ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2003Kinderhilfswerk terre des hommes: 30 Sekunden gegen Missbrauch

POLITIK

Kinderhilfswerk terre des hommes: 30 Sekunden gegen Missbrauch

Dtsch Arztebl 2003; 100(20): A-1319 / B-1105 / C-1033

Lenze, Susanne

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Bun­des­fa­mi­lien­mi­nis­terin Schmidt (SPD) will härtere Strafen, mehr Schutz für die Opfer und internationale koordinierte Verfolgung. Werbespot soll Jugendliche sensibilisieren.

Weltweit werden pro Jahr etwa zwei Millionen Kinder sexuell missbraucht – so lauten die Zahlen der UNICEF von 2001. Mit einer Öffentlichkeitskampagne und einem Aktionsplan wollen das Kinderhilfswerk terre des hommes, das Bundesfamilienministerium, die Welttourismusorganisation und die Europäische Kommission sowie Musiksender Viva TV dieser Ausbeutung entgegenwirken.
24 Bilder in 30 Sekunden: Wer Jugendliche für ein politisches Thema sensibilisieren möchte, muss sich alterstypischen Sehgewohnheiten anpassen. Seit Mitte April läuft bei Viva TV der Fernsehspot „Words“. Hiermit möchten die Initiatoren junges Publikum für Kindesmissbrauch im Zusammenhang mit Tourismus sensibilisieren. „Wir haben versucht, eine eindringliche Bildsprache zu finden, ohne Täter oder Opfer zu zeigen“, sagte Markus Daubenbüchel, Kreativdirektor der Agentur Euro RSCG Thomsen Röhle in Düsseldorf, bei einem Pressegespräch Mitte April in Berlin.
Sexuelle Ausbeutung auch durch Minderjährige
Die Agentur entschied sich bewusst für einen Trickfilm mit Knetfiguren – eine Darstellungsweise, die junge Leute anspricht. Gezeigt werden Standbilder mit Palmen, das Wort „child“, dargestellt durch blaue Knete, verformbar – und das Wort „Love“ im Dollardesign.
„Ein Viertel aller Fernreisen wird heute von Jugendlichen unternommen“, sagte Christa Dammermann, Kinderrechts-Referentin von terre des hommes. Zudem berichten Experten aus Beratungsstellen in Deutschland, dass etwa ein
Aktuelles Poster zur Kampagne gegen „Sexuelle Ausbeutung im Tourismus“. Das Plakat wird bundesweit von terre des hommes kostenfrei verteilt.
Aktuelles Poster zur Kampagne gegen „Sexuelle Ausbeutung im Tourismus“. Das Plakat wird bundesweit von terre des hommes kostenfrei verteilt.
Drittel aller sexueller Übergriffe auf Kinder hier von Minderjährigen ausgeht, eine bisher kaum berücksichtigte Tatsache, befand Dammermann. Deshalb sei der Spot im Musik-Kanal Viva platziert worden. Das Kinderhilfswerk hofft, dass noch weitere Sender den Kurzfilm kostenfrei ausstrahlen werden. Eine Kinoversion soll noch folgen.
Bun­des­fa­mi­lien­mi­nis­terin Renate Schmidt (SPD) stellte gleichzeitig Eckpunkte eines „Aktionsplanes“ gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen vor. Demnach sollen die Strafandrohungen der Paragraphen 176 und 176 a des Strafgesetzbuches deutlich erhöht werden. Der Plan sieht auch vor, den Strafrahmen für die Weitergabe kinderpornographischer Schriften an andere anzuheben. Zusätzlich seien die Sanktionen bei Nicht-Anzeige zu verschärfen. Angestrebt wird auch ein verbesserter Opferschutz. Dammermann forderte in diesem Zusammenhang, die Schutzaltersgrenze vor sexueller Ausbeutung in Deutschland auf 18 Jahre heraufzustufen. Bisher liegt die Altersgrenze bei 14 Jahren.
Zum Aktionsplan gehören auch die internationalen Aktivitäten und Kooperationen, speziell zur Bekämpfung des Frauen- und Mädchenhandels sowie zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung. Eine deutsch/tschechisch/polnische Arbeitsgruppe soll gemeinsame Konzepte zur Bekämpfung der grenzüberschreitenden Kriminalität erarbeiten. Diese soll Schulungen der vor Ort eingesetzten Polizei- und Grenzschutzbeamten veranstalten. Weitere Maßnahmen richten sich insbesondere an Justiz und Tourismusbranche. Es gehe darum, die Tourismuswirtschaft für Sextourismus mit Kindesmissbrauch zu sensibilisieren und beispielsweise Flugbegleiter an Präventionsaktionen zu beteiligen. Susanne Lenze
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