ArchivDeutsches Ärzteblatt44/1996Zentrum für Ethik und Recht in der Medizin: Forschung zu Ethik-Kodizes

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Zentrum für Ethik und Recht in der Medizin: Forschung zu Ethik-Kodizes

Hick, Christian

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LNSLNS Mit den diagnostischen und therapeutischen Fortschritten in der Medizin hat in den letzten Jahren auch die Frage nach dem "richtigen" Einsatz dieser neuen Möglichkeiten mehr Gewicht gewonnen. Hirntod und Transplantationsmedizin, Abtreibung und Embryonenschutz, Forschung am Menschen und die Allokation knapper Ressourcen bezeichnen nur einige der vielen Problemkreise. Aber auch jenseits solcher ethischen Entscheidungsfragen verweisen viele Situationen der medizinischen Alltagspraxis letztlich auf die ethischen Dimensionen ärztlichen Handelns. So unterstreichen beispielsweise die Diskussionen über die Selbstbestimmung des Patienten, über Wahrheit und Wahrhaftigkeit am Krankenbett oder auch über den Umgang mit Sterben und Tod die Notwendigkeit, auch diese ethischen Aspekte der ärztlichen Tätigkeit in Lehre, Forschung und Praxis verstärkt zu berücksichtigen.
Mit der Gründung des Zentrums für Ethik und Recht in der Medizin (ZERM) in Freiburg am 5. März dieses Jahres haben Forschung und Lehre, Betreuung des wissenschaftlichen Nachwuchses, interdisziplinärer Austausch, Beratung und Öffentlichkeitsarbeit eine mit interdisziplinärer Kompetenz arbeitende feste institutionelle Einrichtung gefunden. Das Innovative in der Struktur dieses medizinethischen und medizinrechtlichen Zentrums im Klinikum der Freiburger Universität liegt in der gemeinsamen Trägerschaft des Zentrums durch die mit dem Thema Recht und Ethik in der Medizin befaßten verschiedenartigen Fachgebiete und Institutionen. Das Zentrum wird von vier Freiburger Einrichtungen getragen: der EthikKommission der Medizinischen Fakultät, dem Institut für Geschichte der Medizin, dem Institut für Rechtsmedizin der Universität Freiburg und dem Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht in Freiburg. Dem Zentrum angegliedert ist die Ethik-Bibliothek der Lan­des­ärz­te­kam­mer BadenWürttemberg, eine der größten Spezialsammlungen medizinethischer Literatur in Deutschland. Am ZERM werden zur Zeit in verschiedenen Arbeitsgruppen nationale und internationale Projekte bearbeitet. Im Rahmen des Forschungsprojektes "Ethik-Kodizes in der Medizin 1947–1997" (Projektleitung: Ulrich Tröhler, Freiburg) werden in internationaler Zusammenarbeit Selbstverpflichtungen in den Heilberufen dokumentiert, analysiert und bewertet. Ausgehend von dem Nürnberger Kodex des Jahres 1947 sollen die in der medizinethischen Diskussion wenig erforschten Bereiche von ärztlicher, pflegerischer und forschungsbezogener Ethik untersucht werden. Hierbei geht es um die Frage nach den Ursprüngen, den Folgen und der Reichweite ethischer Kodizes in der Medizin und im Gesundheitswesen. Für die Zukunft sind am ZERM Forschungsprojekte geplant, welche die Verflechtung von klinischen und ethischen Problemen untersuchen, beispielsweise bei der Aufklärung und Einwilligung von Eltern zur Forschung an neugeborenen Kindern. Daneben soll für Ärzte und andere Berufsgruppen im Gesundheitswesen sowie für persönlich von medizinethischen Fragen Betroffene ein Beratungsangebot aufgebaut werden. Mit diesem breiten Spektrum von Projekten und Dienstleistungen entfaltet das ZERM ein im deutschsprachigen Raum wohl bislang einzigartiges Profil.

Anschrift des Verfassers:
Dr. med. Christian Hick, M. A.
Ebernburgweg 9–11
50739 Köln

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