ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2003Fallpauschalen: Der Zug fährt in eine andere Richtung

BRIEFE

Fallpauschalen: Der Zug fährt in eine andere Richtung

Dtsch Arztebl 2003; 100(23): A-1599 / B-1325 / C-1243

Schelden, M.

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LNSLNS Der findige Krankenhausmanager wird sich hüten, bei der Suche nach alternativen Versorgungsstrukturen nur einen Cent der ohnehin knapp bemessenen Fallpauschalen an „kooperative“ niedergelassene Ärzte abzugeben. Solange eine Klinik einen 24-Stunden-
Versorgungsauftrag tagtäglich wahrnimmt, muss eine aufwendige Infrastruktur und hoch qualifiziertes Personal vorgehalten und bezahlt werden. Dadurch sind die Kliniken durchaus in der Lage, den „pauschalen stationären Fall“ komplett zu managen, ohne haftungsrechtliche Befürchtungen auch bei kürzeren Liegezeiten zu haben. Wie soll der nachbehandelnde niedergelassene Arzt bei Komplikationen das Krankenhaus von der Haftung entlasten? Soll eine Beteiligung an der DRG-Fallpauschale als „Schweigegeld“ herhalten?
Zu vordergründig ist auch die Überlegung, mit einer Abgabe des Krankenhauses potenziellen einweisenden Hausärzten einen finanziellen Anreiz (wofür?) anzubieten. Welche Leistungen werden dann vergütet? Kein Operateur wird sich auf die Indikationsstellung, Würdigung der vorhandenen Diagnostik, Abwägung der OP-Risiken und OP-Aufklärung durch den Hausarzt verlassen wollen und den Patienten im OP empfangen! Die integrierte Versorgung wird in diesem Leitartikel ganz einseitig als eine Umverteilung des Krankenhausbudgets in den niedergelassenen „Topf“ verstanden. Der Zug alternativer Versorgungsstrukturen wird aber in einer ganz anderen Richtung abfahren: Das Krankenhaus wird nicht zum medizinischen Technologiezentrum „aufgewertet“, das als Erfüllungsgehilfe für kritiklos indizierte und zunehmend inflationär angewendete hoch spezialisierte Leistung herhalten muss. Das Krankenhaus der Zukunft in Deutschland wird sich zum Gesundheitszentrum etablieren, in dem mit fachlich hoher Kompetenz und effektiv eingesetzten medizinischen Infrastrukturen auch ambulante Leistungen außerhalb der DRG-Fallpauschalen erbracht und gesondert mit den Krankenkassen abgerechnet werden. Zu guter Letzt wird in den Kliniken auch der Nachwuchs an ambulanten Versorgungsstrukturen ausgebildet werden müssen, um den „Fall“ von der Diagnose bis zum Abschluss der Behandlung managen zu lernen.
Dr. med. M. Schelden,
Caritas-Krankenhaus Dillingen, Werkstraße 3, 66763 Dillingen
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