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Influenza

Dtsch Arztebl 2003; 100(20): A-1352 / B-1130 / C-1058

Kolata, Gina

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LNSLNS Medizinthriller
Packend
Gina Kolata: Influenza. Die Jagd nach dem Virus. S. Fischer-Verlag, Frankfurt/Main, 2001, 351 Seiten, gebunden, 20,40 €
Die Pest, Aids, Ebola – fremdartige, entsetzliche Krankheiten. Die Grippe dagegen steht nie auf der Liste der tödlichen Seuchen. Doch kaum eine Viruserkrankung wütete in kurzer Zeit so heftig wie die Grippe-Epidemie von 1918. Weltweit erkrankten 700 Millionen Menschen daran. In nur wenigen Monaten forderte die „Influenza“, die so genannte Spanische Grippe, rund um den Erdball 20 Millionen Tote – mehr als doppelt so viele wie der Erste Weltkrieg. Die amerikanische Wissenschaftsjournalistin Gina Kolata spürt in ihrem Medizinthriller „Influenza. Die Jagd nach dem Virus“ packend und kenntnisreich der rätselhaften Katastrophe von damals nach.
Im September 1918 hatte ein Drittel der Bevölkerung Madrids die Grippe. Mehr als 25 Prozent der amerikanischen Bevölkerung waren erkrankt. Die Gesundheitsämter in den Großstädten verteilten Gazemasken. Das Buch zeigt Fotos von Baseballspielen, auf denen Spieler und Zuschauer Mundschutz tragen. „Sämtliche Theater, fast alle Geschäfte und Lokale sind geschlossen, auf den Straßen regieren tagsüber die Trauerzüge und nachts die Krankenwagen“, zitiert die Autorin eine damalige Zeitung.
Das Erschreckendste an dem neuartigen Grippe-Vi-rus: Es attackierte bevorzugt junge gesunde Erwachsene.
Mit Symptomen wie Gliederschmerzen und stetig steigendem Fieber legten sie sich an einem Tag wie bei Erkältung ins Bett. Wenige Tage später bekamen sie vom Tod gezeichnete bräunliche Flecken auf der Gesichtshaut. Ihre Lungen füllten sich mit Flüssigkeit, an der sie qualvoll erstickten.
Ganze Dörfer wurden ausgelöscht. In vielen Familien wurden die Kinder zu Waisen. Umso erstaunlicher, dass die aggressive Krankheit heutzutage scheinbar völlig aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden ist. Erst Ende der 90er-Jahre machten sich Mikrobiologen aus den USA auf die Suche nach dem Erreger der Influenza. Auf einem Friedhof im ewigen Eis Alaskas stießen sie auf konservierte Opfer der Epidemie, aus dessen Gewebe sie das tödliche Virus isolieren konnten. Das Ziel: einen Impfstoff herzustellen, der einen zukünftigen
Ausbruch der Seuche verhindert. Eva-Maria Schreiner
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