ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2003SARS-Virus: Nur geringe Neigung zur Mutation

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SARS-Virus: Nur geringe Neigung zur Mutation

Dtsch Arztebl 2003; 100(20): A-1313 / B-1101 / C-1029

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Das Genom des SARS-Erregers verändert sich weniger stark als erwartet. In den ersten sieben Wochen der Epidemie hat es nur wenige Mutationen gegeben. Dies zeigt der Vergleich verschiedener in Ostasien und Nordamerika sequenzierter Viren (Lancet-online 03art4453web.pdf). Das neue Coronavirus (SARS-CoV) gehört zu den RNS-Viren. Diese Viren gelten als besonders mutationsfreudig. Es wurde deshalb erwartet, dass sich das Erbgut von SARS-CoV schnell verändert. Edison Liu und Mitarbeiter vom Genom- Institut in Singapur haben das gesamte Genom des SARS-CoV mehrerer Patienten sequenziert. Dazu gehören der Index-Patient in Singapur sowie drei primäre und eine sekundäre Kontaktpersonen. Außerdem verglichen sie die Daten mit den in Toronto, Hongkong, Hanoi, Guangzhou und Peking sequenzierten Viren. Sie dokumentieren eine nach Einschätzung der Editorialisten Earl Brown und Jason Tetro, Universität Ottawa, bemerkenswerte Stabilität des Genoms. Es gebe nur „eine Hand voll“ von Mutationen, die durchaus bei der Virusvermehrung in den Kulturen entstanden sein könnten. Nach den Erkenntnissen der Genomforscher gibt es zwei Genotypen des SARS-CoV. Einer lässt sich auf die erste Infektion im Metropol Hotel in Hongkong zurückführen. Von dort aus wurden auch die Patienten in Toronto, Hanoi und Singapur infiziert. Der andere Genotyp wurde in Hongkong, Guangzhou und Peking isoliert.

Derweil berichten Mediziner des Pamela Youde Nethersole Eastern Hospital in Hongkong, dass die Behandlungschancen von SARS keineswegs so schlecht sind, wie die Berichte über die hohe Case-Fatality-Rate der letzten Tage vermuten lassen. In Lancet (2003; 361: 1615–1617) stellen sie ihr Standard-Therapieschema vor, mit dem sie 31 Patienten erfolgreich behandelten. Danach erhalten alle Patienten vom ersten Tag an Breitbandantibiotika, entweder Levofloxacin oder alternativ Clarithromycin.

Ribavirin und Methylprednisolon werden kombiniert verabreicht, wenn der Röntgenthorax eine ausgedehnte oder eine bilaterale Beteiligung der Lungen zeigt, anhaltendes hohes Fieber besteht oder die Laborwerte eine mögliche Verschlechterung anzeigen. Corticoide werden über 21 Tage gegeben. Beginnend mit hoch dosiertem intravenösem Methylprednisolon wird später auf orales Prednisolon gewechselt und langsam ausschleichend behandelt. Ribavirin wird über zehn bis 14 Tage gegeben: in den ersten Tagen intravenös, danach per os in einer hohen Tagesdosis. Rüdiger Meyer
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