ArchivDeutsches Ärzteblatt44/1996Steuernsparen: Die Weichen rechtzeitig stellen

VARIA: Wirtschaft - Recht und Steuer

Steuernsparen: Die Weichen rechtzeitig stellen

Metzger, H.

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LNSLNSLNSLNS Rechtzeitig vor der Jahreswende sollte man bei einer vernünftigen Strategie darauf achten, welche steuerlichen Folgen eine Anlageentscheidung mit sich bringt. "In aller Regel ist es nicht empfehlenswert", warnt die Baden-Württembergische Bank in Stuttgart, "allein auf die Steuer zu schielen." Nur zu leicht würden sich gegebenenfalls vermeintliche Steuervorteile in spätere Belastungen verwandeln, wenn der Investition eine gesicherte wirtschaftliche Grundlage fehle. Wenn jedoch das sonstige wirtschaftliche Umfeld stimme, könne die Ausnutzung steuerlicher Vergünstigungen die Rendite stützen oder zumindest zeitweise nachhaltig erhöhen.
Nachdrücklich macht auch der Deutsche Investment-Trust (DIT) in Frankfurt/Main auf die Steuerfreiheit von Kursgewinnen – nach Ablauf der sechsmonatigen Spekulationsfrist – bei einer Wertpapieranlage aufmerksam, "deren Einfluß auf das Nach-Steuer-Ergebnis mit steigender Progression erheblich zunimmt". Für Investmentfonds gelte dieser Zusammenhang in gleicher Weise. Dabei sei zu beachten, daß der Anteil der Kursgewinne am gesamten Ertrag bei Aktien im allgemeinen höher sei als bei Renten. Im Einzelfall könne sich durch den Tausch von Renten- in Aktienfonds die Steuerlast sogar senken lassen.


Risiko Wertschwankungen
Dennoch sollten die persönlichen finanziellen Zielsetzungen, der individuelle Planungshorizont und die ErtragRisiko-Erwartungen des Anlegers, bei der Wahl der Fondskategorie den Ausschlag geben. "Aktienfonds", so die Faustformel, "kommen insbesondere für solche Investoren in Frage, denen die mit Renten erzielbare NachSteuer-Rendite nicht genügt und die bereit sind, dafür stärkere Wertschwankungen hinzunehmen."
"Für steuerlich induzierte Beteiligungen ist auch in diesem Jahr", da hat das Privatbankhaus Grunelius in Frankfurt/Main keinen Zweifel, "mit großem Interesse der Anleger zu rechnen." Neben den klassischen Fonds, zum Beispiel für Immobilien, die bezüglich der Wertentwicklung sowohl Chancen als auch Risiken beinhalten würden, seien die sogenannten Leasing Fonds hervorzuheben, bei denen bereits zum Investitionszeitpunkt der Veräußerungserlös feststehe. Je nach Ausgestaltung eines solchen Fonds seien Renditen nach Steuer von etwa fünf Prozent bis zu deutlich über zehn Prozent erzielbar. Bei festverzinslichen Wertpapieren würde dies bei höchster Steuerprogression Vor-Steuer-Renditen von rund zwölf Prozent bis zu weit über 20 Prozent entsprechen.
Ein gutes Beispiel für einen solchen Fonds stellt für das Institut der von ihm im vergangenen Jahr mitplazierte Milan Air Leasing Fonds dar. Dieser habe einen Airbus A 320 erworben, der gleichzeitig für neun Jahre verleast wurde. Sowohl die Leasingraten als auch der Mindestveräußerungspreis seien von einer Organtochter der Hessischen Landesbank garantiert worden. Bei höchster Steuerprogression habe sich dabei für den Anleger eine Rendite von deutlich über zehn Prozent nach Steuern errechnet.
Ein Grundmuster steuerlicher Begünstigung ist es für die Baden-Württembergische Bank, zu Beginn einer Investition höhere Abschreibungen zuzulassen, als normal erforderlich wären. Doch derartige Sonderabschreibungen würden in der Regel nur eine Steuerstundung darstellen. Freilich könne über die damit verbundenen Zinsersparnisse hinaus der Effekt der Verlagerung der Steuerpflicht in die Zukunft gezielt ausgenutzt werden. Denn wer als Anleger wisse, daß er heute eine vergleichsweise hohe Steuerbelastung zu tragen habe, diese jedoch in der Zukunft zum Beispiel wegen des Übertritts in den Ruhestand sinken werde, der könne für sich entsprechende Anlagemodelle begutachten lassen. Der Rat erfahrener und vom Anbieter unabhängiger Experten sollte jedoch, wie geraten wird, angesichts der in der Regel schwierigen Rechts- und Steuerfragen auf jeden Fall eingeholt werden. Eingehende Beratung auch von Bankexperten ist um so mehr angebracht, weil Sonderabschreibungen im Zusammenwirken mit Fremdfinanzierung noch besondere Hebeleffekte mit sich bringen. Steuerliche Verluste werden nur auf das Eigenkapital, also den Anlagebetrag, bezogen. Sie sind unter sonst gleichen Umständen um so höher, je geringer der Anteil des Eigenkapitals an der Gesamtfinanzierung ist. Allerdings sind Investitionen mit geringem Eigenkapital aus anderen Gründen oftmals besonders risikobehaftet. Dies zu erkennen und zu bewerten sowie die Vor- und Nachteile bestimmter steueroptimierter Anlagen gegeneinander abzuwägen ist zweifellos eine Aufgabe, die nur zusammen mit unabhängigen Fachleuten angegangen werden sollte. Derartige Gespräche sollten allerdings rechtzeitig vor dem Jahresende und nicht erst im Vorweihnachtsstreß geführt werden. Oskar H. Metzger

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