ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2003Immunglobuline: Bei MS nicht erstattungsfähig

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Immunglobuline: Bei MS nicht erstattungsfähig

Dtsch Arztebl 2003; 100(20): A-1314

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LNSLNS Sozialgericht Berlin entschied über „Off-label-use“.
Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen, die an multipler Sklerose (MS) leiden, haben keinen Anspruch auf die Versorgung mit Immunglobulinen. Weil die Arzneimittel für die Indikation nicht zugelassen sind und auch unter Experten kein Konsens über deren therapeutischen Nutzen bei MS besteht, kommt eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen nicht in Betracht. Das hat das Sozialgericht Berlin am 30. April entschieden (Az.: S 84 KR 3669/01). Geklagt hatte eine 46-jährige Frau, die seit 1984 an MS in der akut schubförmigen Verlaufsform leidet.
Das Gericht beruft sich bei seiner Entscheidung auf ein Grundsatzurteil des Bundessozialgerichts vom 19. März 2002. Danach dürfen Arzneimittel grundsätzlich nur für die Krankheiten eingesetzt werden, für die sie zugelassen sind. Ein „Off-label-use“ zulasten der Krankenkassen ist nur dann möglich, wenn eine schwere Erkrankung vorliegt, für die keine andere Therapie verfügbar ist und in Fachkreisen Konsens über den Nutzen des Medikaments besteht. Das trifft im vorliegenden Fall nach Auffassung des Sozialgerichts nicht zu. Forschungsergebnisse zum Einsatz von Immunglobulinen bei MS stünden noch aus. Die Anwendungsempfehlungen in Leitlinien, unter anderem der Bundes­ärzte­kammer, reichten nicht aus, um bereits von einem breiten Konsens der Ärzteschaft zu sprechen. Unabhängig vom Erfolg im Einzelfall habe die Klägerin deshalb keinen Anspruch auf die weitere Übernahme der Kosten durch die Krankenkasse.
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