ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2003Börsebius zu Fonds: Mit Argusaugen

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius zu Fonds: Mit Argusaugen

Dtsch Arztebl 2003; 100(22): [84]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Ein Investmentfonds kostet zu Beginn richtig viel Geld, weil der übliche Ausgabeaufschlag ganz schön in die Vollen geht. Bis zu fünf Prozent muss der Anleger bei Aktienfonds hinblättern, und da kann es schon sehr lange dauern, bis der Abschlag von der erwirtschafteten Rendite wieder aufgeholt wird. Andere trösten sich damit, dass bei einem Halten von mehr als zehn Jahren das Fonds-Disagio nicht mehr ins Gewicht fällt.
Alles richtig, dennoch maulen immer mehr Anleger über die üppige Beschneidung ihrer Spargroschen und wandern scharenweise zu Direktbanken, wo teilweise nur der halbe Ausgabeaufschlag anfällt. Tipp am Rande: Wenn Sie genug Geld mitbringen, lohnt sich das Verhandeln immer, Sie können entweder bei Ihrer Bank oder auch direkt bei der Fondsgesellschaft einen satten Rabatt aushandeln.
Die meisten Fondsgesellschaften haben auf die zunehmende Kundenaufmüpfigkeit und die Konkurrenz durch Billiganbieter längst reagiert und eine neue Fondsform kreiert. Fonds ohne jeden Ausgabeaufschlag werden als das Nonplusultra gefeiert. Bei der DWS (Deutsche Bank) werden die Fonds als „Typ O“ unter die Leute gebracht. Eine wirklich charmante Idee, null Ausgabeaufschlag zu verlangen; aber finden wir hier wirklich das Ei des Kolumbus, das einem die Marketingexperten suggerieren?
Nichts ist umsonst auf der Welt, und das ist auch bei Fonds dieser Art nicht anders. Den Verzicht auf den Ausgabeaufschlag lässt sich die Fondsgesellschaft durch eine (höhere) jährliche Managementgebühr bezahlen. Das ist auch in Ordnung, damit wir uns auch gleich richtig verstehen.
Die entscheidende Frage ist letztlich die Höhe dieser „management fee“ und erst recht, ob nicht an anderer Stelle noch weitere Kosten „produziert“ werden. Beim DWS-Fonds Internationale Aktien Typ O beträgt diese Gebühr 1,5 Prozent per annum, und dazu kommt noch eine Erfolgsbeteiligung, die immer dann anfällt, wenn der Fonds besser als der dazugehörige Index abschneidet. Für das Jahr 2002 macht (nach IFA-Schätzung) diese Vergütung von 2,91 Millionen Euro – bitte jetzt sorgfältig lesen – 5,4 Prozent des (durchschnittlichen) Fondsvermögens aus. Das ist selbst für hartgesottene Fondskritiker starker Tobak.
Der Anleger sollte, das ist die Moral dieser Geschichte, keinesfalls ohne Arg durch die Fondslandschaft laufen, sondern sich mit Argusaugen speziell dem Kleingedruckten widmen. Dort lauert so mancher dicke Hund.
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