ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2003TOP V - Tätigkeitsbericht – Approbationsordnung Reform auf gutem Weg

POLITIK: Deutscher Ärztetag

TOP V - Tätigkeitsbericht – Approbationsordnung Reform auf gutem Weg

Dtsch Arztebl 2003; 100(22): A-1492 / B-1243 / C-1165

Krüger-Brand, Heike E.

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Gebhard von Jagow: „Die neue Approbationsordnung ist, wenn sie so umgesetzt wird, wie sie entwickelt wurde, eine deutliche Verbesserung.“
Gebhard von Jagow: „Die neue Approbationsordnung ist, wenn sie so umgesetzt wird, wie sie entwickelt wurde, eine deutliche Verbesserung.“
Die medizinischen Fakultäten arbeiten mit Hochdruck
an den Studienordnungen zur Umsetzung der neuen
Approbationsordnung.

Noch haben nicht alle Fachbereiche an den medizinischen Fakultäten die Inhalte der neuen Ärztlichen Approbationsordnung (ÄAppO) umgesetzt, berichtete der Vorsitzende des Deutschen Medizinischen Fakultätentages, Prof. Dr. med. Gebhard von Jagow, Universität Frankfurt/Main, vor dem 106. Deutschen Ärztetag. Bislang haben 21 von 36 Fakultäten die Anforderungen der zum 1. Oktober 2003 in Kraft tretenden 9. Novelle bei der Überarbeitung ihrer Studienordnungen berücksichtigt. Die neue ÄAppO soll zu einer grundlegenden Reform des Medizinstudiums führen und die Mängel der alten Curricula beseitigen.
In seinem Bericht erinnerte von Jagow an die Ziele der Reform: Sie solle vor allem die Theorielastigkeit und Praxisferne des Medizinstudiums beseitigen, den vorklinischen mit dem klinischen Studienabschnitt verzahnen, zu fachübergreifender, interdisziplinärer Lehre führen und einen problemorientierten und fallbezogenen Unterricht ermöglichen. Darüber hinaus werde das Prüfungswesen reformiert, indem das Übergewicht der zentralen schriftlichen Multiple-Choice-Fragen zurückgenommen und verstärkt praktische Kenntnisse studienbegleitend und in mündlichen Examina geprüft werden. Am Ende des klinischen Studienabschnitts sollen die Studierenden in der Lage sein, häufige und wichtige (sofort behandlungsbedürftige) Erkrankungen zu diagnostizieren und zu behandeln.
Die ersten Studierenden beginnen das Medizinstudium nach der neuen Approbationsordnung zum Wintersemester 2003/2004. Bis dahin haben die medizinischen Fakultäten und Universitäten ein großes Arbeitspensum zu bewältigen. Mit der reformierten Ausbildungsordnung haben sie größere Entscheidungsspielräume bei der inhaltlichen und strukturellen Ausgestaltung ihrer Studienpläne, bei der Durchführung von Leistungskontrollen und vor allem bei den Prüfungen erhalten. Allerdings ist damit gleichzeitig die Aufgabe verbunden, sämtliche Curricula, Unterrichtspläne und Prüfungsordnungen grundlegend zu überarbeiten und praxisnäher zu gestalten: So müssten theoretische und praktische Lehrinhalte verknüpft und die Lehrzielkataloge neu definiert werden, erläuterte von Jagow.
Ähnliches gelte für die Prüfungsordnungen: „Die Kultur der Prüfungen wird sich wesentlich ändern“, so von Jagow, denn die Universitäten dürfen künftig eigenverantwortlich in den Pflichtfächern und den Querschnittsbereichen prüfen und benoten. Er verwies darauf, dass die medizinischen Fakultäten die Lehrprofile unabhängig und kompetitiv, jedoch im engen gegenseitigen Kontakt, erarbeiten. Der Austausch erfolgt vor allem über die Homepage des Medizinischen Fakultätentages (www.mft-online.de).
Eine weitere wichtige Aufgabe ist die im Rahmen der Umsetzung der Novelle gesetzlich vorgeschriebene permanente Evaluierung der Lehre. Auf Antrag von Dr. med. Thomas Lipp, Sachsen, empfiehlt der Deutsche Ärztetag der Kultusministerkonferenz, die verpflichtende Evaluation nach bundeseinheitlichen Kriterien zu gestalten. Begründung: Um eine reale Bewertung der akademischen Lehre sicherzustellen, sei eine durchgängige Transparenz ihrer Leistungsbewertung unabdingbar. Nur hierdurch könne die Qualität der ärztlichen Ausbildung gesichert werden.
Abschaffung des AiP
Der Deutsche Ärztetag forderte die Bundesregierung darüber hinaus auf, die achtzehnmonatige Arzt-im-Praktikum-Phase durch Änderung der Bundesärzteordnung zu streichen und die sofortige unbefristete Approbation für derzeitige Ärzte im Praktikum (AiP) einzuführen. Dabei soll auf eine 1 : 1-Umstellung der AiP-Stellen auf Assistenzstellen hingewirkt werden, um eine weitere Verringerung der Arztzahlen im Krankenhaus zu vermeiden. „Die fortgesetzte erhebliche Unterbezahlung ärztlicher Berufsanfänger in Deutschland und ein Hinauszögern der Abschaffung der AiP-Phase sind nicht akzeptabel und drohen den bereits vorhandenen Mangel an medizinischen Nachwuchskräften weiter zu verschärfen“, heißt es in einem Beschluss der Delegierten. Damit erinnerten sie an die Ankündigung von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt, den AiP ab dem Wintersemester 2004/2005 abzuschaffen und bis zum Sommer einen Gesetzentwurf hierfür vorzulegen.
Im Hinblick auf die Reform des Prüfungswesens wird befürchtet, dass es zu einer Verschärfung der Abschlussprüfung durch die Konzentration mehrerer Prüfungen am Ende des Studiums („Hammerexamen“) kommt. Ein Antrag, mit dem die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) aufgefordert wird, sich für eine Verlegung des 2. Teils der ärztlichen Prüfung vor das Praktische Jahr einzusetzen, wurde jedoch nicht abgestimmt, sondern an den Vorstand der BÄK überwiesen. Heike E. Krüger-Brand
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