ArchivDeutsches Ärzteblatt44/1996Hormone in der Menopause: Substitution und Kontrazeption

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Hormone in der Menopause: Substitution und Kontrazeption

Vetter, Christine

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LNSLNSLNSLNS Ob Frauen zu einer Hormonsubstitution nach der Menopause bereit sind, hängt nicht zuletzt davon ab, ob sie in jüngeren Jahren die Pille eingenommen haben oder nicht. Das hat eine Umfrage von Infratest ergeben, deren Ergebnis bei der 1. Tagung der Deutschen Menopause Gesellschaft in Berlin vorgestellt wurde. Von einer repräsentativen Stichprobe von 479 Frauen im Alter zwischen 45 und 60 Jahren akzeptierten 28 Prozent die Hormonsubstitution. Nicht alle waren aber zu einer langfristigen Hormoneinnahme bereit.
Nur etwa 50 Prozent nahmen die Hormonpräparate länger als drei Jahre, wie Prof. Hermann P. G. Schneider (Münster) bei einem Medienforum der Schering AG erklärte. Bevorzugt wurden, so das Umfrage-Ergebnis, Tabletten oder Dragees. Pflaster haben mit 15 bis 17 Prozent nach Schneider nur einen geringen Anteil, ein Trend zur Zunahme ist nicht erkennbar.
Auffällig war ein Zusammenhang mit der früheren Einnahme der Pille. So hatten immerhin 53 Prozent der Frauen, die eine Hormonsubstitution akzeptierten, Erfahrung mit der Pille, davon 45 Prozent zwischen fünf und zehn Jahren. Wie Prof. Benno Runnebaum (Heidelberg) erläuterte, kann die niedrig dosierte Pille bei Frauen ohne besondere Risikofaktoren durchaus bis zur manifesten Menopause eingenommen werden. In vielen Fällen ist dies sogar indiziert, etwa bei Zyklusunregelmäßigkeiten, bei Hyper- oder Dysmenorrhoe oder einer Neigung zu Ovarialzysten. Jedoch muß bedacht werden, daß während der Prä- und Perimenopause, also etwa im Alter zwischen 45 und 52 Jahren, auch das Risiko für Erkrankungen steigt, so daß in jedem Einzelfall eine sorgfältige Nutzen-RisikoAbwägung erforderlich ist. Gerechtfertigt ist die Pilleneinnahme bei gesunden Frauen ohne Diabetes mellitus, Hypertonie oder Fettstoffwechselstörung, die nicht rauchen und bei denen es weder in der Eigen- noch in der Familienanamnese Hinweise auf ein erhöhtes Thromboserisiko gibt. Frauen wünschen häufig die Verordnung der Pille, da sie sich von dieser eine besonders sichere Kontrazeption versprechen.
Ist die Einnahme der Pille nicht möglich, so kann nach Runnebaum das Verordnen niedrig dosierter Gestagene in Form der Minipille sinnvoll sein, und zwar auch bei Frauen, die rauchen, und solchen mit milder Hypertonie. Die Minipille hat aber den Nachteil, daß eine konstante regelmäßige Einnahme notwendig ist und daß sehr häufig Zyklusunregelmäßigkeiten und Zwischenblutungen provoziert werden.
Auch über Alternativen zur hormonellen Kontrazeption muß in der Praxis gesprochen werden. Als eine neue Möglichkeit stellte Runnebaum in Berlin das Levonorgestrel-IUP vor, eine hormonhaltige Intrauterinspirale, die etwa fünf Jahre im Körper der Frau verbleiben kann. "Sie gibt somit während der ganzen Perimenopause Schutz vor einer Schwangerschaft", so der Mediziner. Die kontrazeptionelle Sicherheit ist bei Frauen in der Prä- und Perimenopause hoch. Außerdem kommt es zur Abnahme von Hypermenorrhoe, Dysmenorrhoe und Zyklusunregelmäßigkeiten.
Weniger günstig bewertet er dagegen Hormonimplantate. Sie sollen eine Langzeitwirkung von drei bis fünf Jahren haben, werden aber von vielen Frauen nicht akzeptiert. Nachteilig ist laut Runnebaum auch die Tatsache, daß es vermehrt zu Blutungsstörungen kommt und nicht selten Schwierigkeiten beim Entfernen des Implantates auftreten. Christine Vetter
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