ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2003Krankenhausärzte: Enormer Dokumentationsaufwand

POLITIK

Krankenhausärzte: Enormer Dokumentationsaufwand

Dtsch Arztebl 2003; 100(23): A-1581 / B-1310 / C-1229

Müller, Karl; Blum, Udo

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LNSLNS Ergebnisse einer Untersuchung des Deutschen Krankenhausinstituts

Die aktuelle gesundheitspolitische Diskussion um den Ärztemangel und die Arbeitsbedingungen im Krankenhaus thematisiert auch zunehmend den Dokumentationsaufwand im ärztlichen Dienst. Repräsentative Daten existierten dazu bislang nicht. Vor diesem Hintergrund hat das Deutsche Krankenhausinstitut e.V. (DKI) – im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft e.V. (DKG) – den Dokumentationsaufwand deutscher Krankenhausärzte ermittelt. An der Repräsentativerhebung beteiligten sich 1 010 Ärzte der Fachgebiete Chirurgie und Innere Medizin.
Fast drei Stunden für die Dokumentation
Mit Blick auf die ärztliche Dokumentation ist zwischen der patientenbezogenen Dokumentation und der administrativen Dokumentation zu unterscheiden. Die patientenbezogene Dokumentation erfasst den Behandlungsverlauf des Patienten von seiner Aufnahme bis zur Entlassung (zum Beispiel Patientenakte, OP- oder Entlassungsbericht und anderes). Die administrative Dokumentation erfolgt primär zu Verwaltungszwecken (zum Beispiel Anfragen von Kostenträgern/MDK, Ausfüllen von Anträgen, Bescheinigungen, Formularen und anderes).
Hinsichtlich der patientenbezogenen Dokumentation nehmen die tägliche Verlaufsdokumentation in der Patientenakte, die Erstellung des vorläufigen beziehungsweise endgültigen Entlassungsberichtes sowie die Dokumentation der Anamnese/Aufnahmeuntersuchung die meiste Zeit in Anspruch. Mit Blick auf die administrative Dokumentation ist die Verschlüsselung von Diagnosen/Prozeduren sowie die schriftliche Beantwortung der Anfragen von Kostenträgern/MDK am zeitaufwendigsten.
Der ärztliche Dokumentationsaufwand beläuft sich in der Chirurgie auf circa 2 Stunden 42 Minuten je Arzt und Arbeitstag. Davon entfallen etwa zwei Stunden auf die patientenbezogene Dokumentation. In der Inneren Medizin beträgt der durchschnittliche Dokumentationsaufwand je Arzt und Arbeitstag rund 3 Stunden 15 Minuten, davon gut zweieinhalb Stunden für die patientenbezogene Dokumentation.
Die Aufwandswerte streuen sehr stark zwischen den einzelnen Ärzten. Dies dürfte unter anderem auf große Unterschiede in der Organisation der Krankenhäuser beziehungsweise der Arbeit des ärztlichen Dienstes zurückzuführen sein. Deshalb liegt die Hypothese nahe, dass es mit Blick auf die ärztliche Dokumentation Rationalisierungs- beziehungsweise Entlastungspotenziale in vielen Krankenhäusern gibt.
Eine Entlastung von der Dokumentation versprechen sich die befragten Ärzte vor allem durch eine Delegation an andere Berufsgruppen und Dienste, durch eine verbesserte Ausstattung und Organisation im Krankenhaus sowie durch eine weitgehende Standardisierung der Dokumentation.
Nennenswerte Vorteile von Ärzten aus Fachabteilungen mit einer besonderen personellen oder technischen Ausstattung beziehungsweise spezifischen organisatorischen Vorkehrungen konnten jedoch kaum nachgewiesen werden. Primär besteht das Problem bislang in einem unzureichenden Einsatz des vorhandenen Unterstützungspersonals beziehungsweise der gegebenen technischen Ausstattung.
Patienten kommen zu kurz
Mit der Untersuchung liegen erstmals repräsentative Daten zum ärztlichen Dokumentationsaufwand in deutschen Krankenhäusern vor. Es wurde ermittelt, dass Dokumentationstätigkeiten einen erheblichen Anteil an der ärztlichen Arbeitszeit ausmachen, welcher nicht mehr unmittelbar für patientennahe Arbeiten zur Verfügung steht.
Zumindest längerfristig erscheint eine deutliche Verringerung der ärztlichen Dokumentationszeiten durchaus realistisch. Damit ließen sich auch die Arbeitszeiten und Arbeitsbelastungen im ärztlichen Dienst spürbar verkürzen. Eine optimierte Dokumentation ist insofern ein wesentlicher Beitrag zur Einhaltung von Arbeitszeit- und Arbeitsschutzbestimmungen sowie zur Mitarbeiterorientierung und Mitarbeiterzufriedenheit im Krankenhaus.
Der ärztliche Dokumentationsaufwand hat in den letzten Jahren spürbar zugenommen. Wird hier nicht interveniert, dürfte sich die Entwicklung im DRG-System noch verschärfen. Der Abbau des ärztlichen Dokumentationsaufwands erfordert deswegen flankierende politische Maßnahmen, insbesondere die Prüfung bestehender und die Verhinderung weiterer bürokratischer Dokumentationsanforderungen. Dr. rer. pol. Karl Blum/Udo Müller

Bezug der Studie (Preis 18,50 Euro):
Deutsche Krankenhaus Verlagsgesellschaft mbH,
Münsterstraße 169, 40476 Düsseldorf,
Telefon: 02 11/17 92 35-0, Fax: 02 11/17 92 35-20
E-Mail: info@dkvg.de
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