ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2003Akutes Abdomen – Bildgebung heute: Einseitige Darstellung

MEDIZIN: Diskussion

Akutes Abdomen – Bildgebung heute: Einseitige Darstellung

Dtsch Arztebl 2003; 100(20): A-1376 / B-1148 / C-1076

Greiner, Lucas

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LNSLNS Die Arbeit von Marincek habe ich mit einigem Befremden gelesen – spiegelt sie doch die aktuelle Hightech-Überbewertung in der Bildgebung in klassischer Weise wider. Abgesehen von überflüssigen epidemiologischen Bemerkungen („die akute Cholezystitis ist häufig“) und pathogenetischen Hinweisen („die akute Cholezystitis entsteht meistens durch Steineinklemmung im Ductus cysticus“) wird der diagnostische Einsatz der Computertomographie (CT) bei nahezu allen aufgeführten Indikationsbereichen des akuten Abdomens erheblich überbewertet – sowohl im Bildmaterial als auch in den Formulierungen des Textes. Die Abdominal-Sonographie dagegen – die insbesondere in der Notfallsituation ad hoc verfügbar und reproduzierbar ist – wird geradezu stiefmütterlich kurz oder überhaupt nicht differenziert dargestellt und gewürdigt. Dies fällt beispielsweise bei den aufgeführten Indikationsbereichen der Intestino-Sonographie und der vaskulären Notfallsituation (zum Beispiel rupturiertes Aortenaneurysma) auf.
Falsch ist es weiterhin, implizit die CT-Untersuchung als (weitestgehend) unabhängig vom Untersucher darzustellen – das Gegenteil ist der Fall. Jedwede Bildgebung einschließlich der Abdominal-Sonographie bedarf der intensiven Anwenderbemühung. Dass hierzu auch eine vom Arzt selbst erhobene Anamnese sowie eine selbst durchgeführte klinische Untersuchung unabdingbar ist – für jeden sonographierenden Arzt eine Selbstverständlichkeit – sei ebenfalls erwähnt. Diese „alten klinischen Tugenden“ sind in manch einem Radiologen-Praxisalltag weitestgehend abhanden gekommen. Kostenaspekte spielen für den Autor offensichtlich ebenso wenig eine Rolle (wohl weil sie zu Gunsten der Abdominal-Sonographie angestellt werden müssten) wie Überlegungen der Praktibilität (dito). Auch die Möglichkeiten der diagnostischen und der therapeutischen ultraschallgesteuerten Punktionen finden keine ausreichende Würdigung.

Prof. Dr. med. Lucas Greiner
Medizinische Klinik 2
Helios Klinikum Wuppertal GmbH
Heusnerstraße 40
42283 Wuppertal

Der Verfasser hat auf ein Schlusswort verzichtet.

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