ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2003Mitteilungen: „Aus der UAW-Datenbank“ Interstitielle Nephritis unter Pantoprazol

BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Bundes­ärzte­kammer

Mitteilungen: „Aus der UAW-Datenbank“ Interstitielle Nephritis unter Pantoprazol

Dtsch Arztebl 2003; 100(20): A-1387 / B-1155 / C-1083

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft
„Aus der UAW-Datenbank“
Interstitielle Nephritis unter Pantoprazol

Zu den Aufgaben der Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) gehören die Erfassung, Dokumentation und Bewertung von unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW). Die AkdÄ möchte Sie regelmäßig zu speziellen Fragen der Arzneimittelsicherheit informieren und hofft, Ihnen damit wertvolle Hinweise für den Praxisalltag geben zu können.
Der AkdÄ wurde über einen 72-jährigen polymorbiden Patienten berichtet, bei dem es unter einer vier Wochen dauernden Behandlung mit Pantoprazol zu einer histologisch verifizierten interstitiellen Nephritis kam. Das Kreatinin stieg auf maximal 9,4 mg/dl und fiel nach dem Absetzen von Pantoprazol und unter Glucocorticoid-Gabe prompt ab. Nach den Umständen des Falles kann davon ausgegangen werden, dass Pantoprazol als Auslöser der Schädigung wahrscheinlich ist.
Pantoprazol ist seit 1994 auf dem Markt. Im deutschen Spontanerfassungssystem für unerwünschte Arzneimittelwirkungen (gemeinsame Datenbank von BfArM und AkdÄ) liegen mit Datenstand vom 8. 4. 2003 bisher insgesamt 301 Meldungen über Pantoprazol vor. Die meisten der angegebenen UAW beziehen sich auf gastrointestinale und generalisierte Störungen. 14,3 Prozent betreffen „Niere und ableitende Harnwege“. Eine interstitielle Nephritis wird dabei in drei Fällen genannt.
Hinsichtlich der übrigen Protonenpumpenhemmer sind zu Omeprazol (Markteinführung 1989) insgesamt 769 UAW-Berichte erfasst, darunter ebenfalls drei Meldungen über das Auftreten einer interstitiellen Nephritis. Der Anteil der Fälle im Bereich Niere und ableitende Harnwege beträgt für Omeprazol 8,2 Prozent. Über Lansoprazol (Markteinführung 1993) liegen 208 Meldungen vor. Hiervon beziehen sich 7,2 Prozent auf die Niere und die ableitenden Harnwege. Eine Meldung über eine Nephritis liegt hierzu bisher nicht vor. Auch zu Esomeprazol (Markteinführung 2000) ist noch keine entsprechende Meldung verzeichnet (Gesamtberichtszahl: 86), während für Rabeprazol (Markteinführung 1998) ein Verdachtsfall über eine Nephritis erfasst ist (Gesamtberichtszahl: 18).
In der Literatur finden sich wiederholt Hinweise über das Auftreten einer interstitiellen Nephritis unter einer Therapie mit Omeprazol (15). Für Pantoprazol und die übrigen Protonenpumpenhemmer liegen bisher dagegen keine entsprechenden Angaben in der recherchierten Literatur vor. Während bei omeprazol-haltigen Arzneimitteln in den Fachinformationen im Abschnitt Nebenwirkungen auch angegeben wird, dass sehr selten eine interstitielle Nephritis auftreten kann, wird diese UAW in den Fachinformationen aller anderer Protonenpumpenhemmer nicht erwähnt.
Trotzdem könnte es sich bei der UAW „interstitielle Nephritis“ um eine Gruppeneigenschaft der Protonenpumpenhemmer handeln, wobei über den Wirkmechanismus noch keine klaren Vorstellungen bestehen.
Nach den vorliegenden Erkenntnissen erscheint es daher ratsam, bei einer etwa über eine Woche hinausgehenden Behandlung mit Protonenpumpenhemmern den Urin mit Teststäbchen auf Eiweiß und Leukozyten zu überprüfen und gegebenenfalls den Kreatininwert zu bestimmen.
Bitte teilen Sie der AkdÄ alle beobachteten Nebenwirkungen (auch Verdachtsfälle) mit, Sie können dafür den in regelmäßigen Abständen im Deutschen Ärzteblatt auf der vorletzten Umschlagseite abgedruckten Berichtsbogen verwenden oder diesen aus der AkdÄ-Internet-Präsenz www.akdae.de abrufen.

Literatur
1. Fleury D et al.: Acute interstitial nephritis due to omeprazole. CIin Nephrol 1995; 44 (2): 129.
2. Montseny JJ, Meyrier A: Immunoallergic granulomatous interstitial nephritis following treatment with omeprazole. Am J Nephrol 1998; 18 (3): 243–246.
3. Myers RP et al.: Acute interstitial nephritis due to omeprazole. Am J Gastroenterol 2001; 96 (12): 3428–3431.
4. Rossert J: Drug-induced acute interstitial nephritis. Kidney Int 2001; 60 (2): 804–817.
5. Singer S et al.: Acute interstitial nephritis, omeprazole and antineutrophil cytoplasmic antibodies. CIin Nephrol 1994; 42 (4): 280.

Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft, Aachener Straße 233–237, 50931 Köln, Telefon: 02 21/40 04-5 28,
Fax: -5 39, E-Mail: info@akdae.de
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema