ArchivDeutsches Ärzteblatt44/1996Arzthelferinnen: „Ohne uns geht nichts“

POLITIK: Aktuell

Arzthelferinnen: „Ohne uns geht nichts“

Glöser, Sabine

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Beim Bundeskongreß des Berufsverbandes der Arzt-, Zahnarzt- und Tierarzthelferinnen (BdA) vom 18. bis 20. Oktober in Bielefeld diskutierten die Kongreßteilnehmerinnen unter anderem über die Auswirkungen der Honorarkrise im ambulanten Gesundheitssystem. "Selbstbewußt und kampfbereit" wollen sich die Arzthelferinnen für die Sicherung ihrer Arbeitsplätze einsetzen.
"Bei den ärztlichen Verteilungskämpfen darf die Arzthelferin nicht zur Disposition gestellt werden." Dies forderte die BdA-Bundesvorsitzende Bärbel Keim-Meermann. Jeden Tag gebe es neue Vorschläge, wie auf Kosten der Arzthelferinnen Geld eingespart werden soll, das dem Gesundheitswesen fehle, beklagte KeimMeermann. Sie wandte sich entschieden gegen derzeitig diskutierte Maßnahmen zur Kosteneinsparung im ambulanten Gesundheitswesen. Vor allem sprach sich die BdA-Vorsitzende dagegen aus, Arzthelferinnen nur noch als Saison-Arbeitskräfte einzustellen, ihr Urlaubs- und Weihnachtsgeld zu streichen oder ungelernte Kräfte auf 590-DM-Basis einzustellen.


Die "Medikantin"
Um die Kompetenzen der Arzthelferinnen zu unterstreichen, plädierte der BdA für eine Änderung der Berufsbezeichnung. Die "Medikantin" soll die herkömmliche "Arzthelferin" ersetzen, damit jedem klarwerde, daß die Arzthelferin qualifiziert und selbständig sei und weitaus mehr leiste, als nur "Sprechstundenhilfe" zu sein, erklärte Keim-Meermann. "Wir brauchen ein gemeinsames Symbol, das all unsere Botschaften transportiert." Dazu eigne sich die neue Bezeichnung. Sie sei ungewohnt, aufrüttelnd und vielleicht auch provozierend, aber keinesfalls negativ besetzt. Mit der Bezeichnung "Arzthelferin" würden viele noch immer verbinden, daß der Beruf ein Anlernberuf sei, den man nebenbei machen könne, meinte auch Ilse Oppermann, im Bundesvorstand zuständig für die Aus- und Weiterbildung. In der dreijährigen Ausbildung hätten die Arzthelferinnen medizinisches, kaufmännisches und verwaltungstechnisches Fachwissen erworben, stellte Oppermann heraus. "Die Medikantin soll für die fachlich vielseitige und hochqualifizierte Praxismitarbeiterin der Zukunft stehen und damit für eine wichtige Säule im ambulanten Gesundheitssystem."


Aus für die "Helferin"
"Die Helferin hat ausgedient", brachte es die stellvertretende Bundesvorsitzende, Karin Diehl, auf den Punkt. Das Tätigkeitsspektrum der Arzthelferin hätte sich über die Jahrzehnte gewandelt und sei komplexer geworden. Sie besitze nicht nur fachliche Qualifikationen, sondern übernehme auch eigenständige Aufgabenbereiche in der Praxis und sei darüber hinaus in zunehmendem Maße für das computergestützte Praxismanagement verantwortlich. Dies gehe aus der Berufsbezeichnung nicht mehr hervor. Dagegen "eröffnet uns die neue Bezeichnung Medikantin die Möglichkeit, unsere Rolle als Managerin in der Praxis neu zu definieren; sie ist zudem flexibel für zukünftige Entwicklungen."
Daß die Änderung der Berufsbezeichnung allein noch nichts bewirke, gaben einige Teilnehmerinnen in der anschließenden Diskussion zu bedenken. Sie vertraten die Auffassung, daß die momentane Situation ein viel aggressiveres Vorgehen erfordere. In der Öffentlichkeit werde zur Zeit auch "viel Stimmung gemacht", entgegnete Diehl. Eine Blitzumfrage bei Arbeitsämtern habe ergeben, daß die Zahl arbeitsloser Arzthelferinnen in den letzten Monaten nicht gestiegen sei.
Keim-Meermann forderte die Teilnehmerinnen schließlich auf, mehr Selbstbewußtsein an den Tag zu legen und sich ins Gespräch zu bringen. "Als Partnerinnen der Kassenärztlichen Vereinigungen, der Kassen, der Ärzte und der Patienten sind wir eine unverzichtbare Stütze des ambulanten Gesundheitswesens."
Dr. Sabine Glöser

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote