ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2003Entschließungen zum Tagesordnungspunkt II: Novellierung der (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung

DOKUMENTATION: Deutscher Ärztetag

Entschließungen zum Tagesordnungspunkt II: Novellierung der (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung

Dtsch Arztebl 2003; 100(22): A-1516 / B-1260 / C-1182

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Tagungsort war der Kölner Gürzenich.
Tagungsort war der Kölner Gürzenich.
Paragraphenteil
Fachärztliche Tätigkeiten im Gebiet
In § 2 Abs. 3 der neuen Weiter­bildungs­ordnung möge der Satz wieder eingefügt werden:
„Die in der Schwerpunktkompetenz vorgeschriebenen Weiterbildungsinhalte beschränken nicht die Ausübung der fachärztlichen Tätigkeit im Gebiet.“
Begründung
Dies ist zwar bereits im Heilberufegesetz codiert, dient aber zur Klarstellung, besonders für die Internisten.
Übergangsfristen bei
Teilzeitweiterbildung
Im Abschnitt A § 20 Abs. 9 wird angefügt:
„Auf die dort genannten Fristen findet § 4, 6 entsprechend Anwendung.“
Begriffserläuterungen
„Begriffserläuterungen“ für die Anwendung im Rahmen der (Muster-) Weiter­bildungs­ordnung
Der 106. Deutsche Ärztetag beschließt, in die „Begriffserläuterungen“ für die Anwendung im Rahmen der (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung folgenden Text aufzunehmen:
„Fallseminar: Weiterbildungsmaßnahme mit konzeptionell vorgesehener Beteiligung jedes einzelnen Teilnehmers, wobei unter Anleitung eines Weiterbildungsbefugten anhand von vorgestellten Fallbeispielen und deren Erörterung Kenntnisse und Fähigkeiten sowie das dazugehörige Grundlagenwissen erweitert und gefestigt werden.“
Allgemeine Bestimmungen für die Abschnitte B
und C – Qualitätssicherung/Qualitätsmanagement
als obligatorischer
Inhalt der ärztlichen Weiterbildung
In der dem 106. Deutschen Ärztetag vorgelegten Beschlussvorlage zur Novelle der (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung ist unter „Allgemeine Bestimmungen für die Abschnitte B und C“ unter „Allgemeine Inhalte der Weiterbildung“ aufgeführt, dass die Weiterbildung „unter Berücksichtigung gebietsspezifischer Ausprägungen auch den Erwerb von Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten in . . . „den Maßnahmen der Qualitätssicherung“ beinhaltet. Hier sollte „ . . . und des Qualitätsmanagements“ ergänzt werden.
Der 106. Deutsche Ärztetag befürwortet angesichts der großen Bedeutung guter Qualität in der ärztlichen Berufsausübung, dass für alle Gebiete das medizinische Qualitätsmanagement als obligatorischer Inhalt der ärztlichen Weiterbildung festgeschrieben wird.
Bei der Erteilung von Weiterbildungsbefugnissen und in den Facharztprüfungen ist verstärkt auf die Erfüllbarkeit beziehungsweise Erfüllung der genannten Anforderungen zu achten.
Begründung
Nach der internationalen Definition umfasst
das Qualitätsmanagement alle Tätigkeiten, die dazu dienen, die Qualität der ärztlichen Versorgung hochzuhalten beziehungsweise noch
weiter zu verbessern. Aktivitäten der Qualitätssicherung stellen nur einen Teil des Qualitätsmanagements dar. Somit muss ein angemessenes Qualitätsmanagement ein unverzichtbarer Bestandteil der ärztlichen Berufsausübung sein. Das medizinische Qualitätsmanagement hat mittlerweile einen hohen Reifegrad (siehe Curriculum „Ärztliches Qualitätsmanagement“ der Bundes­ärzte­kammer) erreicht und enthält eine Vielfalt von Konzepten und Aktivitäten, sodass Weiterbilder und in Weiterbildung befindliche Kolleginnen und Kollegen konkrete Anhaltspunkte benötigen, welche Inhalte unbedingt vermittelt beziehungsweise erarbeitet werden müssen. Weiterbilder sollten hier mit gutem Beispiel vorangehen.
Gebiete, Facharzt
und Schwerpunktkompetenzen
Frauenheilkunde und Geburtshilfe;
80-Stunden-Kursweiterbildung „Psychosomatische Grundversorgung“
Der 106. Deutsche Ärztetag beschließt, im Gebiet „Frauenheilkunde und Geburtshilfe“ die Weiterbildungszeit um einen 80-Stunden-Kurs in „Psychosomatische Grundversorgung“ zu ergänzen.
Innere Medizin und Allgemeinmedizin
Bestätigung der Rostocker Beschlüsse
(M-)WBO
Der 106. Deutsche Ärztetag bestätigt ausdrücklich die Rostocker Beschlüsse zur Weiter­bildungs­ordnung.
Innere Medizin, Urkunden
Nach der Prüfung zur Fachärztin/zum Facharzt für Innere Medizin und Schwerpunkt(e) erhält die Ärztin/der Arzt hierüber eine Urkunde mit der ausschließlichen Bezeichnung:
Fachärztin/Facharzt für Innere Medizin und Schwerpunkt(e) XY.
Die Fachärztin/der Facharzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt (Innere Medizin) XY erhält auf Antrag zum Zwecke der Migration und Niederlassung in einem europäischen Mitgliedsstaat neben der Prüfurkunde eine gesonderte und von der Prüfurkunde inhaltlich und rechtlich getrennte Bescheinigung über ihre/seine Qualifikation als Fachärztin/Facharzt für Innere Medizin.
Begründung
Nur so wird gewährleistet, dass die Fachärztin/ der Facharzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt(e) XY ausschließlich als solche(r) innerhalb der Bundesrepublik Deutschland tätig werden kann, und zwar sowohl in der vertragsärztlichen Versorgung als auch in einem Einzelvertragssystem. Außerdem wird hierdurch klar geregelt, dass die Fachärztin/der Facharzt innerhalb der Bundesrepublik Deutschland ausschließlich die Bezeichnung „Fachärztin/Facharzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt(e) XY“ führen darf.

Zusatzweiterbildungen
Weiterbildungszeiten bei Zusatzweiterbildungen in der Kinderheilkunde
Bei den auf den Seiten 147, 149 und 151 der Beratungsunterlage aufgeführten Zusatzweiterbildungen werden als Weiterbildungszeiten jeweils definiert:
36 Monate, davon können bis zu
– 12 Monate aus der Facharztweiterbildung angerechnet werden und
– 18 Monate im ambulanten Bereich abgeleistet werden.
Zusatzweiterbildung „Proktologie“: Facharztanerkennung
Auch für Frauenärzte sollte die Zusatzweiterbildung „Proktologie“ möglich sein.
Im Entwurf der (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung wird der Vorschlag zur Zusatzweiterbildung „Proktologie“ (Seite 165) wie folgt geändert:
„Voraussetzung zum Erwerb der Bezeichnung: Facharztanerkennung für Allgemeine Chirurgie, Kinderchirurgie, Viszeralchirurgie, Haut- und Geschlechtskrankheiten, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Innere und Allgemeinmedizin, Innere und Gastroenterologie oder Urologie.“
„Weiterbildungszeit: 12 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten gemäß § 5 Abs. 1 Satz 2, davon können 6 Monate der Weiterbildung in Allgemeine Chirurgie, Kinderchirurgie, Viszeralchirurgie, Haut- und Geschlechtskrankheiten, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Innere und Allgemeinmedizin, Innere und Gastroenterologie oder Urologie abgeleistet werden.“
Begründung
Die Zusatzweiterbildung „Proktologie“ sollte auch für interessierte Frauenärzte möglich sein. Die Frauenheilkunde und Geburthilfe ist ein operatives Fach. Im gynäkologischen Alltag spielen auch proktologische Probleme eine gewisse Rolle. Es gibt keinen sachlichen Grund, die Proktologie den Frauenärzten vorzuenthalten.
Dieser Antrag macht nur Sinn, wenn der wei-
tergehende Antrag, die Zusatzweiterbildung je-
dem Facharzt zu ermöglichen, nicht angenommen wird.
Zusatzweiterbildung „Röntgendiagnostik – fachgebunden“
Röntgendiagnostik – fachgebunden
Die Zusatzweiterbildung Röntgendiagnostik – fachgebunden soll wie folgt ergänzt werden:
Weiterbildungszeit
- 18 Monate fachgebundene Röntgendiagnostik bei einem Weiterbildungsbefugten für Radiologie oder Teilradiologie
Begründung
Die ausschließliche Bindung teilradiologischer Weiterbildung an das Fachgebiet Radiologie entspräche nicht der teilradiologischen Qualifikation und birgt damit die Gefahr der Einschränkung der teilradiologischen Weiterbildung und der Patientenversorgung in sich, da aus Kapazitätsgründen in radiologischen Einheiten nicht in ausreichender Zahl weitergebildet werden kann.
Des Weiteren bedeutet dies eine Einschränkung der fachgebundenen Diagnostik und der fachärztlichen Berufsausübung.
Der Antrag wird von allen teilradiologisch tätigen Berufsverbänden und wissenschaftlichen Gesellschaften mitgetragen.
Die beantragte Formulierung entspricht der aktualisierten Röntgenverordnung.
In der Weiter­bildungs­ordnung ist keine Monopolisierung von Inhalten zugunsten oder -ungunsten eines Gebietes vorgesehen. Dies gilt auch für die Radiologie in den Organfächern.
Fachgebundene Röntgendiagnostik
Die Zusatzweiterbildung „Röntgendiagnostik“ – fachgebunden – muss für jeden Befugten die Teilradiologie anwendenden Facharzt auch
beim Weiterbilder seines Fachgebietes, der im Besitz der Fachkunde nach Röntgen-Verordnung ist und selbst die Teilradiologie ausübt, erwerbbar sein.
Begründung
1. Die Röntgen-Verordnung schreibt vor, dass der die Fachkunde vermittelnde Arzt selbst in ihrem Besitz sein muss. Das Berufsrecht sollte hier nicht im vorauseilenden Gehorsam Engpässe in der Weiterbildung schaffen.
2. Alle Röntgenstrahlen anwendenden Ärzte, die fachlich an ihre Gebietsgrenzen gebunden sind, unterliegen den gleichen Anforderungen an Qualität, Kontrolle und Strahlenschutz wie Radiologen.
3. Es bestehen begründete Zweifel, dass genügend radiologische Weiterbildungsstellen für alle Gebiete, in denen ein Bedarf für die Teilradiologie besteht, vorgehalten werden können und diese auch bezahlt werden können. Die ½-jährige Weiterbildungszeit für Allgemeinmedizin in Kinderheilkunde sollte ein warnendes Beispiel sein.
Zusatzweiterbildung „Röntgendiagnostik – fachgebunden“
Die gesamte Weiterbildungszeit für die Zusatzweiterbildung kann während einer Facharztweiterbildung bei einem für diese Zusatzweiterbildung Befugten gemäß § 5 Abs. 1 Satz 2 abgeleistet werden.
Begründung
Der bisherige Entwurf würde zu einer Verlängerung der Weiterbildungszeit um sechs Monate führen im Vergleich zur bisherigen Lösung. Dies ist auch nicht erforderlich nach der Röntgenverordnung.
Zusatzweiterbildung „Röntgendiagnostik – fachgebunden“
(Änderungs-)Antrag zur Beschlussvorlage II-1 des Vorstandes der Bundes­ärzte­kammer zur (Muster-)
Weiter­bildungs­ordnung:
Die in der Definition der Zusatzweiterbildung „Röntgendiagnostik – fachgebunden“ aufgeführten Organsysteme werden um das Organsystem „Mamma“ ergänzt. Unter Weiterbildungszeit heißt es ergänzend:
„12 Monate Röntgendiagnostik Mamma bei einem Weiterbildungsbefugten für Radiologie gemäß § 5 Absatz 1 Satz 1, davon können
– 6 Monate während einer Facharztweiterbildung bei einem für diese Zusatzweiterbildung Befugten gemäß § 5 Absatz 1 Satz 2 abgeleistet werden.“
Begründung
Bis zu 40 % der in der Bundesrepublik Deutschland durchgeführten Mammographien werden derzeit durch gynäkologische Teil-Radiologen erbracht. Im Rahmen der bereits in Kraft getretenen beziehungsweise kurz vor Vertragsabschluss stehenden Verträge zum Disease-Management-Programm „Mamma-Karzinom“ wie auch zum bundesweit einzuführenden Mammographie-Screening ist die Erbringung von mammographischen Leistungen durch Radiologen und Gynäkologen mit Zukunftswirkung festgeschrieben. Diese Tatsache muss sich auch im Weiterbildungsrecht widerspiegeln.
Zusatzweiterbildung „Labor“ / Abschnitt C
. . . eine Zusatzweiterbildung „Labor“ (gebietsbezogen) einzuführen.
Begründung
Dieses ist die klarste Lösung. Hierdurch können Fachärzte gebietsbezogen freiwillig weitergehende Laborkenntnisse erwerben.
Zusatzweiterbildungen: „Betriebsmedizin“
Im Abschnitt C: „Zusatzweiterbildungen“ soll weiter wie bisher die Zusatzbezeichnung „Betriebsmedizin“ aufgeführt werden.
Begründung
1. Es werden nicht genügend Weiterbildungsstellen für Arbeitsmedizin angeboten.
2. Es wird unweigerlich zu Engpässen in der Versorgung der „Kleinst- und Kleinbetriebe“
kommen.
Zusatzweiterbildung Palliativmedizin
In „Weiterbildungszeit“ soll es heißen:
„12 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten gemäß § 5 Abs. 1 Satz 2 in Palliativmedizin“.
Oder anteilig ersetzbar durch:
Eine Kursweiterbildung mit Fallseminaren/Supervision.
Sonstiges
Kontinuierliche Fortentwicklung
der (M-)WBO
Die Bundes­ärzte­kammer wird beauftragt, auf den folgenden Deutschen Ärztetagen jeweils einen Tagungsordnungspunkt „Weiterbildung“ aufzunehmen.
Eine Erneuerung der gesamten (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung alle 10–15 Jahre wird der rasanten Entwicklung in der Medizin nicht mehr gerecht. Wesentliche Änderungen in Wissen und Techniken in der Medizin müssen schnell in die Weiter­bildungs­ordnung übernommen werden. Die Selbstverwaltung muss daher frühzeitig und flexibel auf neue Entwicklungen reagieren.
Weiterbildung in Teilzeit
Der 106. Deutsche Ärztetag fordert den Vorstand der Bundes­ärzte­kammer auf sicherzustellen, dass Weiterbildungsinhalte auch Teilzeitbeschäftigten im Rahmen ihrer tariflich vereinbarten Arbeitszeit vermittelt werden.
Begründung
Eine adäquate Weiterbildung ist während der
Bereitschaftsdienstzeit nicht möglich. Teilzeitstellen können deshalb nur dann Weiterbildungsstellen sein, wenn die Anzahl der Dienste im Verhältnis zur Reduzierung der Wochenarbeitszeit steht.
Berücksichtigung von Erkennen und Behandlung von Gewalt und ihrer gesundheitlichen Folgen in der WBO
In Anlehnung an die Anträge Nrn. VI 48 und VI 64 vom 105. Deutschen Ärztetag in Rostock fordert der Deutsche Ärztetag den Vorstand, die zuständigen Ausschüsse und Kommissionen auf, bei der Diskussion der Inhalte der Weiter­bildungs­ordnung das Thema Gewalt und insbesondere „häusliche Gewalt“ und ihre gesundheitlichen Auswirkungen entsprechend zu berücksichtigen, insbesondere bei der inhaltlichen Gestaltung der Fächer Allgemeine und Innere Medizin, Gynäkologie, Urologie, Pädiatrie, Chirurgie und den so genannten „Psychofächern“.
Begründung
Gewalt und ihre gesundheitlichen Auswirkungen sind ein Problem, das alle Bevölkerungsgruppen erfasst (fünf bis zehn Prozent) mit entsprechender Dimension.
Es bedarf innerhalb der Ärzteschaft der entsprechenden Sensibilisierung für Erkennen, Erfassen und Dokumentation von Akut- und Langzeitfolgen und der adäquaten Gesprächsführung und Case-Management.
Novelle
der (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung
Der 106. Deutsche Ärztetag beschließt die novellierte (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung und bittet die Lan­des­ärz­te­kam­mern, diese bundeseinheitlich und zeitnah in den Kammerbereichen einzuführen.
Anlage: wurde an die Delegierten mit Schreiben vom 2. 4. 2003 versandt.
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