot des Notepads installiert. Die Karte geht standardmäßig nach 30 Sekunden Inaktivität in den Spreadmodus über, um möglichst wenig Akkukapazität zu verbrauchen.
Gesundheitliche Risiken durch eine mögliche Strahlenbelastung ergeben sich nicht, denn Systeme nach der europäischen Norm ETS 300328 gelten als unbedenklich. Die Sendeleistung entspricht mit maximal 100 Milliwatt etwa dem Zwanzigstel des Wertes eines D-Netz-Handys. Die ETS-konformen Funk-LANs unterschreiten die VDE-Grenzwerte für täglich mehrstündige Expositionen um ein Vielfaches. Funk-LANs sind daher in Ambulanzen, Krankenhäusern und technischen Bereichen weltweit anzutreffen.
In der pädiatrischen Praxis werden zwei Stylistic-Penpads (Fujitsu/Siemens) eingesetzt. Die Arztsoftware MCS-INA wurde darüber hinaus auf das 32-Bit-Windows-Programm MCS-Isynet umgestellt. Um den Datenumsatz zu erhöhen, wurde ein Windows-2000-Server, basierend auf der NT-Technologie, installiert. Diese Plattform zeichnet sich durch eine wesentlich höhere Geschwindigkeit, umfassende Skalierung, hohe Zuverlässigkeit, einfache Verwaltung und unkomplizierte Integration mit den festinstallierten und den Datenfunk-Arbeitsplätzen aus. Mit den verbesserten Datei-, Druck-, Anwendungs-, Internet- und Kommunikationsdiensten steht eine stabile Plattform für alle unternehmenswichtigen Ressourcen bereit. Das Server-basierte Computing (Windows Terminal Server – WTS) basiert auf der zentralen Installation von Betriebssystem und Anwendersoftware (MCS-Isynet). So sind sämtliche Anwendungen zusätzlich servergestützt. WTS mit integrierten Terminaldiensten ermöglicht den Aufbau einer Multiuser-Umgebung mit ausschließlich zentral verwalteten Anwendungen und Daten sowie den Einsatz schlanker Terminals (Thin Clients), festinstallierter PCs unter Windows 95/98/NT/2000 und tragbarer funkgesteuerter Penpads.
Vorteile
Der Einsatz von Datenfunk und WTS-Servertechnologie zeigte nachhaltige Vorteile für die Praxis:
- Vorhandene Hardware war weiter verwendbar.
- Bei geringer Netzlast konnte die alte Verkabelung beibehalten werden.
- Eine Neuverkabelung war aufgrund der Funktechnologie nicht notwendig.
- Schnelle externe Zugriffe von Arbeitsplätzen sind per Wahl-, Standleitung oder Datenfunk möglich.
- Soft- und Hardware lassen sich zentral administrieren und konfigurieren.
- Programm-Updates und Neuanwendungen werden über den zentralen Server eingespeist.
- Die zentrale Datenhaltung ermöglicht eine wesentlich höhere Datenstabilität und Sicherheit.
- Die Anschaffungs-, Reparatur- und Wartungskosten wurden minimiert.
Die größten Kosten entstehen nicht durch die Erstanschaffung von Hard- und Software, sondern durch Softwareinstallation und -verteilung, Wartungsarbeiten, Hotlinenutzung, Aktualisierung von Soft- und Hardware sowie potenzielle Entsorgung.
Das Stylistic-Penpad ist als vollwertiges Laptop innerhalb und außerhalb der Praxis zu nutzen. Abgespeckte Datenfunksysteme (Thin Clients) sind kostengünstiger, aber weniger eigenständig und nur im Zusammenhang mit einem Terminalserver sinnvoll zu nutzen. Thin Clients können in der Peripherie PCs nicht ersetzen. Sind anspruchsvollere Aufgaben auf Client-Seite oder häusliche EDV-Arbeiten mit dem Funknotepad zu erledigen, ist der PC nach wie vor die beste Wahl. Beide Technologien können aber optimal kombiniert werden, da der WTS-Terminalserver die Leistungen eines herkömmlichen Datenservers bietet.
In Analogie zur Arbeit mit der herkömmlichen Karteikarte, die zurzeit nur noch der Befundarchivierung dient, war die Option für die funkgesteuerte elektronische Karteikarte mit Penstifteingabe für die Datenerfassung in der Praxis vertraut und die Umgewöhnungszeit kurz. Innerhalb kurzer Zeit konnten alle Anforderungen mit der Arztsoftware erfüllt werden. Die Übertragungsgeschwindigkeit wurde permanent verbessert. Das Ergebnis ist ein deutlich verbesserter Datenzugang und -transfer, der die Arbeitsabläufe beschleunigt, Handlungsabläufe in der Praxis harmonisiert und die angestellten Fachkräfte intensiver in die Arbeit mit dem Patienten einbezieht.
Drahtlose Datenfunkgeräte, vernetzt mit festinstallierten Arbeitsplätzen und gesteuert über einen zentralen leistungsfähigen Windows-Terminal-Server, bilden die zentralen Elemente der mobilen Mehrplatzanlage. Die Nutzung von Penstift und virtueller Eingabetastatur auf einem technisch hochwertigen, oberflächenaktiven Bildschirm ist arbeitsökonomisch die physiologische Methode eines Arbeitsgerätes. Die Installationskosten der Mehrplatzanlage waren überschaubar, die Kosten für Anschaffung und Betrieb des Systems sowie die Arbeitskosten wurden betriebswirtschaftlich relevant gesenkt. Durch die flexiblen und mobilen Leistungsmöglichkeiten sind Datenfunk und WTS-Technologie in Praxen aller Größenbereiche, Ambulanzen, Notrufzentralen, Bereitschaftsdiensten und Krankenhäusern sinnvoll einsetzbar.
Hans Günter Berzel
Kontaktadresse: Dr. med. Hans Günter Berzel, Kinderarzt (Allergologie), Rastatterstraße 27, 68239 Mannheim


Abkürzungen und Begriffe
Access Point: Schnittstelle zwischen kabelgebundenem Rechner und Funk-LAN
Ethernet: lokales Rechnernetzwerk
ETS: Europäische Regulationsbehörde für Post und Telekommunikation
WTS: Windows Terminal Server
Thin Client: Preisgünstiges Endgerät in einer serverbasierten Netzwerkarchitektur, das weder leistungsstarke Prozessoren noch große Speicherkapazitäten benötigt, da die Applikationen auf einem zentralen Server liegen.
PCMCIA-Karte: Erweiterungskarte für Notebooks
Wireless LAN: drahtlose Kommunikationstechnik
VDE: Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.
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