ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2003Chefärzte: Ärztliche Manager gefragt

POLITIK: Medizinreport

Chefärzte: Ärztliche Manager gefragt

Dtsch Arztebl 2003; 100(21): A-1417 / B-1180 / C-1107

Richter-Kuhlmann, Eva

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LNSLNS Neben hervorragender Patientenbetreuung, Forschung und Lehre sind Kostenbewusstsein und Informationsmanagement nötig.
Ein Arzt, der wie ein Samariter arbeitet, ist nur eine Fiktion. Auch vor den Universitätskliniken, die früher als Bereiche mit nahezu unerschöpflichen Ressourcen galten, macht der Kostendruck längst nicht mehr Halt. Darauf haben sich Chefärzte bisher zu wenig eingestellt. „Wenn es an Kostenbewusstsein, Informationsmanagement und Statistikkenntnissen mangelt, ist eine effektive Klinikführung heute nicht mehr zu gewährleisten“, meint Prof. Dr. rer. nat. Dr. med. Michael Höckel, Direktor der Universitätsfrauenklinik Leipzig.
Mit den deutschen Ordinarien für Geburtshilfe und Gynäkologie diskutierte Höckel deshalb auf einer „Human Resource Management“-Tagung Ende März in Leipzig die Anforderungen an leitende Ärzte. Er wies darauf hin, wie sehr sich das Berufsbild des Universitätsprofessors in den letzten Jahren verändert habe.
Profilanforderungen anpassen
Jetzt reiche es nicht mehr aus, ein ausgezeichneter Kliniker, Forscher und Lehrer zu sein. Kostenbewusstsein und Management-Talent seien ebenso gefragt. „Es liegt in der Verantwortung der Hochschullehrer, das veränderte Profil, mit dem wir in unserer täglichen Arbeit bereits konfrontiert sind, auch bei den Berufungen zu berücksichtigen und die Profilanforderungen an einen Chefarzt besser den neuen Bedingungen anzupassen“, erklärt Höckel. Anstatt vor allem auf die klinische Laufbahn und die Publikationsliste des Bewerbers zu schauen, sollten seine Fähigkeiten in einer Vielzahl von klinischen Konstellationen direkt begutachtet werden, meint der Gynäkologe. Dazu gehörten beispielsweise die Formulierung eines Gutachtens, das Verstehen von ökonomischen Zusammenhängen, das Vorhandensein einer „medizinischen Logik“, ein kritisches Urteilsvermögen sowie Statistikkenntnisse.
Den Chefarzt zum „dienstleistungsorientierten Manager für Krankenversorgung sowie Forschung und Lehre“ wandeln möchte Dr. Elmar Keller, Kaufmännischer Vorstand des Universitätsklinikums Leipzig. Dazu müssten nach seiner Ansicht die Rahmenbedingungen grundlegend geändert werden. Keller schlägt eine Grundvergütung vor, die 30 bis 50 Prozent des Gehalts eines Chefarztes entspricht. Diese soll leistungsabhängig um 40 bis 50 Prozent aufgestockt werden. Weitere fünf bis zehn Prozent könnten durch Gutachten oder Vorträge erzielt werden. Privatliquidationen und persönliche Ermächtigungen lehnt Keller ab.
Keine Privatliquidationen
„Privatpatienten können oft ebenso gut durch ein qualifiziertes Team wie durch den Chefarzt behandelt werden“, stimmt Höckel zu. „Den Ordinarien sollte die Behandlung komplexer Krankheitsbilder auf höchstem Niveau vorbehalten bleiben.“ Unzufrieden ist Höckel mit den Strukturen, die noch an vielen Universitäten herrschen. „Die Autonomie der Klinik muss aufgegeben werden“, fordert er. Synergieeffekte könnten besser genutzt werden, wenn sich vermehrt Kompetenzzentren bilden würden.
Noch ist so manchem Klinikarzt das Rationalisierungs- und kostenorientierte Denken fremd. „Es ist jedoch unvermeidlich, dass ärztliche Leistungen erwirtschaftet werden. Deshalb kann es nicht wider das Berufsethos sein, sich um die finanzielle Seite zu kümmern“, erklärte Prof. Dr. phil. Weyma Lübbe, Philosophin an der Universität Leipzig. Sparpotenziale könnten sogar besser von Personen erkannt werden, die mit den medizinischen Abläufen genau vertraut sind. Dr. med. Eva A. Richter-Kuhlmann

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