ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2003Kommunikation: Sprechlernresistente Gruppe

BRIEFE

Kommunikation: Sprechlernresistente Gruppe

Dtsch Arztebl 2003; 100(20): A-1344 / B-1127 / C-1055

Geiß, Detlev

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Auch ich bin sehr unzufrieden: nämlich mit der mangelnden Bereitschaft vieler unserer türkischen Nachbarn, sich während ihres oft langjährigen Aufenthaltes mitten in Deutschland auch nur ein Mindestmaß an Sprachverständnis anzueignen. In unserem Multi-kulti-Stadtrandvorort sind über hundert Herkunftsländer registriert: Persien, Italien, Spanien, Marokko, Tunesien, Vietnam, Polen, Russland, Afghanistan, viele Länder Afrikas, Irak – alle diese Immigranten haben sich, zum Teil erstaunlich schnell, eingelebt und die deutsche Sprache gelernt. Bei unseren zahlreichen türkischen Patienten erlebe ich dagegen eine große massiv sprechlernresistente Gruppe; die Sprachkompetenz jetzt als Eltern von mir betreuter junger Frauen nimmt oft nach der hier durchlaufenen Schulzeit wieder deutlich ab. Ich meine, diese – ansonsten sehr netten und dankbaren – Menschen hätten auch eine Bringeschuld, anstatt sich abwartend hinzusetzen und über mangelnde Dolmetscher zu klagen. Wie viel – medizinkompetente – Dolmetscher soll ein Krankenhaus/eine Praxis bereithalten? Allein drei für die Afghanen (Urdu, Farsi und Paschtun)? Und: Je mehr wir uns im Laufe der Jahre um fremdsprachige Information bemüht haben, umso geringer wurden die Bemühungen des Gegenübers. Menschen mit einem Wörterbuch in der Hand sind mir in meiner Praxis in 20 Jahren zweimal (!) begegnet. Das Geld für die Studie wäre in – obligatorischen – Sprachunterricht für die unzufriedenen türkischen Patientinnen wesentlich sinnvoller angelegt
worden.
Detlev Geiß, Florenzer Straße 20,
50765 Köln (Chorweiler)
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema