ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2003Honorare Psychologischer Psychotherapeuten: Nachteilhaft berechnet

EDITORIAL

Honorare Psychologischer Psychotherapeuten: Nachteilhaft berechnet

PP 2, Ausgabe Mai 2003, Seite 193

Bühring, Petra

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LNSLNS Kommen auf die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) erneut Nachzahlungen in Millionenhöhe für ab dem Jahr 2000 erbrachte psychotherapeutische Leistungen zu? Dies ist nicht unwahrscheinlich. Das Landessozialgericht (LSG) Nordrhein-Westfalen hat in zwei Musterverfahren am 9. April die Bemessungsgrundlagen für die Vergütung der Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten für rechtswidrig erklärt (Az.: L 11 KA 133/02 und 134/02). Geklagt hatten zwei Psychotherapeuten gegen die KV Westfalen-Lippe: Sie wollten ein dem 10-Pfennig-Punktwert entsprechendes Honorar von 145 DM pro Stunde für ihre antrags- und genehmigungspflichtigen Leistungen; erhalten hatten sie 118,90 DM. Das Sozialgericht Dortmund gab ihnen in erster Instanz Recht.
Der Beschluss des Bewertungsausschusses vom 16. Februar 2000 benachteilige die Psychotherapeuten in unangemessener Weise, entschied das Landessozialgericht in Essen. Dem gemeinsamen Gremium von Kassenärztlicher Bundesvereinigung und Krankenkassen sind nach Ansicht des 11. Senats bei den Vorgaben zur Berechnung der Punktwerte mehrere Fehler unterlaufen, die die Psychotherapeuten benachteiligen. Als besonders schwerwiegend erachteten die Richter, dass der Betriebskostenanteil psychotherapeutischer Praxen „deutlich zu niedrig“ und zudem auf den Grundlagen von Statistiken aus dem Jahr 1998 angesetzt wurde. Die Regelungen verwehrten es den Psychotherapeuten, dieselben Honorare wie Allgemeinärzte zu erzielen.
Wenn die Urteile rechtskräftig werden sollten – das LSG hat die von der KV angekündigte Revision zum Bundessozialgericht (BSG) zugelassen –, müssen die Vorgaben des Bewertungsausschusses überarbeitet und die Honorare der Kläger neu berechnet werden. Zwar hat der Bewertungsausschuss den vielfach kritisierten Beschluss am 1. Juli 2002 nachgebessert – doch mit unwesentlichen Auswirkungen auf die Honorare. Allein bezogen auf die rund 1 000 in Westfalen-Lippe anhängigen Verfahren von Psychotherapeuten für Honorare aus 2000 sprechen die Richter von Nachforderungen in Höhe von 20 Mil-
lionen DM. Vergleichbare Urteile haben bereits die Sozialgerichte in Reutlingen und in Kiel gefällt, die jetzt nach den Musterverfahren Sprungrevision zum BSG einlegen wollen. Hochgerechnet auf 16 Quartale (bis zum nachgebesserten Beschluss) könnten also auf die KVen hohe Nachzahlungen zukommen, wenn auch das Bundessozialgericht zugunsten der Psychotherapeuten entscheiden sollte.
Allerdings hat das LSG-Urteil einen Wermutstropfen für die Psychotherapeuten. Der Bewertungsausschuss darf bei der Überarbeitung des Beschlusses berücksichtigen, dass Psychotherapeuten zusätzlich zu den Einahmen aus genehmigten Therapien auch andere Einkünfte haben, zum Beispiel aus probatorischen Sitzungen oder psychologischen Tests. Ein Honorar von 145 DM je Stunde oder ein Punktwert von
10 Pfennig müsse also nicht garantiert werden. Petra Bühring


Allein bezogen auf die rund 1 000 in Westfalen-Lippe anhängigen Verfahren von Psychotherapeuten für Honorare aus 2000 sprechen
die Richter von Nachforderungen in Höhe von 20 Millionen DM.


Dem gemeinsamen Gremium von Kassenärztlicher Bundesvereinigung und Krankenkassen sind nach Ansicht des 11. Senats bei den Vorgaben zur Berechnung der Punktwerte mehrere Fehler unterlaufen, die die Psychotherapeuten benachteiligen.
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