ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2003Schwarz Pharma AG: Die pure Euphorie

VARIA: Wirtschaft

Schwarz Pharma AG: Die pure Euphorie

Dtsch Arztebl 2003; 100(21): A-1461

Flintrop, Jens

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LNSLNS Der Monheimer Arzneimittelhersteller verdient mit seinem Omeprazol-Generikum sehr viel Geld, das vor allem in den USA investiert werden soll.
Der 9. Dezember 2002 wird als Meilenstein in die Firmengeschichte der Schwarz Pharma AG eingehen. Denn seit jenem Montag hat das mittelständische Pharmaunternehmen mit Sitz in Monheim seinen ersten „Blockbuster“ im Portfolio – also ein Präparat mit mehr als einer Milliarde Euro Jahresumsatz. Bereits in den ersten Stunden nach Verkaufsstart hätten Omeprazol-Kapseln im Wert von mehr als 150 Millionen US-Dollar das Lager nahe Indianapolis verlassen, berichtete Vorstandschef Patrick Schwarz-Schütte bei der Haupt­ver­samm­lung am 13. Mai in Düsseldorf. Man sei mit der Produktion nicht nachgekommen. Bis Ende des Jahres habe sich der Umsatz mit dem Magen-Darm-Mittel auf 176,3 Millionen Euro belaufen – und das bei einem „sehr guten Ertrag“. Für das Jahr 2003 peilt die Schwarz Pharma AG einen Omeprazol-Umsatz in Höhe von 1,2 Milliarden US-Dollar oder – je nach Wechselkurs – rund einer Milliarde Euro an.
Gewonnener Patentstreit
Dass Schwarz Pharma die absehbar große Nachfrage nach dem Omeprazol-Generikum in den USA zunächst alleine bedienen darf, kam für das Unternehmen völlig überraschend. Die Erfolgsgeschichte, wie Schwarz-Schütte sie in Düsseldorf darstellte: Im Oktober 2001 war das Wirkstoffpatent des AstraZeneca-Medikaments Prilosec® (Wirkstoff: Omeprazol) abgelaufen. Prilosec® wird zur Behandlung von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren, Refluxösophagitis sowie erosiver Ösophagitis eingesetzt und war 2001 das zweitmeist verkaufte Medikament in den USA (Jahresumsatz: mehr als 3,7 Milliarden US-Dollar). Als nach Ende des Patentschutzes die US-Generika-Unternehmen Andrx und Genpharm sowie die Schwarz-Pharma-Tochter KUDCo auf den lukrativen Markt drängten, leitete AstraZeneca ein Patentstreitverfahren ein. Am 11. Oktober 2002 entschied ein Gericht, dass einzig die Omeprazol-Formulierung von KUDCo nicht das AstraZeneca-Patent verletze, weil es durch zwei eigene Formulierungspatente geschützt sei. „Was wir höchstens gehofft hatten, wurde Realität“, sagte Schwarz-Schütte. Der Aktienkurs hat sich seitdem – gegen den Trend – mehr als verdoppelt (siehe Grafik).
Maßgeblich getragen von der US-Markteinführung des Omeprazol-Generikums, steigerte die Schwarz-Pharma-Gruppe ihren Umsatz im Jahr 2002 um 25,5 Prozent auf 963,5 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss stieg um 19,5 Prozent auf 48,4 Millionen Euro. Die Aktionäre werden mit einer Dividende in Höhe von 0,60 Euro an der rasanten Gewinnsteigerung beteiligt. Für 2003 erwartet Schwarz Pharma eine Umsatzsteigerung auf 1,9 Milliarden Euro. Der Jahresüberschuss werde auf mindestens 250 Millionen Euro ansteigen, versprach Schwarz-Schütte und stellte den rund 320 Aktionären eine höhere Dividende als für 2002 in Aussicht.
Auf die Frage, wie Schwarz Pharma den Gewinn aus dem Omeprazol-Geschäft verwenden wird, antwortete der Vorstandschef: „Wir wollen das Geld primär dort verwenden, wo es sich in unserer Branche lohnt: in den USA.“ Anders als in Europa biete der dortige Markt gute Margen, eine Regulierung finde so gut wie nicht statt. Ziel sei es, die Position in den USA durch Investitionen in Produkte, Projekte und auch Firmen auszubauen. Schwarz Pharma entwickle sich zunehmend zu einem amerikanischen Unternehmen mit Sitz in Monheim am Rhein, betonte Schwarz-Schütte.
Mit Fesoterodin, einem Präparat zur Behandlung der Blasenhyperaktivität und Inkontinenz, sowie Rotigotin, einem Parkinson-Pflaster, hat Schwarz Pharma derzeit zwei Projekte in der Entwicklungsphase III. Die im Vorstand für Entwicklung & Forschung zuständige Prof. Dr. Iris Löw-Friedrich ist überzeugt, dass Schwarz Pharma somit mittelfristig – neben Omeprazol – weitere Erfolg versprechende Präparate in der Pipeline hat. Jens Flintrop
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