ArchivDeutsches Ärzteblatt44/1996HIV-Infektion: Empfehlungen zur Immunglobulin-Therapie

POLITIK: Medizinreport

HIV-Infektion: Empfehlungen zur Immunglobulin-Therapie

DAGNÄ

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LNSLNS Die Gabe intravenöser Immunglobuline – in der Regel zehn Gramm vierzehntägig – hat sich zur Behandlung von AIDS-Patienten in späten Phasen der Krankheit klinisch bewährt. Die Patienten empfinden insbesondere Verbesserungen ihrer Lebensqualität. Die wissenschaftlichen Grundlagen der überwiegend gut verträglichen Therapie wurden ebenso wie ihre Effektivität in den letzten Jahren kontrovers diskutiert. Vor dem Hintergrund eines sich ändernden pathologischen Verständnisses der Erkrankung, neuer (sehr effektiver) diagnostischer und therapeutischer Verfahren sowie einer kostenbewußten Verordnungsweise bedarf das bisherige Konzept einer Revision.
Unter Berücksichtigung neuer und effektiver antiretroviraler Zweifach-, Dreifach- und eventuell VierfachKombinationen sowie der Tatsache, daß diese auch in späten Phasen der Erkrankung therapeutische Valenzen entfalten können, werden zukünftig weniger Patienten als bisher intravenöse Immunglobuline bedürfen. Es wird angeregt, die Verschreibung von Immunglobulinen im wesentlichen auf folgende Patienten zu beschränken:
1. Patienten in sehr stark fortgeschrittenen Krankheitsphasen, die durch andere Therapien nicht ausreichend behandelbar sind. Hierzu gehören zum Beispiel Patienten mit weniger als 50/µl CD-4-Lymphozyten, die keine antiretrovirale Therapie mehr vertragen und multiple klinische Komplikationen aufweisen.
2. Patienten mit Immun-Thrombozytopenie, die auf andere Therapiewege nicht ausreichend angesprochen haben und deren Thrombozytenwerte unter 30 000 /mm3 liegen.
3. Patienten mit rezidivierenden bakteriellen oder rezidivierenden viralen Infekten, bei denen andere Strategien ausgeschöpft sind und die auf einen Therapieversuch mit Immunglobulinen mit einer dokumentierten Verminderung der aufgetretenen Infekte reagieren.
4. Patienten, die bisher mit Immunglobulinen behandelt wurden und bei denen es nachweislich durch Absetzen dieser Therapie zu einer dokumentierten Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes gekommen ist.
Bezüglich des zeitlichen Ablaufs empfiehlt sich eine Übergangsphase von zirka drei Monaten. Hierbei sollte auch (falls noch nicht erfolgt) der Einsatz antiretroviraler Therapien erwogen werden, so daß diese Vorschläge ab etwa Januar 1997 allgemein umgesetzt werden können. DAGNÄ*)
*) Deutsche Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter e.V.

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