BRIEFE

Hausärzte: Einseitig

Dtsch Arztebl 2003; 100(20): A-1348 / B-1129 / C-1057

Bartels, Jürgen Michael

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LNSLNS Der Kommentar von Herrn Josef Maus zeigt einmal wieder, wie einseitig die Position von Hausärzten im Deutschen Ärzteblatt dargestellt werden kann. Selbstverständlich sind die Zeiten hart für die Ärzte, und die Ärzteschaft insgesamt steht zusammen, d. h. aber nicht, dass die Hausärztefraktion auf ihre Interessen verzichten muss, damit die Interessen anderer Gruppierungen der Ärzteschaft Vorrang haben. Richtig ist sicherlich die Aussage, dass Hausärzte und Fachärzte vor Ort einwandfrei und unkompliziert zusammenarbeiten. Trotzdem ist aber auch aus Sicht der Hausärzte festzustellen, dass ihre Vertretung durch die KBV seit Jahrzehnten nicht in fairer Weise berücksichtigt wird. Die Politik brauchte heute nicht per Gesetz einzugreifen, wenn die Organe der Selbstverwaltung das seit ca. 13 Jahren bestehende SGB V mit der Gliederung Hausarzt–Facharzt korrekt und für alle Seiten gleichermaßen ausgewogen umgesetzt hätten. Was wir bis heute haben, ist lediglich die Beschneidung der Hausärzte in ihrem diagnostischen Feld durch Einführung des K.-o.-Kataloges und seiner Erweiterung und „Verböserung“ durch einen Zusatzkatalog.
Mit dem ersten K.-o.-Katalog hätten auch die Hausärzte leben können, mit der Verschärfung durch die Erweiterung des K.-o.-Kataloges wurden zusätzlich den Hausärzten wichtige diagnostische Werkzeuge aus der Hand geschlagen. Wen sonst hat denn die Gliederung noch getroffen? Lediglich die Internisten, die sich jetzt auch nach außen hin in die Gruppierung hausärztliche oder fachärztliche Versorgungsebene eingliedern mussten. Die hausärztlichen Internisten waren, was ihr Leistungsspektrum angeht, schon immer eher im hausärztlichen Bereich angesiedelt und leiden jetzt noch mehr als die Allgemeinärzte unter der Wegnahme wichtiger diagnostischer Mittel wie Gastroskopie, Langzeit-EKG und Teilradiologie.
Die übrigen Ärzte aus der fachärztlichen Versorgung haben bis heute keine sichtbaren oder gleichwertige einschneidende Einschränkungen hinnehmen müssen. Ganz im Gegenteil dürfen sie sich auch weiterhin beim Grundleistungskapitel des EBM in originären hausärztlichen Aufgabenbereichen tummeln.
Hier wäre es vonseiten der KBV notwendig und auch fair gewesen, der hausärztlichen Versorgungsebene ihren unantastbaren Leistungsbereich im EBM zuzuerkennen.
Im Übrigen ist es kontraproduktiv und für die Sicherstellung der Versorgung schädlich, den K.-o.-Katalog so restriktiv einzuführen, ohne auf die örtlichen Gegebenheiten Rücksicht zu nehmen.
Glücklicherweise gibt es einzelne KVen in Deutschland, die über Ermächtigungen hier steuernd und sinnvoll eingreifen.
Aus hausärztlicher Sicht können noch viele Beispiele gebracht werden, bei denen durch KBV-Entscheidungen das hausärztliche Verständnis getroffen und das Selbstwertgefühl der Hausärzte verletzt wurde.
Dr. Jürgen Michael Bartels,
BDA Westfalen-Lippe, Scherlingstraße 22, 58640 Iserlohn
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