ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2003Demenz: Verhaltensstörungen werden unterschätzt

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Demenz: Verhaltensstörungen werden unterschätzt

Dtsch Arztebl 2003; 100(20): A-1381

Vetter, Christine

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LNSLNS Bei dem Begriff „Demenz“ denkt man automatisch an Störungen des Gedächtnisses sowie Probleme bei der Orientierung in Raum und Zeit. Aber die Erkrankung hat eine weitere Dimension, die unterschätzt wird. So leiden sehr viele Demenzpatienten unter Halluzinationen und Wahnvorstellungen. Das Krankheitsbild ist ferner geprägt durch Unruhe, eine Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus, sozialen Rückzug, Misstrauen sowie Aggressionen.
„Solche Verhaltensveränderungen begleiten oft die Demenz oder gehen ihr sogar voraus. Sie sind für die Angehörigen in aller Regel belastender als das kognitive Defizit“, berichtete Prof. Rolf Hirsch (Bonn). Die Verhaltensstörungen sind nach seinen Worten in vielen Fällen für eine frühzeitige Heimeinweisung des Patienten verantwortlich und damit auch dafür, dass es sich bei dieser Störung um ein sehr kostenträchtiges Krankheitsbild handelt.
Die Verhaltensstörungen werden noch weitgehend unterschätzt. Rund 80 bis 90 Prozent der Patienten erhalten nach Aussage von Hirsch nicht die notwendige Therapie. Ob eine gezielte Behandlung notwendig ist, lässt sich mit einfachen Fragen ermitteln, wie sie von Prof. Pasquale Calabrese (Bochum) mit dem Explorationsmodul Verhaltens-Analyse – EVA – entwickelt wurden. Die Fragen umfassen sechs Bereiche: die Stimmung, das Sozialverhalten und den Antrieb, psychotische Phänomene und eine Disinhibition sowie Aggressivität. Sie können von den Patienten oder ihren Angehörigen in der Praxis beantwortet werden. „Bei zwei oder mehr positiven Antworten muss gezielt behandelt werden“, erläuterte Calabrese. Das Explorationsmodul ist für den Arzt wie eine Art Checkliste. Es ist einfach durchzuführen und gibt Hinweise, wann bei Patienten mit entsprechenden Leistungseinbußen reagiert werden muss.
Indiziert sind atypische Neuroleptika, wobei einzig der Wirkstoff Risperidon für diese Indikation zugelassen ist. Er ist gut wirksam und verträglich. In zwei Anwendungsbeobachtungen wurden nach Angaben von Prof. Alexander Kurz (München) 7 142 Patienten mit Demenz und gleichzeitig bestehenden Verhaltensstörungen mit Risperidon (Risperdal®) behandelt, im Durchschnitt mit 1,5 mg täglich. Zielsymptome waren Erregung, Aggressivität, Schlaf-Wach-Rhythmus, sozialer Rückzug, krankhaftes Misstrauen und Wahn. Die Patienten waren im Durchschnitt 81 Jahre alt, der Anteil der Frauen war deutlich höher als der der Männer.
Innerhalb von nur zwei Wochen kam es zu einer statistisch signifikanten Verbesserung der Verhaltensstörungen unter Risperidon bezüglich aller Zielsymptome. 95 Prozent der Ärzte beurteilten das Verhalten der Patienten als gebessert oder deutlich gebessert, die Angehörigen gaben zu 95 Prozent an, das Verhalten der Patienten sei besser oder deutlich besser geworden. Nach Angaben von Kurz reagierten 92 Prozent der Patienten als Responder auf die Medikation (Verbesserung der Summenscores der Leitsymptome um mindestens 30 Prozent). Die Daten wurden in einer zweiten Anwendungsbeobachtung bei 1 209 Patienten, die von einem anderen Neuroleptikum auf Risperidon umgestellt wurden, bestätigt.
Dabei wurde Risperidon gut vertragen. Der Vorteil der Medikation liegt darin, dass sie keine extrapyramidalen Symptome, keine Sedierung und keine anticholinergen Effekte verursacht, hieß es in Köln. Es kommt zu keiner Mundtrockenheit, nicht zu Spätdyskinesien und orthostatischen Problemen im Gefolge der Medikation. Christine Vetter

Pressekonferenz „Demenz schafft Verhaltensstörungen – Risperidon schafft Perspektiven“ der Firma Janssen-Cilag in Köln
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