ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2003Erhöhtes kardiovaskuläres Risiko bei depressiven Patienten: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Erhöhtes kardiovaskuläres Risiko bei depressiven Patienten: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2003; 100(20): A-1375

Deuschle, Michael

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LNSLNS Die erhaltenen Rückmeldungen bestätigen, dass der Zusammenhang zwischen Depression und körperlichen Folgeerkrankungen zunehmendes Interesse erfährt. Der Brief von Dr. Haumer verweist auf den Zusammenhang zwischen Hypogonadismus und Depression bei älteren Männern. Tatsächlich gibt es zunehmend Hinweise auf eine gewisse antidepressive Wirkung der Testosteronsubstitution, vor allem bei älteren Patienten mit Hypogonadismus (1, 2). Ebenso weist Haumer zu Recht darauf hin, dass ein antidepressiver Effekt von Sporttherapie als gesichert angesehen werden kann und zugleich die metabolische Situation verbessert (3).
Der Beitrag von Dr. Frank erweitert unsere Darstellung des kardiovaskulären Risikos um den korrekten Hinweis auf eine Assoziation von Depression mit Erkrankungen des Bewegungsapparates (4). Dabei darf man allerdings nicht von einer Assoziation auf einen kausalen Zusammenhang schließen. Hinsichtlich des erhöhten kardiovaskulären Risikos depressiver Patienten legen zumindest mehrere prospektive Studien durch die zeitliche Reihenfolge des Auftretens der affektiven und kardialen Erkrankung einen Kausalzusammenhang nahe. Den Hinweisen von Frank auf die Bedeutung der Prävention kardialer Risikofaktoren und seinem Appell zur interdisziplinären Überbrückung der Fachrichtungen können wir uns selbstverständlich anschließen. Besonders möchten wir Kollegen Agelink für den wichtigen Hinweis danken, dass gemeinsame Hintergrundvariablen gleichermaßen zu Depression und Herzerkrankung prädisponieren könnten. Auf der genetischen Ebene kommt neben dem erwähnten Polymorphismus sicherlich auch der Serotonin-Transporter als Kandidat in Betracht, dessen Polymorphismen gleichermaßen mit Herzerkrankung (5) und Depression (6) assoziiert sind. Den Ausführungen zur Regulation der Herzfrequenz durch das autonome Nervensystem ist nichts hinzuzufügen. Der Hinweis auf den günstigen Einfluss einer Lithiumprophylaxe auf das kardiovaskuläre Risiko stützt unsere Einschätzung, dass serotonerge Substanzen, insbesondere SSRI, geeignete Substanzen sind, um Depressivität einerseits und Ausprägung einzelner kardiovaskulärer Risikovariablen andererseits günstig zu beeinflussen.
Literatur
1. Pope HG, Cohane GH, Kanayama G, Siegel AJ, Hudson JI: Testosterone gel supplementation for men with refractory depression: a randomized, placebo-controlled trial. Am J Psychiatry 2003; 160: 105–111.
2. Perry PJ, Ytes WR, Williams RD, Anderson AE, MacIndoe JH, Lund BC, Holman TL: Testosterone therapy in late-life major depression in males. J Clin Psychiatry 2002; 63: 1096–1101.
3. Mather AS, Rodriquez C, Guthrie MF, McHarg AM, Reid IC, McMurdo ME: Effects of exercise on depressive symptoms in older adults with poorly responsive depressive disorder: randomised controlled trial. Br J Psychiatry 2002: 180: 411–415.
4. Huyser BA, Parker JC: Negative affect and pain in arthritis. Rheum Dis Clin North Am 1999: 25: 105–121.
5. Comings DE, MacMurray JP, Gonzalez N, Ferry L, Peters WR: Association of the serotonin transporter gene with serum cholesterol levels and heart disease. Mol Genet Metab 1999; 67: 248–253.
6. Whyte EM, Pollock BG, Wagner WR, Mulsant BH, Ferrell RE, Mazumdar S, Reynolds CF: Influence of serotonin-transporter promoter region polymorphism on platelet activation in geriatric depression. Am J Psychiatry 2001; 158: 2074–2076.

Priv.-Doz. Dr. med. Michael Deuschle
Zentralinstitut für Seelische Gesundheit J5
68159 Mannheim

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