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Nachgefragt

Dtsch Arztebl 2003; 100(23): A-1575 / B-1305 / C-1225

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Foto: Petra Bühring
Foto: Petra Bühring
DÄ: Herr Kommer, was wollen Sie als Präsident der Bundes­psycho­therapeuten­kammer künftig für Ihre Berufsgruppe erreichen?
Detlev Kommer: Viele Regelungen, die die ambulante Versorgung betreffen, sind auf Bundesebene gesetzlich geregelt. Hier hat es bisher an der Möglichkeit gefehlt, die Interessen der Psychotherapeuten eigenständig vertreten zu können. Dies wird eine der wichtigsten Aufgaben der Bundes­psycho­therapeuten­kammer sein. Es gibt aktuelle Schwerpunkte: den Ausbau der psychotherapeutischen Versorgung und den Beibehalt des Erstzugangsrechts. Weiter wollen wir die Verankerung der Psychotherapeuten in der ärztlichen Selbstverwaltung ausbauen und dafür Sorge tragen, dass die Belange der Berufsgruppe auch tatsächlich wahrgenommen werden. Das ist bisher nur indirekt geregelt.

DÄ: Das heißt, Sie wollen in allen gesundheitspolitischen Gremien, entsprechend der Bundes­ärzte­kammer, vertreten sein.
Kommer: Ja, das war bisher faktisch nicht denkbar gewesen aufgrund der Vielzahl der Verbände. Eine Bundes­psycho­therapeuten­kammer soll die Profession einheitlich – mit einer Stimme – repräsentieren. Wir sind historisch zum ersten Mal in der Lage, uns mit Mandat, mit Legitimation auch auf Bundesebene zu äußern.
DÄ: Nochmal zurück zu Ihrer Forderung, den Direktzugang zu erhalten. Andere Facharztgruppen fordern dies ja auch. Warum soll für den Zugang zum Psychotherapeuten eine Ausnahme gemacht werden?
Kommer: Wir können viele Gründe vorbringen, die den Umweg über den Hausarzt in der psychotherapeutischen Versorgung nicht sinnvoll erscheinen lassen. Wir sind zuversichtlich, dass wir eine Lösung herbeiführen, die allen Belangen Rechnung trägt. Zum Beispiel so: In der Psychotherapie gibt es die probatorische Phase, in deren Rahmen obligatorisch vorgesehen ist, dass eine somatische Abklärung zu erfolgen hat. Dies könnte die Schnittstelle zum Hausarzt sein, ohne dass der Direktzugang des Patienten infrage gestellt wird. Dies würde auch die Interessen der Hausärzte nicht berühren. Der Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung, Dr. Klaus Theo Schröder, hat beim Gründungsakt der Bundes­psycho­therapeuten­kammer zugesichert, darüber nachzudenken, ob die Facharztregelung für die psychotherapeutische Versorgung vertretbar ist.

DÄ: Die Bundes­psycho­therapeuten­kammer muss erst mal aufgebaut werden. Womit werden Sie sich jetzt vorrangig beschäftigen?
Kommer: Wir müssen zunächst Geschäftsräume anmieten, Personal einstellen und Fachreferate ausbauen. Dazu benötigen wir etwa ein halbes Jahr. Wir werden danach die Arbeit des Länderrates organisieren. In dem Länderrat kommen die Präsidenten der Länderkammern vierteljährlich zusammen, um über ihre Anliegen zu verhandeln und den Bundesvorstand mit neuen Aufträgen zu versehen. Gleichzeitig müssen wir alles, was in Bezug auf die Reform des Gesundheitssystems geschieht, verfolgen und Termine wahrnehmen, um diese Arbeit zum Erfolg zu führen.
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