ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2003Pocken: Mehr mit historischen Erfahrungen befassen

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Pocken: Mehr mit historischen Erfahrungen befassen

Dtsch Arztebl 2003; 100(20): A-1346 / B-1127 / C-1055

Fassl, Horst

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LNSLNS Den Aussagen von Frau Zylka-Menhorn kann ich aufgrund eigener Erfahrungen weitgehend folgen. Bei zwei Aussagen möchte ich jedoch Zweifel vorbringen. Einmal an „wer die Pocken überlebt, ist lebenslang vor einer erneuten Erkrankung geschützt“. Zumindest ein Fall widerspricht dieser Null-Hypothese. Ludwig XV. infizierte sich trotz in der Jugend durchgemachter Pockenerkrankung im höheren Alter erneut und starb daran. Für seuchenpolizeilich bedenklich halte ich die Aussage im letzten Absatz, dass eine infizierte Person erst nach Bildung der ersten Pockenbläschen auf der Haut ansteckend würde. Dann sei aber der Betroffene bereits so krank, dass er kaum noch in der Lage wäre, umherzulaufen, um andere Menschen zu infizieren. Das ist nach den Erfahrungen der Einschleppungen nach 1945 und den der Kollegen vor 200 Jahren zu sagen nicht zulässig. Gerade bewusst durch Hautschnitt „Variolisierte“ erkranken wie Kuhpocken-Geimpfte mit Rest-Immunität relativ leicht, sind dabei aber hochinfektiös.
Deshalb konnte sich diese Immunisierungsform vor Einführung des Jennerschen Impfverfahrens außerhalb sehr begüterter Kreise mit der Möglichkeit strikter Isolation der so Geimpften als Breitenverfahren nicht durchsetzen. Verboten wurde die Variolisation in Deutschland erst in den Dreißigerjahren des 19. Jahrhunderts.
Man sollte sich – nicht nur bei den Pocken – mehr mit historischen Erfahrungen befassen . . .
Literatur beim Verfasser
Prof. Dr. med. Horst Fassl,
55268 Nieder-Olm
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