ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2003Transplantationspatienten: Längere Lebenszeit, aber mehr Tumoren

AKTUELL: Akut

Transplantationspatienten: Längere Lebenszeit, aber mehr Tumoren

Dtsch Arztebl 2003; 100(23): A-1569 / B-1301 / C-1221

Le

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LNSLNS Organtransplantierte Patienten haben zwar eine statistische Überlebenszeit von 20 bis 25 Jahren, diese geht jeoch mit einem dramatischen Anstieg von Hauttumoren einher. Neben der internistischen Nachsorge sollte daher eine regelmäßige dermatologische Versorgung erfolgen, wie bei der 42. Tagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft in Berlin deutlich wurde. 90 Prozent der Transplantierten entwickeln infolge der Immunsuppression Hauterkrankungen, drei Viertel Hauttumoren und 80 Prozent Infektionen, erläuterte Dr. Eggert Stockfleth (Charité, Berlin). Im ersten Jahr nach der Transplantation stehen Hautinfektionen im Vordergrund; mehr als die Hälfte der Patienten leiden zwei bis fünf Wochen nach dem Eingriff an Herpes-simplex-Erkrankungen. Häufig kommt es zur Reaktivierung von Epstein-Barr-Viren und bedrohlichen Situationen durch Zytomegalieviren. Varizella-zoster-Infektionen erstrecken sich zumeist über mehrere Dermatome, können sich atypisch manifestieren und zeigen hohe Rezidivfreudigkeit, sagte Stockfleth. Multiple kutane Warzen, die durch humane Papilloma-Viren (HPV) hervorgerufen werden, wirken sich beeinträchtigend aus. Hier scheint in vielen Fällen die Therapie mit topischen Immunmodulatoren langfristig hilfreich zu sein.

Das Risiko für aktinische Keratosen ist im Vergleich zur Normalpopulation 250-fach erhöht. Obwohl in drei Vierteln dieser Präkanzerosen HPV-DNA nachzuweisen ist, bleibt vorerst offen, ob diese Viren direkt für die hohe Inzidenz der epidermalen Karzinome verantwortlich sind. Denn in Plattenepithel- und Basalzell-Karzinomen ist eine deutlich niedrigere Viruslast nachzuweisen. Besorgt sind die Dermatologen über die hohe Inzidenz von aggressiv wachsenden Plattenepithelkarzinomen, ihre frühe Metastasierung und die atypische Morphologie. Neben den konventionellen Verfahren haben sich in der Therapie neue Wege eröffnet. So erlaubt die photodynamische Therapie bei oberflächlichen Tumoren auch die Behandlung großer Flächen. Erfolgversprechend scheint auch die Immundeviation zur Stärkung der zellulären Immunität mit so genannten Immune-response-modifiers.

Zur besseren Versorgung der Organtransplantierten wurde in Berlin ein klinikinternes Kompetenz-Netzwerk eingerichtet, das Teil des nationalen Netzwerkverbundes dermatologischer Transplantationsambulanzen SCOP (Skin Care in Organ Transplant Patients) ist. Ein europäischer Dachverband (EURO-SCOP) wurde im vergangenen Jahr gegründet. Le
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