ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2003Arzt & Selbsthilfe: Im Dienste der Patienten

THEMEN DER ZEIT: Dokumentation

Arzt & Selbsthilfe: Im Dienste der Patienten

Dtsch Arztebl 2003; 100(20): A-1332 / B-1115 / C-1043

Auerswald, Ursula; Englert, Gerhard; Nachtigäller, Christoph; Hansen, Leonhard; Balke, Klaus

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Viele Fragen tauchen auf, wenn man sich mit dem Themenkomplex „Arzt und Selbsthilfe“ beschäftigt. „Was haben Ärzte mit Selbsthilfe zu tun?“ ist eine dieser Fragen, eine andere „Was gibt es überhaupt für Selbsthilfeorganisationen?“. Weiter wird gefragt „Wo oder über wen finde ich Selbsthilfegruppen?“, und nicht zuletzt lässt einen die Frage ratlos zurück, „wie eine sinnvolle Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Selbsthilfegruppen aussehen könnte“.
Um Licht ins Dunkel des weiten Feldes „Arzt und Selbsthilfe“ zu bringen, stellt das Deutsche Ärzteblatt in Anknüpfung an den Leitartikel „Auf gutem Wege“ Formen der Zusammenarbeit zwischen Arzt und Selbsthilfe, Selbsthilfekontaktstellen und verschiedene Selbsthilfeorganisationen und -gruppen vor. Dabei enthält jede Kurzvorstellung einen Informationskasten, in dem wichtige Adressen und Internetseiten aufgeführt sind.
Das Patientenforum
Die Politiker beabsichtigen bereits seit einiger Zeit, die Rechte der Patienten zu stärken, gesetzgeberische Initiativen blieben bisher jedoch aus. Die Ge­sund­heits­mi­nis­ter der Länder haben zwar bereits 1999 eine so genannte Patientencharta* erarbeitet, an der Praxis hat das Dokument jedoch nicht viel verändert – Patientenrechte existieren überwiegend nur auf dem Papier. Auch ist noch nicht geklärt, welche Rolle ein amtlich zu bestellender Patientenvertreter, der seit einiger Zeit im Gespräch ist, bei der Durchsetzung von Patientenrechten einnehmen soll oder wann dieser kommt (siehe DÄ, Hefte 11, 13/ 2003).
Die Bundes­ärzte­kammer (BÄK), die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und maßgebliche Vertreter der Patientenselbsthilfe wollten nicht länger auf konkrete Schritte warten. Bereits zwei Jahre nach Amtsantritt der rot-grünen Bundesregierung gründeten sie ein „Patientenforum“ (Grafik). Damit stellten sie ihre langjährige Zusammenarbeit auf eine institutionelle Grundlage und griffen die Initiativen der Politik zur Beteiligung der Patienten im Gesundheitssystem auf, ohne dass dazu eine gesetzliche Regelung notwendig gewesen wäre. Das Patientenforum trägt seit 2000 durch die Vermittlung von Informationen und Anliegen zwischen Ärzteschaft und Patientenselbsthilfe dazu bei, Patientenrechte in die Praxis umzusetzen. Zugleich versteht es sich als ein Forum gemeinsamen Handelns, wodurch sich für die Ärzteschaft und die Patientenselbsthilfe neue Möglichkeiten ergeben: Wichtige Anliegen können ins Gespräch gebracht und gegebenenfalls dafür Verständnis und Unterstützung gefunden werden.
Zu den Vertretern der gesundheitsbezogenen Patientenselbsthilfe zählen die Bundesarbeitsgemeinschaft Hilfe für Behinderte e.V. (BAGH) – ein Dachverband von bundesweit agierenden Selbsthilfeverbänden behinderter und chronisch kranker Menschen sowie Landesarbeitsgemeinschaften –, das Forum chronisch Kranker und behinderter Menschen als Zusammenschluss von Mitgliedsverbänden des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Gesamtverband e.V. (DPWV) und die Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e.V. (DAG SHG).
Aktuelle Schwerpunktaufgaben des Patientenforums sind:
- Anliegen, Aufgaben und Strukturen der beteiligten Organisationen gegenseitig transparent zu machen, indem sich zum Beispiel Organisationen oder Einrichtungen vorstellen oder Arbeitsstrukturen erläutert und diskutiert werden;
- Einbeziehung von Patientenvertretern in Entscheidungsprozesse des Gesundheitswesens zu fördern, indem die Vertreter der Selbsthilfe die Möglichkeit erhalten, ihre Einschätzungen bei der Vorbereitung von Entscheidungen des Bundes­aus­schusses der Ärzte und Krankenkassen einzubringen;
- Versorgungsstandards und -formen patientenorientiert weiterzuentwickeln, indem zum Beispiel die Entwicklung des Fallpauschalensystems für Akutkrankenhäuser oder die Einführung von Disease-Management-Programmen erläutert, diskutiert und insbesondere aus der Sicht chronisch kranker und behinderter Menschen geprüft wird;
- qualitätsgeprüfte Patienteninformationen zu erreichen, indem im Rahmen der ÄZQ (Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin) behandlungswichtige Patienteninformationen einer gemeinsamen neutralen Bewertung unterzogen werden;
- auf geeignete Rahmenbedingungen für gute Beziehungen zwischen Patienten und Ärzten hinzuwirken.
Dr. med Ursula Auerswald, BÄK
Prof. Dr. Gerhard Englert, DPWV e.V.
Christoph Nachtigäller, BAGH e.V.
Dr. med. Leonhard Hansen, KBV
Klaus Balke, DAG SHG e.V. c/o NAKOS



Informationen zum Patientenforum/Ansprechpartner:

Bundes­ärzte­kammer (BÄK)
Herbert-Lewin-Straße 1
50931 Köln
Telefon: 02 21/40 04-4 10
(Dr. med. Justina Engelbrecht)
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