ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2003Zertifizierte Fortbildung online: Gutes Abschneiden der Teilnehmer

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Zertifizierte Fortbildung online: Gutes Abschneiden der Teilnehmer

Dtsch Arztebl 2003; 100(20): A-1340

Herrmann, Paul

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LNSLNS Auf der Grundlage von bisher rund 50 000 Teilnahmen
ist ein erster Erfahrungsbericht zum Online-Zertifizierungsangebot des Springer-Verlags möglich.

Fachzeitschriften in der ärztlichen Fortbildung: Während des 106. Deutschen Ärztetages 2003 in Köln wird der Deutsche Senat für ärztliche Fortbildung der Bundes­ärzte­kammer einheitliche Bewertungskriterien zur Vergabe von Fortbildungspunkten vorstellen, die in der Kategorie D – Strukturierte interaktive Fortbildung via Printmedien, Online-Medien und audiovisuelle Medien – eine doppelt so hohe Punktzahl wie bisher vorsehen.
Hiermit wird dem Selbststudium gegenüber Präsenzveranstaltungen ein deutlich höherer Stellenwert eingeräumt; die ärztliche Fortbildungsrealität wird so wahrscheinlich besser reflektiert, als dies bisher der Fall war. Beim „Selbststudium“ spielen Fachzeitschriften nach wie vor eine maßgebliche Rolle. Ausgehend vom bestehenden Zeitschriftenprogramm, begann der Springer-Verlag im November 2000 zunächst auf der Grundlage von vier Titeln, sein medizinisches Fachangebot in eine CME-Initiative einzubinden. Inzwischen ist die Zahl auf 15 Zeitschriften angewachsen, überwiegend Organe der wissenschaftlichen Gesellschaften oder ärztlichen Berufsverbände.
Unter cme.springer.de können aus den 15 medizinischen Fachgebieten jederzeit etwa 20 Fortbildungseinheiten abgerufen werden, die in monatlichen beziehungsweise zweimonatlichen Intervallen wechseln. Über das Jahr hinweg ergibt sich somit ein Angebot von mehr als 170 Beiträgen.
Die Teilnahme in einem Fachgebiet ist ein zusätzlicher Service im Rahmen eines persönlichen Abonnements der betreffenden Facharztzeitschrift. Zusätzlich befindet sich ein abonnementunabhängiges Verfahren in Entwicklung, das kostenpflichtig sein wird.
Basis der Fortbildungseinheiten sind die Beiträge der Rubriken „Weiterbildung. Zertifizierte Fortbildung“ aus den Facharztzeitschriften. Diese sind in die Online-Fortbildung als pdf-file eingebunden. Weiterhin werden die Beiträge – wie in SpringerLink (link.springer.de) bereits realisiert – noch in diesem Jahr zusätzlich als html-Dokumente angeboten werden, wodurch unter anderem eine bessere Online-Darstellung von Abbildungen sowie die direkte Verlinkung zur zitierten Literatur möglich ist.
Im Anschluss an die Beiträge folgen zehn Multiple-Choice-Fragen mit je fünf Antwortmöglichkeiten. Da bisher nur wenig Zahlen über die Auswirkungen dieser Art der ärztlichen Fortbildung vorliegen, wurde in Kooperation mit der Nordrheinischen Akademie für ärztliche Fort- und Weiterbildung ein Fragebogen entwickelt, der nach Beantwortung der Multiple-Choice-Fragen den Nutzen der Fortbildungseinheit für die tägliche Arbeit unter Berücksichtigung der Vorkenntnisse und des Arbeitsumfelds evaluiert. Die Evaluationsbögen werden anonymisiert und unabhängig vom Ergebnis der vorangegangenen Multiple-Choice-Fragen an die Nordrheinische Akademie weitergeleitet und dort ausgewertet.
Eine Fortbildungseinheit gilt als bestanden (ein Fortbildungspunkt), wenn mindestens 70 Prozent der Fragen korrekt beantwortet wurden oder das persönliche Ergebnis nicht unter dem Durchschnitt aller Teilnehmer liegt.
Seit Dezember 2002 ist es möglich, sich die Teilnahmebescheinigunge nach Ablauf des Einsendeschlusses selbst via Internet auszudrucken, was bereits über 8 000-mal genutzt wurde. Die Auswertungen umfassen, neben dem persönlichen Ergebnis, zum Leistungsvergleich auch den Durchschnitt aller Teilnehmer der betreffenden Fortbildungseinheit. Die Bescheinigungen werden online archiviert und sind auch rückwirkend ab August 2002 abrufbar. Bei allen Transaktionen mit persönlichen Daten ist eine verschlüsselte Datenübermittlung (SSL) möglich. Die CME-Initiative in den Springer-Facharztzeitschriften ist zertifiziert von der Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen und der Nordrheinischen Akademie für ärztliche Fort- und Weiterbildung und ist damit auch durch andere Ärztekammern anerkennungsfähig.
Das Portal kann monatlich mit knapp 160 000 Page Impressions bei über 16 000 Visits aufwarten. Die Gesamtteilnehmerzahlen seit Beginn des Online-Fortbildungsangebots belaufen sich (Stand: März 2003) auf 7 927 bei 48 177 Teilnahmen (eingesandte Antwortbögen). Hierbei ist zu beachten, dass es sich um eine Momentaufnahme im Rahmen eines progressiven Verlaufs handelt: Die Teilnehmerzahl im März 2003 stieg erstmals auf über 2 000 (Grafik 1); monatlich kommen derzeit zwischen 250 bis 400 Neuregistrierungen hinzu.
Das prozentuale Verhältnis der Gesamtteilnehmer einer Zeitschrift zu der Anzahl an Abonnenten dieser Zeitschrift schwankt abhängig vom Fachgebiet zwischen fünf bis 16 Prozent, das der Teilnehmer pro Monat im Verhältnis zur Abonnentenzahl zwischen ein bis sechs Prozent. Diese Zahlen müssen vor dem Hintergrund der Freiwilligkeit und der Eingrenzung auf eine Online-Abwicklung gesehen werden. „Spitzenreiter“ ist jeweils die Anästhesie mit der Zeitschrift „Der Anaesthesist“.
Die Durchschnittsergebnisse aller Zeitschriften im zeitlichen Verlauf (Grafik 2) sowie die Durchschnittsergebnisse, auf die einzelne Zeitschrift bezogen, zeigen ein konsistentes und mit je 86 Prozent gutes Bild – sie liegen durchweg deutlich über der Bestehensgrenze von 70 Prozent. Die Durchfallquote liegt unter zwei Prozent.
Das gute Abschneiden der Teilnehmer lässt keinen direkten Rückschluss auf die Qualität der Fortbildungsmaßnahme zu. Die durchgängig guten Ergebnisse sowohl im zeitlichen Verlauf als auch über die Fachgebiete hinweg lassen eine solche Folgerung in gewissem Maß jedoch als möglich erscheinen. Es hat sich auch gezeigt, dass die Kunst, gute Multiple-Choice-Fragen zu stellen, eine große Herausforderung darstellt, die verstärkte Anstrengungen in diesem Bereich erfordert.
Detaillierte Zahlen – bezogen auf die einzelnen Zeitschriften beziehungsweise einzelnen Ausgaben und Fragen – würden den Rahmen dieses kurzen Erfahrungsberichts sprengen. Trotzdem seien sie für eine Zeitschrift zumindest kurz angerissen. „Der Internist“, Organ der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin und des Berufsverband Deutscher Internisten, hat als erste Springer-Zeitschrift die Möglichkeit aufgegriffen, Fortbildungspunkte zu sammeln. Sie ist zwar das größte Journal innerhalb des Zertifizierungsmoduls, rangiert aber mit Anteil von sieben Prozent Gesamtteilnehmer versus Abonnentenzahl eher im unteren Drittel. 2 485 Teilnehmer haben bislang 13 819 Antwortbögen eingesandt (Stand: März 2003). Das Durchschnittsergebnis über alle Ausgaben von der „Internist“ bestätigt das gute Abschneiden der Teilnehmer.
Die Verbindung von Bewährtem in der ärztlichen Fortbildung – Printmedien – mit der Möglichkeit einer vollständigen Online-Abwicklung erwies sich als sinnvoll. Hinsichtlich einer umfassenden Nutzung der spezifischen Vorteile neuer Medien stehen Fortbildungsanbieter, wie zum Beispiel Verlage, im Spagat zwischen traditionellem Lern- und Leseverhalten und hohen Produktionskosten umfassender E-Learn-Plattformen.

Dr. med. Paul Herrmann
Springer-Verlag GmbH & Co.KG
Leitung Zertifizierte Fortbildung
E-Mail: p.herrmann@springer.de


Zeitschriften mit Online-
Fortbildung im Springer-Verlag
Der Anaesthesist Der Gynäkologe
Der Chirurg Der Hautarzt
HNO Der Internist
Der Ophthalmologe Der Orthopäde
Der Radiologe Rechtsmedizin
Der Unfallchirurg Der Urologe A
Der Nervenarzt Der Onkologe
Monatsschrift Kinderheilkunde
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