ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2003Nierentransplantation: Test ermittelt Risiko für Organabstoßung

POLITIK: Medizinreport

Nierentransplantation: Test ermittelt Risiko für Organabstoßung

Dtsch Arztebl 2003; 100(20): A-1329 / B-1112 / C-1040

Bördlein, Ingeborg

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In Deutschland werden in 40 Zentren jährlich etwa 2 000 Nieren transplantiert. Quelle: Roche
In Deutschland werden in 40 Zentren jährlich etwa 2 000 Nieren transplantiert. Quelle: Roche
Hohe Blutkonzentration des löslichen Rezeptorproteins CD30 korreliert mit der Unverträglichkeitsrate des Spenderorgans.

Ob Empfänger einer Spenderniere ein hohes Risiko haben, dass das Fremdorgan abgestoßen wird, kann jetzt bereits vor der Transplantation mit einem herkömmlichen ELISA-Test vorhergesagt werden. Mit dem Bluttest, der von Wissenschaftlern der Abteilung Transplantationsimmunologie unter Prof. Dr. med. Gerhard Opelz an der Universitätsklinik in Heidelberg entwickelt worden ist, wird die Konzentration des im Blut zirkulierenden löslichen Rezeptorproteins CD30 bestimmt.
Liegt der Wert über 100 Units pro Milliliter, so ist die Gefahr einer Abstoßung signifikant höher als bei niedrigeren
Werten (unter 100). Das lösliche CD30 ist ein Marker, um den Aktivierungsgrad von T-Zellen in der Zellwand zu bestimmen, die zum Beispiel Zytokine produzieren. Wie der Immunologe Dr. Caner Süsal in Heidelberg erklärt hat, gehen auch die multiple Sklerose und Aids mit erhöhten Spiegeln dieses Markers einher.
In einer internationalen Multicenterstudie wurde das Blut von mehr als
3 900 Patienten vor der Transplantation auf sCD30 untersucht. Die Patienten wurden im Rahmen der Internationalen Transplantationsstudie CTS rekrutiert. 29 Zentren aus 15 Ländern waren daran beteiligt. Fünf Jahre später wurden die Ergebnisse der sCD30-Konzentration im Blut mit dem Transplantatüberleben nach fünf Jahren verglichen. Dabei hat sich gezeigt, dass bei den 901 Patienten mit hohen Spiegeln dieses Markers die Überlebensrate des Transplantats signifikant schlechter war
(64 Prozent) gegenüber den knapp 3 000 Patienten mit einem niedrigen Markerwert (75 Prozent).
Der Markerwert korrelierte in erster Linie mit dem Transplantatüberleben, nicht mit dem des Patienten. Die Korrelation bezüglich des Transplantatüberlebens zeigte sich sowohl bei erstmaligen Transplantationen als auch bei Retransplantationen. Der Effekt war unabhängig davon, ob die Patienten vorher mit lymphozytotoxischen Antikörpern vorsensibilisiert waren oder nicht und ob die Empfänger HLA-
(humanes Leukozyten-Antigen-)korrespondierende Spenderorgane erhalten hatten.
Aus diesen retrospektiven Ergebnissen lassen sich nach Angaben von Opelz zwei Schlüsse ziehen:
1. Patienten mit hohem Abstoßungsrisiko wären besonders aufmerksam zu beobachten und
2. bei geringstem Verdacht auf eine Abstoßung sofort zu biopsieren und entsprechend immunsuppressiv zu therapieren.
Bei Nierenempfängern mit niedrigem Risiko hätte man die Option, die Immunsuppression niedrig dosiert anzupassen, um Nebenwirkungen der Immunsuppression wie Infektionen und/oder Tumoren zu vermeiden. Ob sich dieser Ansatz auch in der klinischen Routine bestätigt, wird man in prospektiven Studien zu überprüfen haben.Voraussetzung hierfür wäre, dass alle Patienten auf der Warteliste auch auf CD30 untersucht würden, sagte Opelz. Gegenwärtig würden alle Transplantataspiranten auf „präformierte Antikörper gegen Lymphozyten“ untersucht. Dies sei der einzige Test, der ein erhöhtes Abstoßungsrisiko anzeige.
Während man mit dem Antikörpertest lediglich fünf Prozent der Patienten als Hochrisikogruppe für eine Abstoßung identifizieren könne, seien es bei dem CD30-Test etwa 25 Prozent. Somit sei dieses Verfahren, das technisch einfach durchzuführen sei, eine klinisch relevante Neuerung zur Einschätzung des Abstoßungsrisikos vor der Transplantation, betonte der Heidelberger Immunologe.
Marker zeigt Risiko früher an als die Nierenbiopsie
Welche Bedeutung dem Marker in der Frühphase der Transplantation zukommt, untersuchten die Heidelberger Transplantationsimmunologen zusammen mit dem Leiter der Sektion Nierentransplantation der Heidelberger Universitätsklinik, Prof. Manfred Wiesel. Die sCD30-Spiegel von 56 Patienten wurden in den ersten Tagen nach der Verpflanzung untersucht. Waren die Spiegel erhöht, so zeigten sich eher Komplikationen. Das Risiko einer frühen Organabstoßung ließ sich früher erkennen als durch eine Nierenbiopsie. Diese ersten Ergebnisse über die Aussagekraft des Tests in der Frühphase nach der Transplantation werden in einer großen Multicenterstudie im Rahmen der CTS untersucht. Ingeborg Bördlein

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