ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2003Gesundheitspolitik: „Fortbildung gezielt organisieren“

POLITIK

Gesundheitspolitik: „Fortbildung gezielt organisieren“

Dtsch Arztebl 2003; 100(21): A-1410 / B-1174 / C-1101

Rabbata, Samir

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„Arzt muss hohen Erwartungen des Patienten gerecht werden.“ Vorstand der Kongressgesellschaft für ärztliche Fortbildung, Prof. Dr. med. Reinhard Gotzen
„Arzt muss hohen Erwartungen des Patienten gerecht werden.“ Vorstand der Kongressgesellschaft für ärztliche Fortbildung, Prof. Dr. med. Reinhard Gotzen
Berliner Ärztekammerpräsident Jonitz fordert Nebeneinander traditioneller
und moderner Fortbildungsformen. Deutscher Ärztekongress tagt in Berlin.
Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt hatte es schon vor Monaten angekündigt – Ärzte sollen künftig zur fachlichen Fortbildung gesetzlich verpflichtet werden und diese regelmäßig nachweisen. In ausformulierten Paragraphen ist diese Neuregelung in dem nun vorliegenden Gesetzentwurf zur Modernisierung des Gesundheitssystems festgeschrieben, den Rot-Grün Anfang Juni in den Bundestag einbringen will. Demnach müssen Ärzte alle fünf Jahre unter Beweis stellen, dass sie ihre Fortbildungspflicht erfüllt haben. Tun sie dies nicht, droht der Verlust ihrer Zulassung.
Für etliche Fortbildungsträger und Kongressveranstalter wohl ein Grund zur Freude, hoffen sie doch für ihre Fachveranstaltungen auf prall gefüllte Säle. Als Mitinitiator eines der größten Fortbildungskongresse in Deutschland müsste man die geplanten Neuregelungen, egoistisch betrachtet, eigentlich begrüßen, sagte der Berliner Ärztekammerpräsident, Dr. med. Günther Jonitz, bei der Eröffnung des 52. Deutschen Ärztekongresses in Berlin. Erfahrungen aus dem Ausland hätten aber gezeigt, dass ein – wie von der Regierung geplanter – „Ärzte-TÜV“ nicht zu den erhofften Qualitätsverbesserungen in der Medizin führen werde. Schon allein deshalb, weil man Defizite in der Patientenversorgung nicht in erster Linie auf die vermeintlich mangelnde Fortbildung der Ärzte zurückführen könne.
Vielmehr sei unter den vorgegebenen Spielregeln der Politik gute Medizin kaum mehr möglich, kritisierte Jonitz. Ärzte müssten täglich einen Drahtseilakt zwischen zunehmenden ökonomischen Zwängen und immer höher werdenden Anforderungen an die Qualität absolvieren. Zudem vermehrten sich administrative Aufgaben, die es früher in der Form nicht gegeben habe.
Auch vor diesem Hintergrund sei es wichtig, Fortbildungen gezielt zu gestalten, um ständig auf dem Laufenden zu bleiben. Jonitz prognostizierte,
„Beim Studieren im stillen Kämmerlein kommt der Austausch mit Kollegen zu kurz.“ Berliner Ärztekammerpräsident Dr. med. Günther Jonitz Fotos: Bildschön
„Beim Studieren im stillen Kämmerlein kommt der Austausch mit Kollegen zu kurz.“ Berliner Ärztekammerpräsident Dr. med. Günther Jonitz Fotos: Bildschön
dass sich Fortbildung künftig wegbewegen werde von Veranstaltungen mit Frontalvorträgen. Die Wissensvermittlung durch interaktive Medien und die Nutzung medizinischer Datenbanken komme ergänzend hinzu. Dennoch zeigte sich Jonitz zuversichtlich, dass der Veranstaltungstypus des Fortbildungskongresses attraktiv bleiben und seinen festen Platz unter den Informationsangeboten für Ärzte behalten werde. Denn eines dürfe nicht vergessen werden: „Beim Studieren im stillen Kämmerlein kommt der Austausch mit Kollegen zu kurz, und der ist genauso wichtig wie die Aufnahme des reinen Faktenwissens“, betonte Jonitz.
Der Deutsche Ärztekongress gehört mit rund 4 000 Teilnehmern aus dem In- und Ausland zu den größten interdisziplinären Fortbildungsveranstaltungen in Deutschland. Zu den diesjährigen Schwerpunkten gehörten unter anderem neue Erkenntnisse zur Therapie von Herzerkrankungen, innovative Behandlungsstrategien in der Rheumatologie, Fragen der Schmerztherapie sowie aktuelles Schilddrüsenmanagement. Wie in jedem Jahr habe man sich zum Ziel gesetzt, neueste medizinisch wissenschaftliche Erkenntnisse praxisnah zu vermitteln, zugleich aber auch an Bewährtes zu erinnern, sagte der Vorstand der Kongressgesellschaft für ärztliche Fortbildung, der Berliner Internist Prof. Dr. med. Reinhard Gotzen. Der Patient erwarte von seinem Arzt neben menschlicher Zuwendung einen an der neuesten Entwicklung orientierten Wissensstand, der es ermöglicht, diagnostische Methoden rational einzusetzen und moderne Therapiemaßnahmen sinnvoll anzuwenden. Samir Rabbata
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