ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2003Psychoanalyse: Inakzeptabel
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LNSLNS Zu dem oben genannten Artikel möchte ich einige Bemerkungen machen, weil ich finde, dass er so nicht akzeptabel ist. Mit der Diagnose fängt es an: Handelt es sich bei der „sozialen Angststörung“ nicht um das, was man früher (!) „Selbstunsicherheit“ oder „Schüchternheit“ nannte? Dass diese Problematik sich in besonders vulnerablen Entwicklungsphasen wie der Pubertät verstärkt, ist der Psychoanalyse schon lange bekannt, geht es hier doch um den Bereich des Narzissmus, dem gerade in der modernen Psychoanalyse besondere Aufmerksamkeit gewidmet wird.
Einen zentralen Satz möchte ich aufgreifen: „Das größte Problem der bisherigen Programme besteht in der Generalisierung der Therapieeffekte auf den Alltag.“ Nach meinem Verständnis behandle ich Patienten mit ihren Alltagsproblemen; was soll denn sonst therapiert werden? Gerade das, was an der Psychoanalyse so oft kritisiert wird, nämlich das Konzept der Übertragung, bedeutet doch, dass nicht über etwas gesprochen wird, was außerhalb ist, sondern dass das Problem in der Beziehung zwischen Therapeut und Patient erlebt und bearbeitet werden kann; insofern ergibt sich das oben genannte „Transferproblem“ nicht.
Die zitierte Äußerung von Herrn Prof. Hoffmann, in der Psychoanalyse bestünde bezüglich der „sozialen Angststörungen“ ein Nachholbedarf, kann ich in Hinblick auf die neuere psychoanalytische Literatur nicht nachvollziehen. Die Ansätze, die sich mit den so genannten „frühen Störungen“ befassen, und hierzu zählen Selbstwertprobleme im Allgemeinen, sind zahlreich; ich verweise auf aktuelle, auf dem Werk von Melanie Klein und Bion basierende Arbeiten. Auch Léon Wurmser beschäftigt sich schon seit den Sechzigerjahren mit der Psychoanalyse von Scham- und Schuldkonflikten.
Ich frage mich, warum ausgerechnet die Psychoanalyse zum Thema der Überschrift gemacht wurde, obwohl der Artikel einen ganz anderen Schwerpunkt hat, und kann mich des Verdachts nicht erwehren, dass es hier mehr um Polemik als um Information geht.
Dipl.-Psych. Charlotte Rothenburg Körnerstraße 49, 68259 Mannheim
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