ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2003Praxis der transdermalen Schmerztherapie

BÜCHER

Praxis der transdermalen Schmerztherapie

Dtsch Arztebl 2003; 100(21): A-1436 / B-1198 / C-1123

Likar, Rudolf

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Schmerztherapie
Kritische Lektüre
Rudolf Likar, Reinhard Sittl (Hrsg.): Praxis der transdermalen Schmerztherapie. UNI-MED Science, UNI-MED Verlag, Bremen u. a., 2002, 176 Seiten, 77 Abbildungen, Hardcover, 44,80 €
Die Einführung der transdermalen Schmerztherapie stellt sicherlich einen wichtigen Schritt in der Entwicklung der Algesiologie dar. Umso mehr verwundert es, dass dieser Teilaspekt bisher in keinem eigenständigen Lehrbuch der Schmerztherapie behandelt wurde. Diese Lücke wird nun von dem Werk „Transdermale Schmerztherapie“ geschlossen. Was erwartet man von einem guten Lehrbuch? Umfassende Darstellung des aktuellen Wissenstandes, Gewichtung nach Relevanz, Objektivität, didaktische Eingängigkeit und praktische Beispiele.
Dieses Kompendium behandelt alle Facetten der transdermalen Therapiemöglichkeiten von Schmerzsyndromen. So erfährt der Leser, dass transdermale Schmerztherapie nicht nur die Anwendung von Opioiden oder anderen Substanzen wie Capsaicin bedeutet, sondern auch als transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) oder topisch mit Lokalanästhetika erfolgen kann. Die TENS wird anschaulich erklärt und ihrem Stellenwert entsprechend gewürdigt.
Gelungen ist die Darstellung der pflegerischen Aspekte der Schmerztherapie. Hier werden wichtige praktische Aspekte der Anwendung von transdermalen Systemen hervorgehoben, die über den Pflegebereich hinaus relevant sind.
Ein Hauptthemenkreis ist die Entwicklung und Anwendung der transdermalen Opioidapplikation. Die Technik transdermaler therapeutischer Applikationssysteme wird didaktisch geschickt dargestellt und trägt gewiss zu einer verbesserten Sicherheit in der Anwendung solcher Systeme bei. Eine Illustration der Nebenwirkungsraten ist gut zusammengestellt. Die Bedeutung der transdermalen Opioidapplikation für den schmerztherapeutischen Alltag mag auch ein Grund dafür sein, dass dieser Substanzgruppe ein gesondertes Kapitel gewidmet ist. Leider enttäuscht es den Leser nicht nur durch sprachliche und inhaltliche Schwächen, sondern lässt auch eine gewisse Unverhältnismäßigkeit in der Bewertung der verschiedenen Opioide erkennen. Ein weiterer negativer Aspekt ist die fehlende Belegbarkeit einiger Angaben im Sinne einer evidence based medicine. Obwohl klein gedruckte Grafiken Daten zur In-vivo-Pharmakokinetik des transdermalen Buprenorphin darstellen, sucht man vergebens diesbezügliche Literaturbelege. Allenfalls die Publikation von Roy und Flynn aus dem Jahr 1989, in der die transdermale Gängigkeit von Analgetika durch „human cadaver skin“ untersucht wurde, geht in diese Richtung. Dahingegen findet sich eine Untersuchung zur subkutanen oder intravenösen Applikation, obwohl es sich um andere Techniken handelt. Der Missstand mangelnder Validität ist allerdings ein generelles Problem der jungen Disziplin Schmerztherapie und kann diesem Buch nicht angelastet werden.
Tröstlich ist dagegen die Darstellung aktueller Forschungsergebnisse zur peripheren Wirkung von Opioiden. Hier werden sozusagen „Denkmäler“ vom Sockel gestürzt, die den Analgetika strikt eine entweder „periphere“ oder „zentrale“ Wirksamkeit zusprachen. Stefan Wirz
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