ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2003Unerwünschte Nebenwirkungen bei Nahrungsergänzungsmitteln

MEDIZIN: Referiert

Unerwünschte Nebenwirkungen bei Nahrungsergänzungsmitteln

Dtsch Arztebl 2003; 100(21): A-1448 / B-1206 / C-1129

Seger, Gabriele

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LNSLNS Frühere Studien haben gezeigt, dass die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit ernsthaften Nebenwirkungen verbunden sein kann. In den USA sind schätzungsweise 29 000 verschiedene Produkte auf dem Markt. Da diese Präparate vor dem Vertrieb nicht registriert werden müssen, gibt es nur wenige Informationen über ihre Inhaltsstoffe und zu ihrer Sicherheit. Die Überwachung unerwünschter Nebenwirkungen ist daher problematisch. Palmer et al. analysierten die Daten zum Konsum von Nahrungsergänzungsmitteln, die 1998 von 11 Giftzentralen in den USA anhand von 2 332 Telefonbefragungen erhoben worden waren. Unter 1 466 Personen, die solche Präparate eingenommen hatten, waren bei 784 Beschwerden aufgetreten. Bei 489 dieser Fälle führten die Wissenschaftler die Symptome auf die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln zurück. Um den Effekt des gleichzeitigen Konsums vieler verschiedener Inhaltsstoffe und einer Langzeiteinnahme näher zu untersuchen, ermittelten die Forscher anhand dieser Fälle Daten zum Einnahmeverhalten und zur Zusammensetzung einzelner Produkte. Ein Drittel der Nebenwirkungen wurden als ernsthafte Beeinträchtigungen der Gesundheit eingestuft. Die Autoren verzeichneten hier sowohl bekannte als auch neue Reaktionen wie beispielsweise Myokardinfarkt, Leberversagen, Blutungen und sogar Todesfälle. Eine Zunahme des Schweregrades der körperlichen Reaktionen war assoziiert mit dem Konsum von Präparaten, die aus mehreren Inhaltsstoffen zusammengesetzt waren, einer Langzeiteinnahme sowie dem Alter der Personen. Da die Datenlage zu Nahrungsergänzungsmitteln lückenhaft sei und auch in den Datenbanken der Giftzentralen über die meisten Produkte und deren Inhaltsstoffe keine Informationen vorlägen, sind nach Ansicht von Palmer et al. Assoziationen zwischen Nahrungsergänzungsmitteln und Nebenwirkungen schwer verifizierbar. Dies sei insbesondere der Fall, wenn die Produkte aus mehr als nur einem Inhaltsstoff zusammengesetzt seien. Die Wissenschaftler fordern daher eine intensivere Erforschung der Risiken, die mit Nahrungsergänzungsmittelkonsum einhergehen. se

Palmer ME, Haller C, McKinney P, Klein-Schwartz W, Tschirgi A, Smolinske SC, Woolf A, Sprague BM, Ko R, Everson G, Nelson LS, Dodd-Butera T, Bartlett WD, Landzberg BR: Adverse events associated with dietary supplements: an observational study. Lancet 2003; 361: 101–106.

Mary E Palmer, Department of Emergency Medicine, Landspitali University Hospital, Fossvogi, 108 Reykjavík, Iceland. E-Mail: mpalmer@landspitali.is

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