ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2003Geld entstellt: Reinheitsgebot!

POLITIK: Kommentar

Geld entstellt: Reinheitsgebot!

Dtsch Arztebl 2003; 100(23): A-1584 / B-1312 / C-1231

Wagener, Wolfgang

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LNSLNS Der russische Physiologe Iwan Pawlow (1849–1924) beschrieb die „Konditionierung“. Wird mit einem natürlichen Reiz, wie Geruch oder Geschmack von Nahrung, der einen unbedingten Reflex auslöst, zum Beispiel Speichelsekretion, ein neutraler, wirkungsloser Reiz geboten, wie ein Licht-, Ton- oder Berührungssignal, so löst dieser neutrale Reiz nach mehrfacher Wiederholung den Reflex auch allein aus. Dieser „bedingte Reflex“ ist erfahrungs- beziehungsweise lernabhängig, im Gegensatz zu den natürlichen, unbedingten Reflexen.
Zwischen natürlichem und konditionalem Reiz bildet sich bei Konditionierung eine Assoziation. Fast alle natürlichen lassen sich durch künstliche Reize konditionieren. Erfolgsassoziationen sind entscheidend. Erfolge machen konditionier- und dressierbar. Besonders, wenn einer diese „Aufmerksamkeit“ schätzt oder braucht.
Die Annahme von Vorteilen – auch „Aufmerksamkeiten“ genannt – ist anrüchig, für eine Person oder Partei ein Makel. In Verbindung mit wissenschaftlichen oder gar produktbezogenen Aussagen, wie in Mitteilungen der pharmazeutischen Industrie, ist für die jeweiligen Autoren eine Konditionierung zu postulieren. Wer bezahlt, erwartet etwas. Kein Unternehmen investiert ohne Umsatz-/Gewinnerwartung.
Ein bedingter Reflex der Vorteilsnahme scheint zunehmend konditioniert zu werden: Reisen, Essen, Bonusmeilen et cetera. Jeder weiß: „Wer schmiert, kaum je verliert!“ Von hoher Regierungsstelle ist weiter bekannt, dass ein Amt einen Menschen schneller verändert als ein Mensch das entsprechende Amt. Dies gilt nicht nur für öffentliche Ämter. Da Assoziationsbildung auch zwischen gewissen „Studienergebnissen“ und Vorteilen programmierbar scheint, sind Kontrollmechanismen notwendig. Für jeden muss deutlich sein, ob und woher ein (ärztlicher) Experte „Zuwendungen“ erhält. Wer „sauber“ arbeitet, vom Gewissen und auf der „Einnahmeseite“, hat kein Problem. Egal, ob Arzt, Wissenschaftler oder Volksvertreter. Wer etwas zu verschweigen hat, weiß warum. Dr. med. Wolfgang Wagener
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