ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2003Antihypertonika: Betablocker in USA nachgeordnet

AKTUELL: Akut

Antihypertonika: Betablocker in USA nachgeordnet

Dtsch Arztebl 2003; 100(22): A-1473 / B-1225 / C-1149

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Die neuen Richtlinien der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde zur Behandlung der arteriellen Hypertonie („JNC-7“) benennen die Diuretika in vielen Indikationen als alleiniges Mittel der ersten Wahl. Die früher gleichberechtigten Betablocker sind nachgeordnet. Eine Begründung hierfür findet sich in einer Meta-Analyse, die im Amerikanischen Ärzteblatt publiziert wurde (JAMA 2003; 289: 2534–2544). Dort stufen Bruce Psaty von der Cardiovascular Health Research Unit (Universität Washington/Seattle) und Mitarbeiter Betablocker als Mittel der zweiten Wahl ein. Die Autoren haben eine neuartige Meta-Analyse, die sie „Netzwerk“-Meta-Analyse nennen. Während herkömmliche Meta-Analysen nur den Vergleich von Studien mit den gleichen Medikamenten erlauben, fließen in die Netzwerk-Meta-Analyse auch Studien mit unterschiedlichen Therapieansätzen ein. Dies vergrößert natürlich die Datenmenge und führt – in der Hoffnung der Autoren – zu klareren Ergebnissen. Psaty und Mitarbeiter kombinierten 42 Studien mit 92 478 Patienten, bei denen sieben verschiedene Behandlungsstrategien einschließlich Placebo erprobt wurden. Endpunkte waren neben der Blutdrucksenkung auch der Einfluss auf verschiedene kardiovaskuläre Parameter.

Die niedrig dosierten Diuretika waren Placebo in allen untersuchten Endpunkten überlegen. Für alle anderen Medikamente ließ sich eine derart breite Überlegenheit nicht beweisen. Sie waren nur in einzelnen Endpunkten Placebo überlegen. Dies gilt für Betablocker, ACE-Hemmer, Calciumantagonisten, Alpha-Blocker und Angiotensinrezeptorblocker. Weiter fanden die Autoren, dass in acht von 30 Vergleichsstudien Diuretika anderen Medikamenten signifikant überlegen waren. Hinzu kommen 13 Studien mit einem nicht signifikanten Vorteil der
Diuretika. Nur fünf Studien bevorzugten nicht signifikant andere Medikamente, und vier Studien kamen zu einem indifferenten Ergebnis.

Fazit der Autoren: „Diese Netzwerk-Meta-Analyse liefert überzeugende Beweise, dass die Gabe von niedrig dosierten Diuretika die effektivste Behandlung zur Prävention von kardiovaskulärer Morbidität und Mortalität ist.“ Hinsichtlich der Betablocker bemerken sie, dass sie den billigeren Diuretika unterlegen seien: „Für die unkomplizierte Hypertonie sollten Betablocker als Mittel der zweiten Wahl eingestuft werden.“ Rüdiger Meyer
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