ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2003Arzt & Selbsthilfe: Selbsthilfegruppen – Die Suchtselbsthilfe

THEMEN DER ZEIT: Dokumentation

Arzt & Selbsthilfe: Selbsthilfegruppen – Die Suchtselbsthilfe

Dtsch Arztebl 2003; 100(20): A-1336

Hüllinghorst, Rolf

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Alkoholkranke finden in der Suchtselbsthilfe Unterstützung. Foto: DAK/Scholz
Alkoholkranke finden in der Suchtselbsthilfe Unterstützung. Foto: DAK/Scholz
Nachdem das Patientenforum und die darin enthaltenen Dachverbände der Selbsthilfe vorgestellt wurden, stehen im Folgenden drei große Selbsthilfegruppen im Mittelpunkt: die Suchtselbsthilfe, die Krebsselbsthilfe und stellvertretend für Selbsthilfegruppen chronisch Kranker und Behinderter die Deutsche Rheuma-Liga und der Bundesverband Hilfe für das autistische Kind. An dieser Stelle muss ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass es der Redaktion unmöglich ist, auf alle vorhandenen Selbsthilfegruppen einzugehen.
Deutschland ist das Land, in dem das größte Spektrum an Selbsthilfegruppen für Suchtkranke angeboten wird. Diese Arbeit wird von wenigen großen Verbänden organisiert. Im Bereich des Diakonischen Werkes sind das Blaue Kreuz in Deutschland, das Blaue Kreuz in der Evangelischen Kirche und der Bundesverband der Freundeskreise tätig. Im Bereich des Caritasverbandes arbeiten der Kreuzbund, im Paritätischen Wohlfahrtsverband die Guttempler in Deutschland und der Deutsche Frauenbund für alkoholfreie Kultur e.V. Darüber hinaus gibt es Organisationen, die von ihrem Selbstverständnis her unabhängig und eigenständig sein und bleiben wollen. Dies sind die Anonymen Alkoholiker, Al-Anon (für Angehörige) und der Bundesverband der Elternkreise drogengefährdeter und drogenabhängiger Jugendlicher. Außerdem gibt es eine Reihe von Selbsthilfegruppen, die eigenständig und regional arbeiten. Manche haben sich eine Satzung gegeben und sich direkt einem Spitzenverband der Freien Wohlfahrtspflege angeschlossen, andere arbeiten als freie Gruppen vor Ort.
Während die Ärzte die Verantwortung für die Behandlung suchtkranker Menschen über viele Jahre an das eigenständig arbeitende System der Suchtkrankenhilfe abgegeben haben, ist nun eine Trendwende spürbar. Dazu hat auf der einen Seite die ärztlich erforderliche Behandlung beziehungsweise Verordnung von Substitutionspräparaten für Heroinabhängige beigetragen. Auf der anderen Seite half die „Suchtmedizinische Grundausbildung“, wie sie inzwischen von vielen Ärztekammern angeboten wird und für die Behandlung Drogenabhängiger verbindlich vorgeschrieben ist. Es gibt darüber hinaus Untersuchungsergebnisse in Krankenhäusern und Arztpraxen, die beschreiben, welcher große Anteil an Menschen mit substanzbezogenen Störungen ins Krankenhaus eingeliefert wird und die Praxis aufsucht. Hier spielen Ärzte im Sinne von Früherkennung und Frühintervention eine entscheidende Rolle.
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA), Köln, hat deshalb gemeinsam mit der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) und dem Fachverband Sucht (FVS) ein Manual entwickelt, das Ärzte im Umgang mit alkoholgefährdeten und alkoholabhängigen Menschen unterstützen und zur Intervention ermutigen soll.
Der gezielte Hinweis des Arztes auf eine Selbsthilfegruppe (nicht auf „die Selbsthilfe“) trägt dazu bei, diese Absichtsbildung in eine Entscheidung zum Gruppenbesuch zu verwandeln. Der Arzt sollte also nicht nur den Begriff der Selbsthilfegruppe kennen, sondern konkret einige Gruppen in seinem Einzugsbereich. Er kann sicher sein, dass es ehemalige Abhängige unter seinen Patienten gibt, die – wenn er sich das Einverständnis geholt hat – auch bereit sind, als freiwillige Mitarbeiter einen Hausbesuch zu machen und damit die Kontaktaufnahme zu erleichtern.
Rolf Hüllinghorst, Geschäftsführer der
Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V.
Postfach 13 69
59003 Hamm


Informationen zur Suchtselbsthilfe:

Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V.,
Postfach 13 69 , 59003 Hamm Westfalen
Telefon: 0 23 81/9 01 50, Fax: 0 23 82/90 15 30
E-Mail: info@dhs.de, www.dhs.de

Manual für niedergelassene Ärzte
zum Umgang mit Patienten mit alkoholbezogenen Störungen:

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Telefon: 02 21/8 99 20
www.bzga.de
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